"Warum Bewährtes aufgeben?"

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Mühldorf, Waldkraiburg, Ampfing und Haag werden die künftigen Mittelschulen im Landkreis sein. Die Hauptschule in Gars wird sich Haag anschließen, die Schule in Buchbach wird mit Ampfing zusammenarbeiten. Einzig die Zugehörigkeiten Pollings und Neumarkts sind noch offen. Schulamtsdirektor Krell versprach, dass es keinen "Schülertourismus" geben werde. Laut Rektorin Hildegard Hajek ist die Mühldorfer Schule mit 460 Schülern derzeit ausgelastet.

Polling (ma) - Schulamtsdirektor Peter Krell und Mühldorfs Hauptschulrektorin Hildegard Hajek haben am Donnerstag für den Hauptschulstandort Mühldorf geworben. Die Hauptschule Tüßling dagegen habe keine Zukunft.

Bürgermeister Hans Schmidbauer hatte eigentlich andere Pläne. Nach seinem Wunsch sollte Mühldorfs Schulamtsdirektor Peter Krell über "die Zukunft der Hauptschulen" allgemein, über künftige Anforderungen an Schüler und vor allem den Umbau der Haupt- zu Mittelschulen sprechen. Am Ende wurde Krells Vortrag jedoch zu einer, wie es Gemeinderat Alfred Wagner (CSU) auf den Punkt brachte, "Werbeveranstaltung für die Hauptschule Mühldorf."

Schmidbauer betonte zunächst, nicht der "Totengräber einer 40-jährigen Zusammenarbeit" werden zu wollen. Zumal die Zusammenarbeit mit der Schule Tüßling "im Moment optimal" sei. Allerdings sei die Frage zu stellen: "Wo bekommen wir das beste Bildungsangebot für unsere Kinder?"

"Mühldorf bietet bestes Angebot"

Und da fiel Peter Krells Frage eindeutig aus: "in Mühldorf." "Wir sind in Oberbayern weit, weit, weit voraus", so der Schulamtsdirektor. In Mühldorf bekämen die Kinder alles, "was es für einen funktionierenden Schulbetrieb braucht."

In Mühldorf gebe es den M-Zug, Praxisklassen, Regelklassen sowie gebundene Ganztagesklassen. "Wir zweifeln nicht an der guten Arbeit der Volksschule Tüßling", aber: "Ein solches Angebot wie wir kann sich Tüßling nicht leisten."

Angesichts der Tatsache, dass Hauptschulen derzeit Verbünde eingehen müssen, sich zu Mittelschulen zusammenzuschließen, sehe er für die Zukunft der kleinen Tüßlinger Hauptschule ohnehin schwarz: "Sie können davon ausgehen, dass es in fünf Jahren die Schule Tüßling nicht mehr geben wird."

Als Mühldorfer Schulamtsdirektor sei es seine Aufgabe, sich um die Schulkinder des Landkreises zu kümmern. Aus diesem Grund kämpfe er auch um die Pollinger Kinder. "Unsere Kinder sollen im Landkreis bleiben. Außerdem bin ich überzeugt, dass das Angebot an der Mittelschule in Mühldorf das bessere ist." Die damalige Entscheidung der Pollinger, sich mit Tüßling zusammenzuschließen, sei "damals richtig und gut gewesen", nur eben heute nicht mehr zeitgemäß.

Die Gemeinderäte äußerten Zweifel. Christine Mangstl (CSU) bemängelte, dass ihr die Informationen zu einseitig seien: "Was mir jetzt abgeht, ist die Tüßlinger Seite." Andreas Maierhofer (CSU) fragte: "Warum soll ich Bewährtes aufgeben? Tut man den Kindern was Gutes, wenn man sie durch den halben Landkreis schickt? Wenn die Kinder im Vordergrund stehen sollen, spricht nichts dafür, sie nach Mühldorf zu schicken."

Lorenz Kronberger (CSU) sagte: "In Tüßling wissma, was ma ham." Kinder, die ein spezielles Angebot wollten, könnten ja dennoch nach Mühldorf gehen.

Wolfgang Lohr (CSU) beklagte, dass die Busverbindungen zwischen Polling und Mühldorf derzeit noch schlecht seien: Außerdem: "Was wird aus der Schule in Flossing? Und was kostet ein Platz in Mühldorf?"

Wilhelm Skudlik und Ludwig Mollner (beide UWG) kritisierten den allgemeinen Trend hin zu immer größeren Schulverbänden. Skudlik: "Warum kann man so ein Angebot nicht auch an kleineren Schulen anbieten?" In Ludwig Mollner regte sich sein "Revoluzzer-Herz": "Ich höre immer nur Vorgaben, Vorgaben, Vorgaben! Wir müssen der politischen Führung mal klar machen, dass wir ein gutes Angebot auch dezentral brauchen!"

Franz Unterforsthuber und Anton Jobst (beide UWG) forderten eine Elternbefragung. Jobst: "Ich möchte und kann nicht über die Köpfe der Eltern entscheiden."

Bürgermeister Schmidbauer beendete die Debatte mit einer Bitte an die "Schuloberen", Verständnis für die Pollinger Situation aufzubringen: "Wir sind hin- und hergerissen. Für uns ist Tüßling und Altötting nicht so fremd. Dennoch machen wir uns viele Gedanken darüber, was das Richtige für unsere Kinder ist."

zip/Mühldorfer Anzeiger

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