Problemfaktor Nichtschwimmer

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Landkreis - Immer weniger Kinder können schwimmen. Auch in der Region ist das Problem bekannt. Die DLRG Mühldorf gibt den Schulen eine Mitschuld.

Von 120 Schülern nur zwölf Schwimmer Warum können immer weniger Kinder schwimmen? Sind die Spielekonsolen und das daheim Herumsitzen schuld? Sind die Schwimmkurse zu teuer? Bei einem Besuch im Waldbad wird klar, die DLRG, der VfL und die Kindersportschule tun ihr Möglichstes, dem Negativtrend entgegenzuwirken. Denn die Zahlen sind erschreckend: Laut einer Studie können 33,9 Prozent der Kinder und Jugendlichen nicht oder nur schlecht schwimmen.

"Schulen helfen nicht mehr so mit wie früher"

Ralf Waidmann von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft in Mühldorf (DLRG) muss nüchtern feststellen, dass jedes vierte Kind nicht schwimmen kann. Laut einer von der DLRG beauftragten Emnid-Studie können 33,9 Prozent der Kinder und Jugendlichen gar nicht oder eher schlecht schwimmen. Das heißt, dass der Anteil von Nichtschwimmern in der Bevölkerung bei rund 23,3 Prozent liegt – sprich ein Viertel. Was früher noch als sehr wichtig galt, hat heute an Bedeutung verloren. Doch wieso erlernen immer weniger Kinder das Schwimmen? Waidmann erzählt, „dass Schulen nicht mehr so mithelfen wie früher.“ Schulklassen seien einfach zu groß für einen Lehrer, sodass eine intensive Betreung der Schüler in einem Bad nicht möglich sei. Im Landkreis gäbe es außerdem das Problem der Bäderschließung. Nachdem das Berufsförderungszentrum Peters das Hallenbad immer noch geschlossen hat, gibt es in Waldkraiburg außerhalb des Waldbads keine Möglichkeit, einen Schwimmkurs anzubieten. Zudem ist das Schwimmbad auch nur im Sommer geöffnet. Das Hallenbad in Mühldorf ist deshalb schon völlig ausgebucht.

Eltern haben oft kein Geld für Schwimmkurs

Eine Alternative wäre eine Wiedereröffnung in Waldwinkel, dennoch gäbe es hier noch etliche Renovierungen zu tätigen. Ein weiterer Grund, so Waidmann, ist das fehlende Geld. Viele Elternteile können den Schwimmkurs nicht bezahlen. Zwar gibt es Fördergelder für einzelne Projekte, in denen sozial benachteiligte Kinder die Möglichkeit bekommen sollen das Schwimmen zu erlernen, dennoch ist der Preis womöglich einfach zu hoch. Die KISS, Kindersportschule Waldkraiburg, hat diesen Trend auch wahrgenommen. So wurde ein Schwimmkurs im Waldbad für rund 120 Schwimmer entwickelt. Der diplomierte Sportlehrer Konrad Richter und seine Kollegen haben sich ein Konzept für Nichtschwimmer und Fortgeschritte der Altersklasse Drei- bis Sechsjährige überlegt. Der KISS ist es wichtig, die gesunde Entwicklung der Kinder zu fördern. Ein sportartenunabhängiges Bewegen ist hier die Voraussetzung für die motorischen Grundfähigkeiten. Deshalb wurde auch beim Schwimmkurs das Schwimmen spielerisch und kindgerecht erlernt und verbessert. Viermal haben sie mit den Kindern trainiert, um ihnen die Angst vorm Wasser zu nehmen. Durch Gleiten, Tauchen und spielerische Hilfsmittel, wie beispielweise eine Schwimmnudel sollen die Teilnehmer ihre Schwimmgrundlagen erlernen. Eine perfekte Ausführung wird noch nicht erwartet, da den Kindern altersbedingt noch die Ausdauer fehlt. Richter hat auch bemerkt, „dass viele Kinder nach der Grundschule nicht schwimmen können. Das ist wirklich beängstigend.“ Außerdem gäbe es immer mehr Unfälle imWasser, die auf unzureichende Grundausbildungen zurückzuführen seien.

Kinder als Stubenhocker

Auch in der KISS sind bisher nicht viele Kinder mit dem Wasser in Berührung gekommen. „Nur zwölf von 120 KISS-Schülern sind Schwimmer“, so Richter. Woran das liegen könnte, ist für ihn schwierig zu benennen. „Viele seien nicht mehr draußen unterwegs, sondern nur noch vor dem PC.“ Das Problem sei, dass es zu wenig Möglichkeiten gebe, den Kinder das Schwimmen beizubringen. Im Winter sei es generell schwierig wegen der Hallenbelegung und im Sommer fehlen die Lehrer und das Geld. Deshalb will Richter mehr in Kontakt mit den Schulen treten, um eine bessere Kooperation herzustellen. Der KISS-Schwimmkurs ist für Mitglieder der Kindersportschule kostenlos. Auch Franziska Kobus von den VfL-Piranhas gibt Schwimmkurse um dem Negativ-Trend entgegenzuwirken. Zwölf Tage lang können die Zwergerl ab vier Jahren das Schwimmen in Kleingruppen erlernen. Am Ende soll es für jeden das „Seepferdchen“ geben. Das Kursangebot der Piranhas findet in den Pfingst- und Sommerferien statt. Zu beachten ist, dass viele Nichtschwimmer leichtsinnig mit den Bade- und Sicherheitsregeln umgehen, so die DLRG. Im Jahr 2011 seien in Deutschland 16 Kinder, jünger als elf Jahre, ertrunken. Bei den Kleinkindern sei neben den fehlenden Grundfähigkeiten auch die mangelhafte Aufsichtspflicht der Erziehungspersonen zu nennen. Wer jetzt noch einem Schwimmkurs beitreten möchte, hat in der Woche vom 20. bis 24. August dazu die Möglichkeit. Der Kreisverband Mühldorf der DLRG ist hier der Veranstalter. In Kleingruppen sollen die Teilnehmer mit dem Wasser vertraut gemacht werden, sodass wichtige Schwimmbewegungen erlernt werden können. Nach Abschluss des Kurses gibt es die Möglichkeit das „Seepferdchen“-Abzeichen zu erlangen.

Der Kurs findet dann täglich von 9 Uhr bis 10.30 oder von 11 Uhr bis 12.30 statt. Es gibt zwei Gruppen. Anmeldung unter dlrg-muehldorf.de oder unter der Nummer 0151/ 43131565

tof/Waldkraiburger Nachrichten

Rubriklistenbild: © pa

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