WSGW - "Erpressung" und "Frechheit"

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15 Prozent mehr Miete sollen die Bewohner mancher WSGW-Gebäude, hier in der Iglauer Straße, ab 1. November bezahlen.

Waldkraiburg - So schimpfen derzeit die Mieter über die Wohnungsgenossenschaft. Diese will die Mieten bei einigen Wohnungen nämlich um ganze 15 Prozent anheben.

Wenn die Mieter der Erhöhung nicht zustimmen, sieht sich die WSGW gezwungen, das gesetzliche Mieterhöhungsverfahren einzuleiten.

Allerdings will die Wohnungsgenossenschaft auch Lösungen anbieten

Darüber geschimpft hatte eine Mieterin aus der Iglauer Straße, als ihr im September ein Brief der WSGW ins Haus flatterte. Es ging um eine Mieterhöhungsvereinbarung um 15 Prozent, der die 75-Jährige zustimmen sollte. Die WSGW erklärt in dem Schreiben, das der Redaktion vorliegt, dass die Miete im Rahmen des BGB (Bürgerliches Gesetzbuch, Anm. d. Red.) frei vereinbart werden könne und seit Jahren nicht erhöht worden sei. Eine Erhöhung sei aber notwendig, damit die Wohnanlage angemessen bewirtschaftet werden könne.

Stimme der Mieter der Erhöhung nicht zu, werde nach Paragraph 558 BGB das gesetzliche Mieterhöhungsverfahren eingeleitet.

Über diesen Passus ist die ältere Dame, die seit 1988 in ihrer Wohnung lebt erzürnt - wie auch viele Nachbarn, berichtet sie. Sie versteht nicht, wofür sie mehr bezahlen soll, denn an dem Haus werde "ja nie was gemacht". "Die können doch nicht mehr verlangen, wenn sie nicht sanieren. Und dann gleich so viel", klagt die Frau, die nach eigenen Angaben nur über eine kleine Rente verfügt. Nach mehreren Knochenbrüchen häufen sich die Arzt- und Medikamenten-Rechnungen. Sie verzichtet sogar auf ein Fernsehgerät: "Ich will lieber essen."

"Finanziell steht es mir bis zum Hals", sagt ein Mieter aus der Eichendorffstraße. Der 47-Jährige bezieht Erwerbsminderungsrente und sagt: "Was die mit uns machen, ist eine Sauerei." Auch er ärgert sich, dass der Altbestand nicht modernisiert werde und dass er wohl bald 32 Euro im Monat weniger für sich zur Verfügung hat.

Geht es nach der WSGW, müsste die Witwe aus der Iglauer Straße ab November rund 26 Euro mehr bezahlen. Sie spricht von einer erhöhten Kaltmiete von 267 Euro. Den Brief habe sie - wie auch einige Nachbarn - nicht unterschrieben.

Nicht zu unterschreiben bedeutet aber, nicht zu reagieren. Sie müssten schriftlich Widerspruch einlegen. "Oder zu einem persönlichen Gespräch vorbeikommen", schlägt Werner Meisenecker, geschäftsführender Vorstand, vor.

Die Aufregung um die Anhebung des Mietzinses hat er mitbekommen und "beschwichtigende Einzelgespräche" geführt. Allerdings, so erklärt Meisenecker, bewege man sich im gesetzlichen Rahmen. Denn der erlaube eine Anhebung um 20 Prozent, die wolle die WSGW jedoch nicht voll ausnutzen. "Auch nach der Erhöhung liegt die Miete noch immer unter den ortsüblichen Vergleichsmieten."

Neue Mieter bezahlen mehr. Auch die Lage spielt für den Mietpreis eine Rolle. So errechnet sich insgesamt ein Mietniveau für Genossenschaftswohnungen. Im Bestand gebe es Sozialwohnung sowie frei finanzierte Wohnungen.

Bei Sozialwohnungen bemesse sich die Mieterhöhung nach der Zweiten Berechnungsverordnung, der Neubaumietverordnung und dem Wohnungsbindungsgesetz, erklärt Meisenecker.

Bei frei finanzierten Wohnungen steigen die Preise laut dem WSGW-Geschäftsführer entweder nach einer Modernisierung, weil die Betriebskosten steigen, oder weil der Vermieter die Grundmiete erhöht. Letzteres darf er, wenn es schon mehrere Jahre keine Anhebungen gab.

Die WSGW versucht es nun erstmal über das Zustimmungsverfahren bei den Mietern. "Andernfalls sind wir angehalten, das Mieterhöhungsverfahren einzuleiten", so Meisenecker. Allerdings müsse es nicht so weit kommen. Das Unternehmen biete den Betroffenen als Alternative an, in kleinere oder billigere Apartments - sofern zur Verfügung - umzuziehen. Oder sie beim Beantragen des Wohngeldzuschusses zu unterstützen. "Die wollen aber meist in ihren Wohnungen bleiben oder lehnen einen Zuschuss aus Stolz ab."

Bei über 1000 Wohnungen habe eine Mieterhöhung stattgefunden. Natürlich wolle die WSGW ihren Bestand sanieren und tue das, etwa in der Böhmerwaldstraße und der Franz-Schubert-Straße. Das gehe nun mal nicht überall gleichzeitig.

Zur Sanierung einer Wohneinheit reiche die höhere Miete des einzelnen Gebäudes zudem nicht aus. "Das Geld muss aus dem Gesamtunternehmen geschöpft werden", erklärt Meisenecker. Außerdem sei mancherorts nur um drei oder fünf Prozent erhöht worden. Und auch mit 15 Prozent hätten Einzelne keine Probleme. Meisenecker fordert die anderen auf, in der Geschäftsstelle vorbeizukommen, damit eine Lösung gefunden werden kann.

Mühldorfer Anzeiger

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