Wieder Schwan erschossen - Muss das sein?

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Mühldorf - Den Spaziergang mit ihrer Mutter und ihren beiden Kindern entlang des Inns hatte sich eine Mühldorferin anders vorgestellt: Sie erlebte mit, wie ein Schwan erschossen wurde.

Noch immer ist die Mühldorferin, die anonym bleiben möchte, geschockt. Am Montagnachmittag unternahm sie einen Spaziergang mit ihrer Mutter und ihren beiden Kindern (drei und fünf Jahre) am Innufer. Beim Füttern der Schwäne fiel der Familie ein Schwan auf, der scheinbar mit einem Ästchen in seinem Schnabel zu kämpfen hatte. Bei näherem Hinsehen konnte die Mühldorferin das Ästchen als Angelschnur identifizieren, mit der sich das Tier quälte. "Die Schnur war vom Schnabel bis zum Flügel gespannt", berichtet die Frau.

Sofort rief die Tierliebhaberin beim Tierarzt und der Polizei an. Nachdem diese ratlos waren, alarmierte sie die Mühldorfer Feuerwehr. Zwei Feuerwehrmänner sollten den Schwan aus dem Inn holen, damit die Mühldorferin ihn zum Tierarzt bringen konnte. Um das Tier anzulocken, holte sie Brot von einer Anwohnerin. Alle Versuche scheiterten aber, der Schwan war zu schwach und verängstigt, um aus dem Wasser zu kommen.

"Die Feuerwehrmänner haben dann gesagt, sie versuchen es später nochmal, also bin ich mit meiner Mutter und den Kindern zum Auto gegangen, um nach Hause zu fahren", berichtet die Mühldorferin. Urplötzlich sei dann ein Jäger aufgetaucht, der aus seinem Auto sprang und völlig unvermittelt den Schwan erschossen habe. "Ich habe gerade noch die Kinder ins Auto gesetzt, da hörten wir auch schon zwei Schüsse", erinnert sich die Frau. Die Szene habe sie tief schockiert, ihren fragenden Kindern habe sie Lügen auftischen müssen, um sie nicht zu verschrecken. "Der Schwan hätte womöglich gerettet werden können. Es kann nicht sein, dass er einfach erschossen wird, zumal vor zwei Monaten auch schon einer in Mühldorf erschossen worden ist." Auch die Angler müssten laut der Mühldorferin besser mit ihren Angelschüren aufpassen.

"Der Schwan hatte keine Chance", sagt hingen Heinrich Tratzl von der Feuerwehr Mühldorf, der bei dem Einsatz dabei war. "Die Angelschur war mehrfach um einen Flügel gewickelt, ein Haken steckte im Rücken. Im Maul hatte der Schwan ebenfalls einen Haken." Der Jäger habe durch ein Fernrohr erst die Lage des Tieres eingeschätzt und dann beschlossen zu schießen, damit der Schwan sich nicht quälen müsse. Alle Anlockversuche davor seien außerdem erfolglos geblieben.

Aus Sicht des Veterinäramtes war die Tötung nicht nur rechtmäßig, sondern sogar geboten, nachdem alle anderen Maßnahmen missglückt waren. "Ein verschluckter Angelhaken hätte aufgrund der zugefügten Verletzungen binnen kürzester Zeit zu einem qualvollen Tod des Tieres geführt. Wie sich später herausstellte, hatte der Schwan den Angelhaken nicht verschluckt, sondern dieser war in seinem Rücken verhakt. Lediglich die Schnur war vom Schwan verschluckt. Dies war unter den gegebenen Umständen jedoch nicht erkennbar."

Anette Mrugala

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