Wildernde Hunde reißen Rehe

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Mühldorf - Die Zeit der Tierkinder ist gekommen. Das bedeutet für Jäger, Landwirte und Erholungssuchende, die "Mission Jungtier-Rettung" hat begonnen. Die schönste Zeit des Jahres in der Natur darf nicht zu einem Desaster für Jungtiere werden.

Der Vorsitzende der Kreisgruppe Mühldorf der Jäger, Dr. Erich Loserth, erklärt, warum wir Menschen nun besonders umsichtig und verantwortungsbewusst mit den kleinen und großen Wundern der Natur umgehen müssen.

Lesen Sie auch:

Bayrischzell geschockt: Wolf reißt Schafe

Voten: Ein Name für unseren Wolf!

Hund? Wolf? Wolfshund? Geheimnis gelüftet

Jetzt im schönen Monat Mai, der sprichwörtlich alles neu macht, weil er in Wald und Feld einen reichen Kindersegen bringt, beginnt eine ganz kritische Zeit. Die ersten Reihgeißen haben ihre nett gepunkteten Kitze, oft Zwillinge, zur Welt gebracht.

Diese werden bevorzugt in hoher Wiesenvegetation abgelegt. Dort harren sie aufgrund ihres für die ersten Lebenstage typischen Drückreflexes aus und warten auf ihre Mütter, bis sie wieder gesäugt werden.

Das Muttertier, die Rehgeiß, hält sich zwar immer in der Nähe des Kitzes auf, lässt aber einen passenden Abstand, um "Räubern" den Liegeplatz ihres Nachwuchses nicht zu verraten. Aufgrund der typischen Tarnfärbung sind die Jungtiere im hohen Gras fast unsichtbar. Da ihre Duftdrüsen in dieser Anfangszeit noch unterentwickelt sind, ist es sogar für potenzielle Fressfeinde, wie Füchse, Dachse oder Wildsauen schwer, die Kitze auszumachen.

Aber nicht nur Jungtiere leben jetzt gefährlich. Bis Mitte Juni werden die meisten Geißen ihre Kitze gesetzt haben. In den letzten Wochen vor der Geburt sind die hochträchtigen Rehgeißen sehr schwerfällig und wenig ausdauernd. "Es ist ein Irrglaube, dass ein Hund kein gesundes Reh fassen kann", stellt der Kreisvorsitzende richtig und appelliert eindringlich an alle Hundehalter: "Bitte haben Sie ein wachsames Auge auf Ihre Vierbeiner und nehmen Sie Ihre Hunde in dieser sensiblen Zeit an die Leine."

Wenn ein Junghase auf der Wiese einfach mal geschnappt werde, bekämen die meisten Hundehalter dies oft gar nicht mit. "Wenn aber zufällig Kitze aufgestöbert oder die unbeholfenen Geißen übel zugerichtet werden und unter Qualen verenden, dann wünscht sich jeder Halter, sein Hund wäre nicht der Übeltäter gewesen", sagt Dr. Loserth dazu.

In letzter Zeit haben sich Meldungen über Rehrisse durch wildernde Hunde leider wieder gehäuft, wie auch in der Ausgabe vom 17. Mai im Mühldorfer Anzeiger zu lesen. Dazu der Kreisvorsitzende: "Bitte helfen Sie mit, Tierleid durch Ihre Besonnenheit und Rücksichtnahme zu verhindern."

Die Kreisgruppe Mühldorf der Jäger bittet die Erholungssuchenden auch, Wildtierkinder nicht anzufassen. Die Jungtiere sind nicht verlassen, wie es scheinen mag, sie warten in der Deckung nur auf das Erscheinen des Muttertieres, um sich an der "Milchbar" zu stärken. "Wir sollten bedenken, dass wir Jungtiere zu Waisen machen können, wenn wir sie mit unserem menschlichen Geruch "verstänkern" und sie deshalb von der Mutter nicht mehr angenommen werden", so Dr. Loserth dazu abschließend.

Zusammen mit der Bayerischen Futtersaatbau GmbH bietet der Bayerische Jagdverband Hinweisschilder an, die besonders sensible Bereiche kennzeichnen sollen. Unter www.bjv-service.de kann man die Schilder zum Preis von 9,90 Euro bestellen. gth

Rubriklistenbild: © pa

Zurück zur Übersicht: Region Mühldorf

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser