Zimtsterne im Haberkasten 

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"Man darf sich nicht zu schade sein, auch mal vor 40 oder 50 Leuten zu spielen", sagt Harald Kotschi (rechts). "Denn Mundpropaganda ist noch immer die beste Werbung" für "De Drei" mit Walter Frank (links) und Rainer Schratt (Mitte).

Mühldorf - Aus „Mei Oide nervt mi“ mach „Zimtsterne“: "De Drei" erobern die Kabarettbühnen der Region, am Freitag stellen sie ihr neues Programm vor.

Lesen Sie hier den Originalartikel aus dem Mühldorfer Anzeiger:

Auf die Gurgeln geschrieben

Es war einer dieser Tage, an denen man sich über jede Kleinigkeit ärgert. "Meine Frau hatte vergessen, am Vorabend den Geschirrspüler einzuschalten. Und mein Frühstücksteller hatte keinen Platz mehr", schmunzelt Walter Frank. Wenig später im Auto lief dann Elvis Presley im Radio: "My baby left me". Und Walter Frank summte mit: "Mei Oide nervt mi". Das ging sich aus. Noch am gleichen Abend nahm der Burgkirchener den Stift zur Hand, keine Stunde später war ein neues Stück für "De Drei" fertig.

Es sind diese kleinen Geschichten des Alltags, die das Kabarett-Trio besingt - natürlich mit jeder Menge Selbstironie und voller Spitzen gegen das weibliche Geschlecht. "Frauenf(r)eindlich" nannten Harald Kotschi, Rainer Schratt und Walter Frank das erste Programm, das sie inzwischen über 25-mal aufgeführt haben. Mit Erfolg: Volle Säle, landauf, landab.

Kein Wunder also, dass die Premiere des neuen Programms "Zimtsterne" am kommenden Freitag im Mühldorfer Haberkasten bereits ausverkauft war, noch bevor ein einziges Plakat an den Litfaßsäulen hing. Natürlich auch, weil es ein Heimspiel ist. Denn hier am Inn haben "De Drei" ihre Wurzeln.

Anfang der 90er-Jahre gründeten Kotschi (Gitarre), Schratt (Stehbass) und Fritz Mayer (Akkordeon) ein Trio in klassischer Wiener Besetzung, das im Fasching die Kappenabende eröffnete. "De Drei" waren in den Folgejahren nicht wegzudenken, wenn es im Stadtsaal darum ging die Lokalpolitiker aufs Korn zu nehmen. Bis 2006 Fritz Mayer starb - und eine große Lücke hinterließ.

Für den letzten Kappenabend-Auftritt 2007 holten sich Schratt und Kotschi den Bassisten Walter Frank auf die Bühne. Doch dabei sollte es nicht bleiben. "Wir fühlten uns einfach zu jung fürs kabarettistische Altenteil", sagt Kotschi über seinen Kappenabend-Abschied. "Außerdem hatte ich noch genügend Texte zu Hause liegen."

Mit dem neuen Bassisten hatten sich auch die musikalischen Möglichkeiten des Trios erweitert. "Für Fritz waren Noten ein Horror. Ein vernünftiger Chorsatz wäre da niemals möglich gewesen", erinnert sich Kotschi. Ganz im Gegensatz zu Walter Frank, mit dem Kotschi schon über 20 Jahre lang bei den "Escalations" Musik gemacht hatte.

Doch Tanzmusik wollten "De Drei" nicht mehr machen. "Wir hatten keine Lust einfach zu reproduzieren, sondern suchten die Herausforderung", sagt Schratt. Also wurden bekannte Schlager mit bayerischen Texten versehen, aus "Minie The moocher" der Blues Brothers wurde beispielsweise "Minni die Mutter" am Wühltisch bei Aldi. "Harald schreibt uns die Stimmen auf die Gurgeln. Er weiß, was er uns zumuten kann", erklärt Walter Frank.

"Schon bei den ersten Proben lagen wir vor Lachen oft am Boden", erinnert sich Rainer Schratt. "Das war schon bei den Kappenabenden immer ein gutes Zeichen." Die Chorsätze gewannen an Format, die Stimmen an Sicherheit. Im März 2008 fand dann im "Lesecafé" in Burgkirchen die frauenf(r)eindliche Premiere statt. Mit gemischten Gefühlen. "Über 25 Jahre stehe ich jetzt schon auf der Bühne. Aber damals hatte ich echt die Hosen voll", grinst Kotschi. Umsonst, denn "De Drei" erspielten sich mit ihren mal derben, mal hintersinnigen Texten eine wachsende Fangemeinde, die nun auf das neue Programm gespannt ist.

Zu viel wollen Kotschi, Schratt und Frank noch nicht verraten, außer: 22 Lieder warten auf die Besucher. "Insgesamt mehr Gesang, weniger Text als im ersten Programm." Über zwei Stunden lang beschäftigen sich "De Drei" ausschließlich mit den Facetten des Weihnachtsfestes vom Nikolausabend über den Kaufrausch bis zur Weihnachtsgans.

Damit erfüllen sich Kotschi & Co. einen langen Traum: "Ein festes Weihnachtsprogramm, das zur staaden Zeit gehört wie der Glühwein und die Lebkuchen wollte ich schon immer machen. Vielleicht wird es ja ein Selbstläufer." Fast ein Jahr Probenarbeit haben sie investiert - zu viel, um nur heuer sechs Wochen lang in der Vorweihnachtszeit zu spielen. Und so ist das Trio auch schon für den Dezember 2010 im Mühldorfer Haberkasten gebucht. Dann mit zwei Terminen.

re/Mühldorfer Anzeiger

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