Verwaltungsausschuss diskutiert über Skater

Mühldorf - Heute diskutiert der Verwaltungsausschuss, ob er das Skateboardfahren in der Altstadt verbietet. Jugendliche wie Anwohner machen im Vorfeld klar, was sie erwarten.

„Für uns ist es wirklich schwierig, einen geeigneten Platz zum Skaten zu finden“, erzählen Thomas und Maxi. Beide sind 16 Jahre alt und seit rund vier Jahren aktive Skater. „Egal, wo wir sind, meistens holt gleich jemand die Polizei und wir müssen weglaufen“, berichten sie. Dabei sei es egal, ob sie ihrem Sport am Landratsamt, auf dem Stadtplatz, an der neuen Hauptschule oder auf dem Supermarkt-Parkplatz nachgehen. „Irgendwer fühlt sich immer gestört“, sagt Thomas.

Bei schlechtem Wetter zieht es die beiden häufig in die Hallenbad-Tiefgarage und das Parkdeck am Bahnhof. Ihnen sei bewusst, dass es gerade dort gefährlich sei und Autos beschädigt werden können. Das sei aber absolut nicht ihr Ziel, aber es gäbe einfach keine geeigneten Orte. Der einzige Platz, an dem sie ungestört ihrem Hobby nachgehen können, sei der Skateplatz in Altmühldorf, doch der sei zu alt und biete nicht genug Platz für alle Fahrer, von denen es nach Einschätzung von Thomas und Maxi rund 50 in Mühldorf gibt.

Skaterplatz Altmühldorf

Einen neuen Skateplatz hinter der Mühldorfer Feuerwehr wollen beide. „Das wäre einfach nur geil“, schwärmt Maxi. Oder eine Skatehalle. „Uns würde ja auch eine verlassene Lagerhalle reichen“, sagen sie, „den Rest können wir uns schon irgendwie selbst zusammenbauen“. In jedem Fall wären sie zum Dialog mit der Stadt und den Anwohnern bereit.

Den Dialog sucht auch Stadträtin Anneliese Hohenester, die eine Metzgerei in der Bräugasse am Stadtplatz betreibt. Für sie ist klar, dass „der Durchgang unter den Arkaden und die Seitengassen alles bieten, was die jungen Leute zu ihrem Sport brauchen“. Zudem sei sie froh um jeden Jugendlichen, der nicht den ganzen Tag hinter dem Computer oder vor dem Fernseher sitze, sondern Sport treibe.

Dennoch sei das ständige Skaten Anwohnern und Fußgängern unzumutbar. In den Pfingstferien sei die Situation dramatisch gewesen. Viele Fußgänger empfänden die Skateboardfahrer als Bedrohung, Fußgänger können die Skateboarder nicht einschätzen und haben Angst vor Zusammenstößen.

Zwiegespalten berichtet auch Ingrid Unertl von Begegnungen in den vergangenen Wochen, die manchmal sehr unfreundlich verlaufen seien. Eine Gruppe von sieben Jugendlichen habe sich ausfallend und beleidigend gegenüber Anwohnern und ihr verhalten. „Sie müssen irgendwohin“, sagt Unertl, die manche der Jugendlichen kennt. „Aber mit einigen kann man sich nicht einmal vernünftig unterhalten.“ Das bestätigt auch Hohenester, weiß wie Unertl aber auch von durchaus freundlichen Diskussionen.

Der Idee einer Skaterbahn hinter der Mühldorfer Feuerwehr steht Hohenester allerdings kritisch gegenüber. „Ich glaube nicht, dass eine neue Bahn das Problem wirklich lösen würde“, sagt sie. „Es geht vielen ja auch einfach darum, sich am Stadtplatz zu zeigen und gesehen zu werden.“

Dem Verwaltungsausschuss des Stadtrats liegt heute ein Beschlussvorschlag vor, der das Skateboardfahren in der Altstadt grundsätzlich verbietet. Zugleich schlägt er die Suche nach einem geeigneten Platz mit einer Skateranlage vor.

Der Traum von einer Skaterhalle am Jugendzentrum „M24“ scheint dagegen ausgeträumt zu sein. Bürgermeister Günther Knoblauch erklärte gestern auf Anfrage, dass die Halle nicht den Sicherheitsvorschriften entspreche. Eine Untersuchung habe gezeigt, dass der Raum nicht hoch genug sei. Oberhalb jeder Anlage müssen nach seinen Angaben drei Meter Platz für Sprünge sein.

Die Halle auf dem ehemaligen Finsterbuschgelände sei nur vier Meter hoch, an einigen Stellen durch Stahlträger sogar noch niedriger.

Bliebe also nur eine neue Anlage zum Beispiel hinter der Feuerwehr, wie Knoblauch sie ins Gespräch gebracht hat. Ilse Preisinger-Sontag, Fraktionsvorsitzende der CSU, sieht zwar auch die Notwendigkeit, eine Anlage bereitzustellen, wenn man die Skater aus der Stadt verbannen will. Zugleich weist sie aber auch auf die knappen Kassen hin. Sie fordert Eigenverantwortung und eine Beteiligung der Jugendlichen und ihrer Eltern, wie sie in anderen Sportarten üblich sei.

ago/hon/Mühldorfer Anzeiger

Rubriklistenbild: © dpa

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