Wie steht's eigentlich um die Bauern?

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Landkreis Mühldorf - Beim Volksfest ist am Donnerstag "Tag der Landwirtschaft" - da haben wir mal nachgefragt: Wie steht's eigentlich um unsere Bauern?

Mehr Fotos vom Hof gibt's hier.

"Der Bauer hat einen 365-Tage-Job und wennst in Urlaub willst, wird's erst recht schwer!" Landwirt Otto Baumgarten hat nicht nur mit seinem Hof in Gießen/Polling genug zu tun. Die Sonntage verbringt er am Schreibtisch, außerdem ist er in mehreren Positionen ehrenamtlich engagiert - nicht zuletzt als Kreisobmann des Bauernverbands. "Was uns ganz narrisch macht, is' die Bürokratie. Da weißt bald nicht mehr ein, noch aus", berichtet er uns.

Volksfest: Tag der Landwirtschaft

"Der Milchpreis könnte besser sein."

Baumgarten ist vor allem in der Milchproduktion tätig, verkauft sein "weißes Gold" an die Milch-Erzeuger-Gemeinschaft Altötting/Mühldorf. "Klar, der Milchpreis könnte besser sein. Aber im Gegensatz zum letzten Jahr hat sich die Situation auf jeden Fall erholt. Jetzt liegt der Liter bei rund 36 Cent. Aber da Betriebsmittel wie Futter, Tierarzt und Diesel teurer geworden sind, haben wir eine Null-Runde," erklärt Baumgarten.

"Schwer haben's die Schweinemastbetriebe."

Die Preise für Ferkel sind extrem gefallen, Mast- und Zuchtbetriebe haben darunter ganz schön zu leiden, so Baumgarten. Und da zudem ja die Futterpreise steigen, hat ein Schweinebauer derzeit ein sehr schweres Auskommen. Ein Ferkel geht heuer im Schnitt für 37 Euro weg. Die Rinderzucht steht dagegen ganz gut da.

"Bei dem verregneten Sommer grillt ja keiner!"

"Wann haben Sie denn das letzte Mal ihren Grill angeworfen und ein Stück Schweinefleisch angebraten?" fragt Baumgarten. "Da, wo's eigentlich heiß sein sollte, war's kalt und regnerisch und als es eigentlich hätte kühl sein sollen, war's heiß." Und das Wetter wirkt sich nicht nur negativ auf den Fleischmarkt aus. Auch die Rapsernte fiel bisher mager aus. In 2011 wurden hier rund 12 Prozent weniger produziert als im Vorjahr. Und im Frühjahr war's lange zu trocken, da hat auch der Mais viel weniger Kornanlagen gebildet als üblich. "Die Qualität ist gut, aber die Menge passt halt nicht", erklärt Baumgarten.

"Sorgen machen wir uns wegen der landwirtschaftlichen Sozialversicherung."

Die landwirtschaftliche Sozialversicherung sieht einigen Neuerungen entgegen. In Bayern gab's da bisher zwei Organisationen, die für Niederbayern/Oberpfalz und Schwaben (NOS) und die für Franken und Oberbayern (FOB). Die sollen jetzt aber zusammengefasst werden. "Schon wieder so eine bürokratische Neuerung", so Baumgarten. "Weil ob's da einen Beitrag finden, der allen gerecht werden kann, is' fraglich."

"Man wird betriebsblind."

Baumgarten ist jetzt seit Jahrzehnten engagiert, sowohl bei der CSU als auch im Kreisbauernverband - im kommenden Jahr will er aber aufhören. "Ich finde, es darf nicht immer der gleiche ein Amt besetzen, da wird man betriebsblind." Und seine Frau freut sich auch, wenn sie ihren Mann auch mal wieder öfter zu Gesicht bekommt, versicherte sie uns.

Tag der Landwirtschaft auf dem Volksfest.

Da haben wir gleich einen Tip zur Freizeitgestaltung: Ein Besuch auf dem Mühldorfer Volksfest bringt bestimmt eine schöne Abwechslung in den landwirtschaftlichen Alltag - vor allem am Donnerstag, am Tag der Landwirtschaft. Und so war's dann auch: Die Baumgartens mussten schnell nochmal in den Stall, um dann dem Volksfest einen Besuch abzustatten.

ds

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