VR-Bank streicht Dividende

Mühldorf - Nach einer kontroversen Diskussion hat die Vertreterversammlung der "VR - meine Raiffeisenbank Altötting-Mühldorf" die Ausschüttung an ihre Mitglieder für das Jahr 2009 gestrichen.

Mit knapper Mehrheit sprach sich die Versammlung im Mühldorfer Stadtsaal für den Vorschlag des Vorstands aus.

Als ein "sehr zufriedenstellendes Jahr" bezeichnete VR-Bank-Vorsitzender Wolfgang Altmüller das Jahr 2009, das seiner Bank eine Rekordbilanz und einen Überschuss von 700.000 Euro brachte. Der fällt zwar um etwa 250.000 Euro niedriger aus als im vergangenen Jahr, ansonsten weisen die wichtigsten Kennzahlen nach oben: Die Bilanzsumme stieg um 17,7 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro, die Kredite zogen um 8,5 Prozent auf 900 Millionen Euro an und die Zahl der Kundeneinlagen bezifferte Altmüller auf 1,2 Milliarden Euro, ein Plus von 5,5 Prozent. Das Eigenkapital, entscheidend für die Bank, um Kredite zu vergeben, liegt bei unveränderten 83 Millionen Euro.

Das genossenschaftliche Konzept, das sich auch in der Bankenkrise bewährt habe, und das kundennahe Engagements seiner Bank wertete Altmüller als entscheidende Faktoren für den Erfolg im zweiten Jahr der Wirtschaftskrise. Altmüller verband mit der Bilanz das Bekenntnis zur Region, in der sein Haus 28 Filialen unterhält.

Von einer Kreditklemme könne bei der VR-Bank keine Rede sein. Der Vorstandsvorsitzende betonte, dass seine Bank im Kreditbereich bei den Kosten unter dem Durchschnitt bayerischer Volks- und Raiffeisenbanken liege. Für Einlagen zahle die Bank dagegen mehr, als der Durchschnitt. "Wir wollen diese Konditionspolitik weiterführen und an die Grenze dessen gehen, was möglich ist."

Das Engagement für die Region zeigt sich laut Altmüller auch im Spendenverhalten der Bank, der Zahlung von drei Millionen Euro Gewerbesteuer und der Investition von mehreren Millionen Euro in die Filialen.

Obwohl die Bank im vergangenen Jahr mit einer Satzungsänderung zur Streichung der Ausschüttung knapp gescheitert ist, schlug Altmüller der Vertreterversammlung vor, den Überschuss von 700.000 Euro in komplett die Rücklage zu überweisen, statt einen Teil an die Mitglieder auszuschütten. Ausschlaggebender Grund ist laut Altmüller der hohe Aufwand, den die Bank betreiben müsse. Bei einer Dividende von drei Prozent entfielen auf jeden Anteil 4,50 Euro; nach seinen Angaben halten 92 Prozent der Mitglieder fünf und weniger Anteile. Die Ausschüttungssumme bezifferte er auf 350.000 Euro, dazu komme ein Verwaltungsaufwand von 180.000 Euro. "Wir entziehen der Bank damit Substanz, ohne dass ein messbarer Mehrwert für die Mitglieder entsteht."

Dem widersprach vor allem Dr. Klaus Ulmen aus Burghausen. Ob 4,50 Euro für einen Einzelnen viel oder wenig seien, hänge vom Lebensumfeld ab. Er sprach von einem überdurchschnittlich guten Ergebnis der Bank und einer unterdurchschnittlichen "Beteiligung der Eigentümer an ihrer Bank". Es sei wichtiger Bestandteil des Genossenschaftsmodells, den Mitgliedern eine Gewinnausschüttung zukommen zu lassen. Ulmen sprach von einer "Enteignung der Mitglieder", wenn die Dividende nicht gezahlt werde.

In geheimer, schriftlicher Abstimmung votierten 77 für die Nichtauszahlung der Dividende, 63 sprachen sich dagegen aus. Damit ist die Ausschüttung für 2009 gestrichen, eine Grundsatzentscheidung über die folgenden Jahren ist damit aber nicht getroffen. Siehe auch den Kommentar: "Mitglieder mitnehmen".

hon/Mühldorfer Anzeiger

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