Forschung über KZ-Außenlager gewürdigt

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Der Mühldorfer Geschichtspreis wird in Erinnerung an den Mühldorfer Ehrenbürger und "Vater" des Heimatmuseums Dr. Hans-Rudolf Spagl verliehen: Seine Frau Erika überreichte die Preise zusammen mit dem Heimatbund-Vorsitzenden Dr. Reinhard Wanka (rechts) an Josef Wagner (links) und Peter Müller (Zweiter von rechts).

Mühldorf - Zum vierten Mal verlieh der Heimatbund Mühldorf seinen Geschichtspreis. Diesmal ging er an Autor Peter Müller und an den Dokumentarfilmer Josef Wagner.

Zum vierten Mal verlieh der Heimatbund Mühldorf seinen Geschichtspreis, zum zweiten Mal ging er an zwei Preisträger: an Autor Peter Müller und an den Dokumentarfilmer Josef Wagner.

"Beide haben in den vergangenen Jahrzehnten mit ihren Arbeiten rund um das Bunkergelände im Mühldorfer Hart entscheidend dazu beigetragen, Erinnerung weiterzutragen - jeder auf seine Weise." Mit diesen Worten eröffnete Heimatbund-Vorsitzender Dr. Reinhard Wanka den Festabend im Mühldorfer Rathaus.

Bürgermeister Günther Knoblauch stellte heraus, dass der Heimatbund "mit Sicherheit die richtige Wahl" getroffen habe. "Denn Peter Müller und Josef Wagner haben sich schon in einer Zeit mit dem Thema beschäftigt, in der es nicht unbedingt opportun war, den Nationalsozialismus vor Ort aufzuarbeiten." Und Knoblauch ging sogar noch einen Schritt weiter: "Die Tatsache, dass sich so viele junge Menschen im Januar den Neonazis in Mühldorf engagiert entgegen gestellt haben, ist auch die Frucht der Arbeit dieser beiden Menschen."

Forschungen zum KZ-Außenlagerkomplex Mühldorf

Der Waldkraiburger Peter Müller forscht seit Jahrzehnten über den KZ-Außenlagerkomplex Mühldorf und leistet einen erheblichen Beitrag zur kritischen Auseinandersetzung mit der NS-Zeit im Landkreis Mühldorf. "Seine Forschungsergebnisse tragen wesentlich dazu bei, dass die Opfer nicht vergessen sind", heißt es in der Urkunde des Heimatbunds. Am Abend der Preisverleihung wurde zugleich sein neues Buch vorgestellt: "Rüstungswahn und menschliches Leid - Bewältigung und Erinnerung. Das Bunkergelände im Mühldorfer Hart."

"...mit 22 Jahren wollte man nicht sterben"

Einen anderen Ansatz wählt der Mühldorfer Josef Wagner: Schon 1987 mit dem Film "...mit 22 Jahren wollte man nicht sterben", der er zusammen mit Rainer Ritzel drehte, begann er systematisch Zeitzeugen zu interviewen, die Gespräche in Bild und Ton festzuhalten und pädagogisch aufbereitete Materialien für Unterricht und Führungen zu entwickeln. "So entstanden Dokumentationen, in denen in beeindruckender Weise Erfahrungen und Ereignisse geschildert werden. Wagners audiovisuelle Dokumente sind exzellente pädagogische Hilfen, mit denen kritische Fragen nachfolgender Generationen nach dem 'Warum' wenigstens ansatzweise beantwortet werden können", begründet der Heimatbund seine Entscheidung.

Als Laudator der langjährige ARD-Korrespondent in Israel

Als Laudator hatte der Verein den langjährigen ARD-Korrespondenten in Israel, Dr. Friedrich Schreiber, eingeladen. Seit 1998 ist Schreiber Sprecher der "Würmtaler Bürgerinitiative zur Erinnerung an den Todesmarsch von Dachau", 2007 gründete er den Verein "Gedenken im Würmtal", dessen Vorsitzender er auch ist. Schreiber erinnerte sich daran, dass er als Schüler im Geschichtsunterricht immer nur bis Bismarck gekommen sei: "1952 habe ich mein Abitur gemacht, sieben Jahre nach dem Krieg. Doch da war kein Hitler, kein Himmler, kein Holocaust. Was hätte ich für Lehrer wie Peter Müller und Josef Wagner gegeben." Zugleich übte Schreiber Kritik am zögerlichen Verhalten der staatlichen Stellen in Sachen Bunkergelände: "Was wurde von offizieller Seite denn in den letzten zehn Jahren konzipiert und entschieden?"

Daran knüpfte auch Preisträger Wagner an: "Eigentlich bestand meine größte Leistung in meiner Zurückhaltung angesichts der vielen Enttäuschungen und Ablehnungen, die ich erlebt habe - bis hin zur Entscheidung, die Mittelschule nicht nach Max Mannheimer zu benennen." Was bleibt, sei die Hoffnung, dass 25 Jahre Arbeit in ein Ergebnis münden. "Dass es möglichst bald mehr zu bewundern gibt als unseren Preis." ha/Mühldorfer Anzeiger

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