Zwischenfall bei Aleris: Ursache ungeklärt

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Bei einem Zwischenfall bei Aleris sind ammoniumchloridhaltige Salze ausgetreten. Die Substanz ist allerdings nicht gefährlich, versichert das Unternehmen.

Töging - Das Recyclingunternehmen Aleris räumt Probleme in Sachen Emissionen ein - und gelobt Besserung. Die Bevölkerung in Töging ist dennoch beunruhigt.

Mitte Juli waren die Probleme greifbar: Ein dünner Salzfilm lagerte sich auf den Dächern und Autos in der Umgebung der Firma Aleris im Industriegebiet ab - die Folge einer unkontrolliert entwichenen Abgaswolke.

In der Regel ist es der unangenehme Geruch, der - je nach Windrichtung - in regelmäßigen Abständen mal stärker, mal schwächer aus dem Tal in die Stadt hinaufzieht - und den Tögingern Sorgen bereitet. Nach dem Zwischenfall Mitte Juli erreichte das Gesundheitsamt Altötting unter anderem der schriftliche Hilferuf eines Anliegers, der Angst um seine Gesundheit hat.

Daraufhin ließ das Landratsamt Altötting Proben des ausgetretenen Stoffes nehmen und forderte das Recyclingunternehmen zu einer schriftlichen Stellungnahme auf. "Die Ergebnisse der Untersuchung liegen mittlerweile vor. Es handelte sich um Ammoniumchlorid, das in der Konzentration nicht gesundheitsschädlich ist", erklärt Klaus Zielinski, Pressesprecher des Landratsamtes. Mit dem Unternehmen habe man sich geeinigt, anfallende Reinigungskosten zu übernehmen: "Die Salze lassen sich einfach abwaschen." Emmissionsmessungen habe es seitdem nicht gegeben, erklärt Zielinski. Denn in diesem Fall ist das Landratsamt auf umgehende Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen - nicht erst am nächsten Tag. "Wir nehmen dieses Thema ernst. Aber falls jemand gegen Auflagen verstößt, müssen wir denjenigen auf frischer Tat ertappen."

Dabei hat das Vertrauen der Töginger in das Krisenmanagement der zuständigen Stellen in den vergangenen Jahren ohnehin schwer gelitten. Sei es in Sachen Wasser, sei es in Sachen Luft. Vielen ist der Skandal um die Ammoniakemissionen der inzwischen insolventen Alsa im Oktober 2007 noch in bester Erinnerung.

Das Unternehmen Aleris versichert, dass es sich bei Ammoniumchlorid um eine ungiftige Substanz handelt. "Uns war wichtig zu klären, um welchen Stoff es sich handelt und woher er stammt", sagt technischer Leiter Dr. Berthold Lukat. Erst wollte man die Ursache und die Substanz klären, bevor das Landratsamt informiert werden sollte. Im Unternehmen sei man überrascht gewesen, als die Ablagerungen entdeckt wurden. Eine Laboruntersuchung brachte das Ergebnis, die Ursache war schnell gefunden.

"Bei der Revision einer der Filteranlagen sind ammoniumchloridhaltige Salze in den Kamin gelangt. Beim Wiederanfahren der Anlage und der damit verbundenen hohen Saugleistung sind Partikel über den Kamin in die Umwelt gelangt", erklärt Lukat.

Die Verantwortlichen versuchen zu klären, wie sich das Ammoniumchlorid in Gas lösen und damit durch den Filter dringen konnte. Fest steht, dass sich die Salze an den Innenwänden des Kamins abgelagert haben, der bei der nächsten Revision der Filteranlage gereinigt werden soll. Dass diese Salze bis dahin nochmals austreten, schließt Lukat aus.

"Gegen Fehler sind wir nie gefeit. Aber wir versuchen sie durch Prävention zu vermeiden." Durch Zertifizierungen und freiwillige Selbstkontrollen optimiere man die Abläufe stets. Und dazu zähle auch der offene Dialog mit Behörden und Nachbarn. "Uns ist es wichtig, dass sich Anwohner direkt an uns wenden und wir zeitnah die Ursache finden und wirksame Maßnahmen ableiten können", sagt Lukat.

Von schwarzen Abgaswolken oder unangenehmem Geruch ist ihm nichts bekannt. "Unser Betrieb arbeitet zwar nicht staubfrei, alle Abgase liegen aber stets unter dem Grenzwert." Zumindest haben die Messgeräte keine Auffälligkeiten angezeigt. Und zum Gestank kann er nur so viel sagen: "Bei einem Nachbarschaftstag haben uns Anwohner darüber informiert, dass es nach Gummi stinkt." Die Quelle war schnell gefunden: die Reifen der Gabelstapler. Denn die seien über heißes Aluminium gefahren und dadurch habe sich der typische Gummi-Gestank entwickelt.

ha/hi/Mühldorfer Anzeiger

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