Wegen 15,50 Euro: Taxifahrer verprügelt

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Mühldorf (MA) - Weil sie in der Diskothek "C4" ihr ganzes Geld versoffen hatten, konnten zwei Jugendliche am 15. März ihr Taxi nach Ampfing nicht mehr bezahlen. Jetzt mussten sich die beiden Burschen vor Gericht verantworten!

Der Taxifahrer bestand aber auf seinen Lohn. Wegen 15,50 Euro schlugen und traten die beiden 19-Jährigen auf den Mann ein.

So einfach wollte er es den Jugendlichen nicht machen. "Einfach abhauen. Nicht mit mir", dachte sich der 40-jährige Garchinger, der am Wochenende nebenbei für ein Mühldorfer Taxiunternehmen jobbt. Er verfolgte die Jugendlichen, packte sie und rief: "Geld oder Ausweis!"

Diese Hartnäckigkeit, sich von zwei 19-Jährigen nicht um den Fahrpreis von nicht einmal 16 Euro prellen zu lassen, wurde dem Mann zum Verhängnis. Wie von Sinnen prügelten und traten die beiden Täter mitten in Ampfing auf den Taxifahrer ein. Ein Wunder, dass der nur eine Gehirnerschütterung, ein stumpfes Bauchtrauma und ein geschwollenes Gesicht davontrug.

Das Jugendschöffengericht unter Vorsitz Heinrich Otts verhandelte nun diese gefährliche Körperverletzung. Beide Angeklagten sind bei Gericht keine Unbekannten, wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz wurden sie bereits verurteilt. Auch in Ampfing ist die Clique offensichtlich berühmt-berüchtigt: Ein zwölfjähriger Bub, den die wilde Rauferei auf der Straße aus dem Schlaf gerissen hatte, hatte den Vorfall beobachtet. Aus Angst vor Racheakten der Angeklagten ließ ihn seine Mutter jedoch nicht vor Gericht aussagen.

Da Ott und seine Schöffen aber den Ausführungen des Taxifahrers glaubten, war die Zeugenaussage des Kindes nicht mehr nötig. Ärgerlich war nur, dass die beiden jungen Männer sich nicht entblödeten zu behaupten, ihrerseits von dem Taxifahrer angegriffen worden zu sein und daher in Notwehr gehandelt hätten. Verständlich, dass das Opfer am Ende die Entschuldigung eines der beiden Täter nicht annahm und stattdessen den Gerichtssaal kopfschüttelnd verließ.

Der Staatsanwalt fand die Tat der beiden Ampfinger "nicht tolerabel und weit über das hinausgehend, was als jugendtypisch anzusehen" sei. 15,50 Euro seien den beiden wichtiger gewesen als die körperliche Unversehrtheit des Taxifahrers.

Das Gericht sah es ähnlich und verurteilte das Duo zu jeweils einer Woche Jugendarrest und einer Zahlung von jeweils 1600 Euro zugunsten gemeinnütziger Organisationen. Ott nannte es eine "ausgemachte Schweinerei", auf jemanden einzuschlagen, der "finanziell selbst nicht auf Rosen gebettet ist." Dieses Urteil sollten die 19-Jährigen noch als "Schuss vor den Bug" verstehen, "das nächste Mal folgt die Breitseite!"

zip/Mühldorfer Anzeiger

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