Eintragen oder nicht eintragen?

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Das Rauchen ist in kleineren Kneipen oder in Nebenzimmern von Gaststätten oder Diskotheken wieder erlaubt.

Landkreis - Ab heute können Sie sich in den Rathäusern für „echten Nichtraucherschutz“ eintragen. Diskutieren Sie mit: Sind Sie pro oder contra Volksbegehren? ** Das ist bis jetzt Fakt! **

Lesen Sie hier den Originalartikel aus dem Oberbayerischen Volksblatt:

Wieder geht es ums Rauchen

Morgen startet in Bayern das Volksbegehren "für echten Nichtraucherschutz". Auch in den über 40 Rathäusern in Stadt und Landkreis Rosenheim können sich die Unterstützer 14 Tage lang in die Listen eintragen. Gibt es genügend Befürworter, könnten alle Ausnahmeregeln bald fallen.

Rauchverbote in Deutschland und der Welt

Betroffen wären nicht nur rund 1700 Gaststätten, Cafés, Kneipen und Diskotheken in Stadt und Landkreis sowie deren Gäste, sondern auch das Herbstfest. 950.000 Unterschriften sind bayernweit für einen Erfolg des Volksbegehrens erforderlich, was zehn Prozent der Wahlberechtigten entspricht. Heruntergerechnet auf die Region heißt das: In Stadt und Landkreis (fast 230 000 Wahlberechtigte) müssten mindestens 30 000 Menschen den Personalausweis einstecken und im Rathaus ihres Wohnortes eine Unterschrift unter das Begehren setzen.

Chronologie des Rauchverbots in Bayern

Chronologie des Rauchverbots in Bayern

Manuela Sieber, Koordinatorin des Volksbegehrens in der Stadt Rosenheim, ist zuversichtlich, dass dies gelingt: "Die Resonanz ist schon im Vorfeld riesig, viele Bürger haben sich gemeldet und gefragt, ob sie Plakate aufhängen oder sich an Info-Ständen beteiligen können." Außerdem habe es in Bayern noch nie ein Volksbegehren gegeben, das von so vielen Gesundheitsorganisationen unterstützt wird.

Was die Initiatoren und Organisatoren (ÖDP, Grüne und SPD) wollen, war schon einmal Gesetz: Im Dezember 2007 verabschiedete der Landtag ein striktes Rauchverbot ohne Ausnahmen. 180 Abgeordnete stimmten zu, 18 lehnten es ab - darunter 14 CSU-Abgeordnete. In Gaststätten und Bierzelten durfte nicht mehr geraucht werden, woraufhin tausende Wirte ihre Kneipen zu "geschlossenen Raucherclubs" erklärten.

Nach den Verlusten bei den Kommunalwahlen 2008 lockerte die CSU das Rauchverbot, das nun nicht mehr für Bier- und Festzelte gilt - und zuletzt erlaubte die CDU/FDP-Regierung, dass seit August 2009 in Bier- und Weinzelten, in Nebenräumen von Gaststätten und Diskotheken sowie kleinen Einraumkneipen wieder geraucht werden darf.

Trotz der Lockerungen sind die meisten Betreiber von Speiselokalen und Cafés mit Tagesbetrieb beim strikten Rauchverbot geblieben. "Meine Mitarbeiter und ich sind froh, dass wir nicht mehr im Qualm arbeiten müssen", sagt Josef Erb vom "Cafetscherl" in Rosenheim, das früher ein beliebter Raucher-Treff war und jetzt komplett rauchfreie Zone ist. Einige Stammgäste hat Erb zwar verloren, dafür kommen andere, die sich über die gute Luft freuen. Dass viele Schüler aus der Stadt Rosenheim nicht mehr ins "Cafetscherl" gehen, hat in den Augen des Wirts mit dem Rauchverbot nichts zu tun: "Die brauchen jetzt ihr ganzes Geld fürs Handy."

Viel mehr Gäste mit Kleinkindern: Gastronom Menderes Tümay.

Auch die Gäste von Menderes Tümay, der in Rosenheim die Gaststätte "Zum Santa" und das "Rizz" (Café, Restaurant und Nachtbar in einem) betreibt, haben sich mit der Nichtraucherregelung arrangiert. "Sogar starke Raucher finden es toll, dass ihre Kleidung nicht mehr nach Rauch stinkt", so Tümay, der nun tagsüber wesentlich mehr Gäste mit Kleinkindern im Lokal hat als früher.

Aschenbecher nur noch für draußen: Wirt Josef Erb.

Bei sogenannten Eckkneipen mit einem Kundenstamm, der oft zu 90 Prozent aus Rauchern besteht, sieht es anders aus. "Denen bricht das Geschäft weg", sagt Erb. Franz Bergmüller, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes und des Vereins zur Erhaltung bayerischer Wirtshauskultur, sieht das genauso: "Die Eckkneipen können ohne Raucher nicht überleben, die werden quasi enteignet." Der Wirte-Chef ist ein strikter Gegner des Volksbegehrens, "weil es im Erfolgsfall zu einer Spaltung der Gesellschaft mit dramatischen wirtschaftlichen Folgen führt". Er plädiert für eine flexible Regelung nach dem Grundsatz "Leben und leben lassen" - so wie sie der Gastronom im Gasthaus Bergmüller in Unterlaus (Gemeinde Feldkirchen-Westerham) umsetzt: In einem Raum darf geraucht werden, im anderen nicht - "übrigens schon seit drei Jahren", betont Bergmüller.

„Begehren spaltet die Gesellschaft“: Wirte- Chef Franz Bergmüller.

Für flexible Regelungen je nach Lokaltyp plädiert auch Günther Wiesmeier. In seinen "Max-Josef-Stuben", direkt am Sportplatz des TuS Großkarolinenfeld, hat der Wirt, selber Raucher, ein kategorisches Rauchverbot eingeführt. Vorbei ist damit die Zeit, da Kinder und Jugendliche mitten im Qualm der Erwachsenen saßen. Bei Nachtlokalen - ein solches hat er selbst einmal geführt - sei es aber eine Existenzfrage: "Als das strikte Rauchverbot kam, ist der Umsatz über Nacht um 50 Prozent zurückgegangen."

Dagegen sind die Initiatoren des Volksbegehrens der Auffassung, dass das Motto "Leben und leben lassen" auch gelten müsse für Familien, die in einer Gaststätte einkehren, junge Diskothekenbesucher, Nichtraucher in Festzelten, Sportler (darunter viele Kinder) bei Vereinsfeiern, Menschen mit Allergien und Atemwegserkrankungen, Wirte und ihre Familien sowie Kellnerinnen und Kellner, die einen Anspruch auf einen rauchfreien Arbeitsplatz hätten. "Gerade in Diskotheken halte ich ein striktes Rauchverbot für extrem wichtig, um die jungen Menschen zu schützen", sagt Dr. Axel Munte von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns, die das Begehren unterstützt, und verweist auf die gesundheitsschädliche Wirkung des Passivrauchens.

Vom 19. November bis 2. Dezember liegen die Listen in den örtlichen Rathäusern bereit. Packt das Volksbegehren die "Zehn-Prozent-Hürde", stimmen die Bürger vermutlich im Frühjahr 2010 in einem Volksentscheid für einen strikten oder lockeren Nichtraucherschutz.

Ludwig Simeth/Oberbayerisches Volksblatt

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