Zukunft der Stadtgespräche vertagt

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Wie der überdimensionale Edelstein vor der Tür des Schmuckgeschäfts glänzt die Ledererstraße noch nicht, doch das soll sich nach einer Neugestaltung ändern. Damit das gelingt müssen Stadt, Planer, Eigentümer und Mieter zusammenarbeiten. Die Frage ist, ob dieses Miteinander nur mit den Stadtgesprächen erreicht werden kann oder nicht.

Mühldorf - Es bleibt vorerst offen, ob die Mühldorfer Stadtgespräche weiter gehen. Der Stadtrat konnte sich nicht darauf einigen, einige Mitglieder halten die Fortführung im bisherigen Rahmen für nicht notwendig.

Ohne einheitliches Meinungsbild vertagte der Stadtrat seine Entscheidung über die Fortsetzung der Stadtgespräche auf die nächste Sitzung im Oktober. Dann soll Bürgermeister Günther Knoblauch eine detaillierte Auflistung der Ausgaben vorlegen, die sich in den vergangenen drei Jahren auf 117000 Euro beliefen; davon förderte die Städtebauförderung etwa 60 Prozent. Ende des Jahres laufen die Stadtgespräche regulär aus.

Grundsätzlich stellte kein Stadtratsmitglied den Sinn der der Stadtgespräche in den vergangenen drei Jahren in Frage. Eine Fortsetzung aber hielten einige für aber nicht nötig. "Die Stadtgespräche 2010 einzuführen, war richtig, was heraus gekommen ist, ist sehr schön", sagte CSU-Fraktionsvorsitzende Ilse Preisinger-Sontag, die selbst in einer Projektgruppe mitgearbeitet hat. "Das könnte aber intern mit weniger Kosten fortgeführt werden." Sie sieht keine Gründe, warum es ohne Stadtgespräche nicht zu schaffen sei. Ähnlich argumentierte Dr. Georg Gafus (Grüne): "Es war ein Anstoß, irgendwann sollten die Projekte alleine weiterlaufen."

Knoblauch: Wäre nicht passiert, wenn wir es selbst gemacht hätten

Bürgermeister Knoblauch will das Projekt um drei Jahre verlängern.

Vor allem mit der Entwicklung zur Neugestaltung der Ledererstraße und der Bereitschaft der Regierung von Oberbayern, die Stadtgespräche weiter zu fördern, begründete Bürgermeister Günther Knoblauch seinen Vorstoß, die Stadtgespräche um drei weitere Jahre zu verlängern. "Viele Dinge entwickeln sich durch die Stadtgespräche sehr erfreulich. Ich glaube nicht, dass das passiert wäre, wenn wir es selbst gemacht hätten."

Die hohe Beteiligung von Bürgern, Projekte, die seit einiger Zeit laufen oder das gemeinsame Gespräch mit Eigentümern und Bewohnern über die Zukunft der Ledererstraße nannte Knoblauch als Beispiele. Er gab zu, dass die Regierung Städtbaumaßnahmen auch ohne die Stadtgespräche fördern würde. "Die Frage ist aber, ob wir ohne Stadtgespräche überhaupt dahin kommen." Konkrete Überlegungen oder ein Konzept, wie die Stadtgespräche weiter gehen könnten, welche Themen angegangen und welche sich selbst überlassen werden sollten, legte Knoblauch allerdings nicht vor.

Ledererstraße als Blaupause für andere Altstadtgassen

Max Oelmaier (FM) nannte die Pläne zur Neugestaltung der Ledererstraße, die für eine Belebung sorgen sollen, eine "Blaupause für andere Altstadtgassen". Er forderte: "Wenn wir weiter machen, sollten wir uns auf bestimmte Vorhaben konzentrieren und nicht nach dem Gießkannenprinzip weiter machen."

Gegen einen "abruptenÜbergang" sprach sich Günter Rosenberger (CSU) aus. Er regte an, Projekte, die Eigendynamik entwickelt hätten, heraus zu nehmen und einen kürzeren Zeitraum als drei Jahre ins Auge zu fassen. Auch Markus Saller (UWG) will die Stadtgespräche nicht stoppen, aber auch keine drei Jahre weiter führen. Er forderte eine Zielvorgabe, nach der selbstständige Projekte entstehen sollen.

Volle Zustimmung zur Fortsetzung signalisierte die SPD-Fraktion. Vorsitzende Marianne Zollner, ebenfalls Aktive bei den Stadtgesprächen, sagte: "Es braucht jemand, der die Leute zusammen bringt." Das könne nur ein unabhängiger Außenstehender.

An den Stadtgesprächen haben sich nach Angaben von Initiator und Moderator Thomas Lepping von TL Kommunaldialog in den vergangenen Jahren 60 Mühldorfer regelmäßig beteiligt. Weitere etwa 190 sind laut Lepping informell oder bei einzlenen Veranstaltungen eingebunden gewesen. Aus drei Projektgruppen haben sich eigenständige Arbeitsgruppen mit zum Teil eng umrissenen Aufgabenbereichen heraus gebildet. Dazu gehören das Wunschkinoprogramm, die Bücherrallye oder der Sonntag am Inn.

hon/Mühldorfer Anzeiger

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