Pleitegeier über 12 Firmen im Landkreis

Landkreis Mühldorf - Der Pleitegeier kreist auch über Firmen im Landkreis Mühldorf. Die Insolvenzgerichte notierten im Jahr 2012 bisher insgesamt zwölf Insolvenzanträge.

Bayernweit stiegen im ersten Halbjahr die Unternehmensinsolvenzen, den Landkreis Mühldorf hat's nicht so schlimm erwischt wie andere: Hier notierten die Insolvenzgerichte im Jahr 2012 bisher insgesamt zwölf Insolvenzanträge. 2011 waren es im gleichen Zeitraum 14 gewesen.

Das heißt für die Menschen, deren Geld in den insolventen Firmen steckt, das meiste dürfte verloren sein, für Banken sieht's dann schlecht aus, wenn die Sicherheiten nicht reichen: Gegen die Unternehmen, die ihre Zahlungsunfähigkeit feststellen lassen wollten, wurden im Kreis Mühldorf Forderungen von 1,108 Millionen Euro angemeldet. Manchmal reicht, was noch da ist, nicht mal mehr für ein Insolvenzverfahren: Vier Anträge wurden mangels Masse abgewiesen.

"Mangels Masse" muss dabei aber für Gläubiger nicht mal schlecht sein. Denn das bedeutet nur, dass die Firma nicht mehr genug Geld hat, um die voraussichtlichen Kosten des Verfahrens zu bezahlen. Insolvenzrichter und Insolvenzverwalter arbeiten nicht zum Nulltarif. Was sie bekommen, legt die "Insolvenzrechtliche Vergütungsverordnung" gesetzlich fest. Von den ersten 25000 Euro, die sie finden, gibt es 40 Prozent. Und wenn am Ende 50 Millionen zusammenkommen, bekommt der Insolvenzverwalter ein Prozent, gleich 0,5 Millionen. Daher braucht's ,Masse' und wenn es da mangelt, öffnet das für den Gläubiger zusätzliche Möglichkeiten: Denn während ihm im Insolvenzverfahren ganz sicher höchstens ein Teil des geschuldeten Geldes angeboten wird oder gar nichts, kann er in diesem Fall Strafanzeige gegen Geschäftsführer stellen. Dem Unternehmer wird ohne Insolvenz auch keine Restschuldbefreiung gewährt, das heißt, Gläubiger haben die Chance in dessen pfändbares Vermögen hinein Forderungen zu vollstrecken, wie es im Fachjargon heißt.

Die 1,108 Millionen Euro an Forderungen, die im Kreis Mühldorf angefallen sind, gehören zu insgesamt 3,59 Milliarden Euro, die an Forderungen für ganz Bayern für 2012 bisher herauskommen. Verglichen mit dem Vorjahreszeitraum sind diese Verluste immens gestiegen: Da waren im Land mit 1,25 Milliarden Euro nur ein rundes Drittel des aktuellen Betrages kritisch. Im Kreis Mühldorf hatte dieser Betrag vor einem Jahr bei 1,662 Millionen Euro gelegen.

Schlechte Karten haben im Falle einer Insolvenz aber nicht nur die Gläubiger, die keine bevorrechtigten Forderungen haben. Es geht hier auch um Arbeitsplätze und Existenzen von Beschäftigten. Im Kreis Mühldorf waren im ersten Halbjahr insgesamt sieben Arbeitsplätze von Insolvenzverfahren betroffen. Das waren 0 mehr als im Jahr 2011. Damals hatte die Zahl im ersten Halbjahr bei insgesamt sieben gelegen. Wenn die Firmen auf dem Weg in die Insolvenz ihre Löhne nicht bezahlt haben, fließen auch diese Lohnforderungen, die vor Verfahrenseröffnung bestanden haben, in die vorgenannten Insolvenzforderungen ein.

Dabei geht es den sieben insolvenzbetroffenen Beschäftigten aber etwas besser als den anderen Gläubigern, denn sie können Insolvenzgeld bekommen. Das Insolvenzgeld wird auf Antrag der Arbeitnehmer, die von einer Insolvenz ihres Arbeitgebers betroffen sind, von der Agentur für Arbeit bezahlt. Ausgeglichen wird der insolvenzbedingte Lohnausfall für höchstens drei Monate. Geld gibt es sowohl bei einem Insolvenzverfahren als auch bei der Abweisung des Insolvenzantrags mangels Masse.

Der Arbeitsplatz ist aber trotzdem weg und die Zukunft ungewiss. Insgesamt mussten sich 12121 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Land insolvenzbedingt auf die Suche nach einem neuen Arbeitsplatz machen, 3206 mehr als vor einem Jahr.

Aus der Erkenntnis, dass es ,insbesondere junge Unternehmen' erwischt hat, wie das Landesamt für Statistik pressemitteilte, lässt sich aber nur bedingt Honig für die Arbeitsplatzsuche saugen. Zumal es bayernweit doch nur 46,3 Prozent der insolventen Firmen waren, die unter acht Jahren waren. Ist also mal wieder alles relativ: Alter schützte auch die verbleibende Mehrheit von 53,7 Prozent nicht vor der Insolvenz. Und wenn ältere Firmen hopps gehen, geht auch mehr Geld verloren, zeigt der Blick in die Bücher: 61,8 Prozent der 3,59 Milliarden Euro gingen im ersten Halbjahr aufs Konto der über achtjährigen Firmen.

Jetzt bleibt noch die Frage, ob wir da die Krise kriegen oder es nur eine Konjunkturdelle ist? Krise ist wahrscheinlicher. Zumindest für exportabhängige Firmen und deren Umfeld. Jeder zweite Arbeitsplatz hängt in Bayern vom Export ab, und jeder zweite Euro Export-Umsatz von Abnehmern in der europäischen Union. Im Landkreis Mühldorf kamen 2011 rund 1,160 Millionen Umsatz-Euro im Verarbeitenden Gewerbe aus dem Export, macht einen Anteil von 44,5 Prozent. zds

Rubriklistenbild: © dpa (SYMBOLBILD)

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