Spurensuche 70 Jahre nach der Notlandung

Flugzeug 1945 abgeschossen: Spurensuche

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Flugzeughistoriker Erich Blaschke machte sich in Zangberg auf die Suche nach Überresten des abgeschossenen Flugzeugs
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Zangberg - Ein Kampfpilot wird abgeschossen, muss notlanden - und kann sich schließlich retten. 70 Jahre später machen sich Historiker auf die Suche nach dem Flugzeug.

Die Kriegserlebnisse des amerikanischen Piloten Edward W. Appel lesen sich wie das Drehbuch eines Hollywood-Streifens. Im September 1944 wird Appel über Frankreich abgeschossen, überlebt und wird schließlich von amerikanischen Truppen aufgegriffen. 1945 wird Appel dann erneut abgeschossen, dieses Mal in Deutschland, überlebt ein weiteres Mal, schlägt sich durch halb Bayern durch und wird am Ende von denselben Soldaten wie schon in Frankreich aufgegriffen.

Die Sonde schlägt tatsächlich an

Mit Sonde und Schaufel bewaffnet war Blaschke unterwegs

Appel hat seine Erlebnisse selbst niedergeschrieben, der Artikel ist im "Second Air Division Journal" erschienen. Auch der Mühldorfer Anzeiger berichtete jüngst über den amerikanischen Piloten. Der Grund: Appel wurde über dem Landkreis Mühldorf abgeschossen, als er auf ein Flugfeld in Mettenheim-Hart zusteuerte. Seine Notlandung auf einem Acker in der Gemeinde Zangberg jährte sich am Donnerstag, 16. April, zum 70. Mal.

Blaschke wurde fündig und entdeckte immerhin ein Stück Aluminium (zum Vergrößern Bild anklicken)

Früher wurden dort mitunter größere Flugzeugteile ausgepflügt. Zum Jahrestag der Notlandung ist Flugzeughistoriker Erich Blaschke aus Forstern im Landkreis Erding erneut vor Ort und sucht mit einer Sonde nach Flugzeugteilen. Der 72-Jährige vom Verein der Bayerischen Flugzeughistoriker in Schleißheim beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Geschichte der Flugzeuge. Nun steht er auf dem tiefen Acker der Familie Asenbeck und schwenkt seinen Metalldetektor über dem Boden. Die Sonde schlägt tatsächlich an, Blaschke gräbt, und gar nicht tief in der Erde entdeckt er ein längliches Stück Aluminium. Immerhin.

"Mir reicht schon wann. Wo. Fertig."

Blaschke traf in Zangberg auf die Tochter des Piloten sowie auf ein BR-Team, das die Frau und ihren Mann begleitet

Der Flugzeughistoriker kann nur vermuten, dass es von Edward Appels Flugzeug stammt. Genau zuordnen kann er das Teil nicht mehr. Kabelteile etwa würde man hier inzwischen gar nicht mehr finden. "Die Zeit - das ist so lange her. Das ist alles vergammelt", erklärt Blaschke. Früher habe man gerade einmal 20 Zentimeter tief gepflügt und trotzdem Flugzeugteile gefunden. Heute dringt der Pflug doppelt so tief in die Erde - Relikte von der Notlandung findet man aber kaum noch. "Jetzt findet man nur noch Schrott", sagt Blaschke achselzuckend. Teile aus Aluminium beispielsweise zerbröseln nach und nach einfach.

Captain Edward W. Appel wurde über Mettenheim abgeschossen und überlebte

Doch der 72-Jährige sucht noch einmal weiter. Und tatsächlich schlägt die Sonde wieder an. Blaschke gräbt, durchwühlt die Erde mit den Händen, gräbt noch einmal. "Hier sind lauter kleine, lauter ganz kleine Sachen drin", sagt er. Dann hält Blaschke endlich ein Radiergummigroßes Stück Metall in Händen. Mehr nicht. Die Zeit der Sensationsfunde ist in Zangberg wohl endgültig vorüber, aber darauf ist der 72-Jährige ohnehin nicht mehr aus. "Mir reicht schon wann. Wo. Fertig."

Tochter will die Flucht ihres Vaters nachvollziehen

Der Bayerische Rundfunk begleitet Pendolino auf ihrer Reise auf den Spuren ihres Vaters. Der TV-Beitrag dazu ist am 2. Mai in der BR-Sendung zwischen "Spessart und Karwendel" zu sehen.

Wichtiger ist am Donnerstag sowieso ein besonderer Besucher: Juliann Pendolino, die heute 57-jährige Tochter von Edward W. Appel. Pendolino wandelt wortwörtlich auf den Spuren ihres Vaters. Früher war sie schon in Frankreich unterwegs, um die Spuren der Flucht ihres Vaters nachzuvollziehen. Nun, anlässlich des 70. Jahrestags seiner Odyssee durch Südbayern, macht sich Pendolino im Landkreis Mühldorf auf den Weg. Zusammen mit ihrem Ehemann möchte sie von Zangberg aus bis nach Tagmersheim im Regierungsbezirk Schwaben gehen. Dort endete 1945, nach über 150 Kilometern, die Flucht des ihres Vaters.

In Zangberg trifft sie sich mit Blaschke, der ihr ein Souvenir für die Reise mitgeben kann: Das längliche Stück Aluminium, das wahrscheinlich vom Flugzeug ihres Vaters stammt.

Bilder von der Spurensuche in Zangberg:

Zangberg: Experte sucht nach Kampfflugzeug

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