Wo Wasserbüffel Bäche pflegen

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Andreas Zahn vom BN erläuterte ausführlich das Weidekonzept in Jettenbach, bei dem seit MaiWasserbüffel zur Pflege von Kleingewässern gehalten werden.

Mühldorf - Eine Tagung in Ampfing befasst sich mit dem Thema Weidehaltung in Bayern. Auf dem Programm stand auch eine Exkursion zu besonderen Beispielen im Landkreis Mühldorf.

Silberreiher fliegen nur wenige Meter entfernt auf, eine Herde Highland-Rinder läuft dicht vorbei, Wasserbüffel grasen friedlich im nahen Unterholz, abends kreisen hier die Fledermäuse: Zwischen Inn und Isen gibt es Biotope, die in Sachen Artenvielfalt mit überregionalen Schutzzonen mithalten können. Zu zeigen, welche Bedeutung und welchen Nutzen diese Landstriche für das Ökosystem haben können, ist eines der Ziele der Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL).

Um sich auszutauschen kamen jetzt Fachleute nach Ampfing, um das Thema "Beweidung in Bayern" zu diskutieren und sich zwei Beispiel vor Ort anzuschauen. Dr. Bettina Burkhart-Aicher von der ANL und Dr. Andreas Zahn, Vorstandsmitglied der Bund Naturschutz Mühldorf, freuten sich über 70 Gäste. "Mit den Kapazitäten sind wir nah an der Obergrenze", meinte Burkhart-Aicher, "aber es freut uns natürlich umso mehr, dass so viele Interessenten gekommen sind."

Das Teilnehmerfeld war bunt gemischt: Vertreter aus Umwelt- und Naturschutz, aber auch aus der Landwirtschaft, von der Autobahndirektion und weiteren Behörden waren der Einladung gefolgt. "Wir wollen ein Forum sein, in dem sich Menschen, die mit dem Gebiet etwas zu tun haben, treffen und austauschen können", sagte Burkhart-Aicher. "Auf diese Weise kann jeder vom anderen lernen und etwas Konkretes mit nach Hause nehmen. Das ist uns wichtig."

Wer beabachtet hier wen? Die Wasserbüffel hatten sich ins Unterholz zurückgezogen, als Gäste auf die Weide kamen. Mit Ferngläsern hielten sie Ausschau nach den Vierbeinern. Dem zutraulichen Rind war das sichtlich egal, es beobachtete interessiert die Gäste.

Die Fachvorträge am Vormittag stellten Beweidungsprojekte vor, gaben Anregungen und hinterfragten aber so manchen Ansatz kritisch. Ein Schwerpunkt lag auf dem Thema "Wasserbüffel".

Nach den theoretischen Überlegungen brachte ein Bus die Exkursionsteilnehmer zum renaturierten Niedermoor bei Gaymoos. Die Fläche, die nun von Highland-Rindern beweidet wird, wurde im Zuge des Autobahnbaus als Hochwasserretentionsraum neu angelegt. Rinderhalter Joe Engelhardt erläuterte dem Fachpublikum sein Vorgehen und den Erfolg der Renaturierung in diesem Bereich. Viele Arten sind in das Gebiet zwischen Isental und Tertiärhügelland zurückgekehrt. Die Tiere finden hier "einen gedeckten Tisch." So kann man von den Aussichtskanzeln aus, die am Rande der Zone aufgestellt wurden, zahlreiche Vogelarten beobachten; Silberreiher und Schwarzstörche, aber auch zahlreiche Bodenbrüter. Daneben erobern sich immer mehr Pflanzenarten hier ihren Lebensraum wieder zurück.

Das zweite Ziel lag in Jettenbach. Dort stellte Dr. Andreas Zahn ein Weideprojekt des Bund Naturschutzes vor, bei dem Wasserbüffel zur Pflege von Kleingewässern eingesetzt werden. Die Wasserstellen im Weidegebiet würden mit der Zeit von Natur aus immer kleiner. Um nicht sie nichtregelmäßig ausbaggern zu müssen, habe der BN sich im Mai drei Wasserbüffel angeschafft, die nun als "Biobagger" fungierten. "Die wälzen sich und legen damit neue Gewässer an", erklärte Zahn. Beim Rundgang durch das Weidegebiet zeigte er, wie die Büffel innerhalb eines Jahres die Landschaft mitgestaltet und auch verändert hätten. Die Wasserbüffel selbst waren etwas scheu, so dass die Tagungsteilnehmer sie zumeist nur aus einiger Entfernung begutachten konnten. Die anderen Rinder dagegen, welche ebenfalls dort angesiedelt sind, zeigten sich dafür umso zutraulicher, folgten den Besuchern.

Aus Sicht der Veranstalter war dieser erste Jahrestag der Beweidung ein voller Erfolg. Er hat gezeigt, dass es auch in Sachen Viehhaltung und Beweidung noch immer Neues zu tun gibt und dass die, die längst ausgetretene "Trampelpfade" verlassen, sich etwas Neues trauen, innovative Ideen in die Tat umsetzen und neue Konzepte erdenken, zumeist für das belohnt werden, was sie tun. Und die Natur wird es ihnen danken, denn sie kann sich so einen Teil dessen zurückerobern, was vielleicht schon fast verloren schien.

alx/Mühldorfer Anzeiger

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