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Was die Stadt zum Kies-Nassabbau sagt

Wie auf dem Mond: Riesige Krater-Landschaft bei Mühldorf?

Kiesabbau gibt es in Mühldorf schon seit den 1980er Jahren. Jetzt will erstmals ein Unternehmen auch im Grundwasser Kies abbauen.
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Kiesabbau gibt es in Mühldorf schon seit den 1980er Jahren. Jetzt will erstmals ein Unternehmen auch im Grundwasser Kies abbauen.

Theoretisch könnten auf mehr als 100 Hektar, die für den Kiesabbau vorgesehen sind, dauerhaft riesige Löcher bleiben. Das ist jetzt der Plan der Stadt.

Mühldorf – Es ist der Extremfall, aber nicht ausgeschlossen, wenn man dem Umweltreferenten des Mühldorfer Stadtrats folgt: An der Nordtangente könnte eine mehr als 100 Hektar große Kraterlandschaft entstehen.

Mit Löchern, die 15 Meter tief sind. Die Aussicht bringt Stephan Schinko (Grüne) dazu, zum geplanten Kiesabbau im Grundwasser, dem sogenannten Nasskiesabbau, Nein zu sagen. Und damit steht Schinko nicht allein. Die Stadt glaubt sogar, eine Möglichkeit zur Verhinderung gefunden zu haben.

Schinko begründet seine Sorge mit der großen Tiefe, in der das Grundwasser im Bereich der Kiesgruben an der Nordtangente liegt: 16 Meter. „Eine Wiederauffüllung kann da nicht stattfinden“, sagt Schinko, „das ist technisch quasi nicht möglich.“ Denn für den entnommenen Kies müsste der Betreiber anderes Material in der Grube lagern. Und das, sagt Schinko, hat nie die ökologische Qualität des Kieses. „Alles, was der Mensch angepackt hat, ist in irgendeiner Form belastet.“

Tiefe Löcher oder wertvolle Fläche

Die Folge: Es bleiben riesige Löcher. Theoretisch auf mehr als 100 Hektar, die in diesem Bereich von mehreren Firmen für den Kiesabbau vorgesehen sind. So groß ist der Bereich, der im Regionalplan als „Vorranggebiet“ für die Ausbeutung von Kies vorgesehen ist.

Eine der Firmen, die diese Erlaubnis nutzt, ist die Inn-Kies, die die Freudlsperger Kiesgrube betreibt und jetzt als erste den Antrag gestellt hat, Kies künftig auch im Grundwasser abbauen zu dürfen. Geschäftsführer Thomas Wolfmeier bestätigt die Einschätzung Schinkos zu den nicht auffüllbaren Gruben: „Das ist ein Fakt“, sagt er. Er teilt aber nicht die Einschätzung, dass der Bereich nördlich des Innkanals zur Kraterwüste wird. „Wenn das eingewachsen ist, nimmt man das nicht mehr wahr.“ Zwischen zehn und 15 Jahren könnte der Abbau dauern.

Etwa zehn Hektar beträgt die Fläche der Firma Inn Kies an der Nordtangente, auf der Kies aus dem Grundwasser abgebaut werden soll. Grafik Klinger

Wolfmeier verweist darauf, dass das Gebiet derzeit landwirtschaftlich genutzt werde. „Wenn wir die Grube begrünt haben, wird das eine ökologisch hochwertige Insel in einer intensiv genutzten Fläche.“ Auf etwa zehn Hektar soll Wasserfläche entstehen. In vielen Gegenden sei diese Abbauart schon lang üblich, Wolfmeier nennt Dingolfing oder Pocking. „Dort liegt der Grundwasserspiegel oft nur bei zwei Metern“, kontert Umweltreferent Schinko. Eine Auffüllung kann ausbleiben, ohne dass die Fläche zur Kraterlandschaft wird. „Bei uns wird es auf Generationen nicht aufzufüllen sein, es bleibt auf Generationen ein Krater.“ Die Grube sei aufgrund ihrer Tiefe aber auch für den Freizeitbetrieb nicht nutzbar.

Absinken des Grundwasserspiegels

Die von vielen gefürchteten Auswirkungen auf das Grundwasser sieht Inn-Kies-Geschäftsführer Wolfmeier nur in einem sehr kleinen Bereich rund um die geplante Kiesgrube. Maximal 150 Meter weit soll sie reichen und den Grundwasserspiegel um maximal einen guten Meter absenken. Im Süden gebe es dagegen eine leichte Aufstauung. „Durch den Kiesabbau gibt es keine grundlegende und generelle Absenkung des Grundwassers“, sagt Wolfmeier. Außerhalb des Bereichs von 150 Metern gebe es keine Auswirkungen auf das Grundwasser.

Davon ist der Umweltreferent nicht überzeugt. Er spricht von einer Haltung, die vor 40 Jahren denkbar war.

„Heute fällt sie aus der Zeit. Es ist anders als in den 1980er-Jahren.“ Das Absinken des Grundwasserspiegels führe bereits jetzt in vielen Kommunen zu Problemen. „Wenn wir nicht dagegen arbeiten, werden auch wir diese Probleme bekommen.“ Er glaubt nicht, dass die Ausgrabung von Kies aus dem Grundwasser aktuell notwendig ist, weil ausreichend Abbaufläche vorgesehen sei. Die Begrenzung des Flächenverbrauchs, wie ihn die Firma Inn-Kies ins Feld führt, hält Schinko grundsätzlich für richtig. „Aber nicht, wenn man ins Grundwasser muss.“

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Der Inn-Kies gehe es darum, möglichst wenig Fläche zu verbrauchen. Wolfmeier gibt aber auch zu, dass es derzeit schwierig sei, neue Grundstücke kaufen zu können oder dass die sehr teuer seien. Seit den 1980er-Jahren wird laut Inn-Kies in diesem Bereich Kies und Sand abgebaut, mit dem jetzt laufenden Planfeststellungsverfahren soll erstmals die Erlaubnis eingeholt werden, bis ins Grundwasser zu graben.

Zwei Gründe geben den Ausschlag

Der Bauausschuss der Stadt hat sich jetzt erneut gegen die Genehmigung ausgesprochen. Er weist neben den Bedenken zum Umweltschutz auf die Einschränkung der Entwicklungsmöglichkeiten der Stadt hin, sollte der Kiesabbau im Grundwasser erlaubt werden. Durch den Abbau im Grundwasser würde auf unabsehbare Zeit eine Nutzung benachbarter Flächen zum Beispiel für Gewerbenutzung ausgeschlossen. Stadtbaumeisterin Birgit Weichselgartner glaubt, dass die Stadt damit gute Chancen hätte, die Genehmigung zu verhindert. Sie ist Grundstückseigentümerin eines Weges, der durch das Gebiet führt: „Wenn wir als Grundstücksbesitzer Nein sagen, kann die Maßnahme zumindest nicht wie geplant als Nassabbau durchgeführt werden.“ Die abschließende Entscheidung trifft das Landratsamt.

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