Der unendliche Stadl

+
Einen „Schandfleck“ nennt CSU-Fraktionssprecherin Ilse Preisinger-Sontag die Brandruine neben dem Gasthaus Spirkl. An dem Anblick wird sich nach der Entscheidung des Bauausschusses so schnell nichts ändern. Denn Adolf Spirkl will umbauen, nicht abreißen.

Mößling - Keine Veränderung in Mößling: Die Brandruine in der Auerstraße bleibt stehen. Sie darf nach einem Beschluss im Bauausschuss auch Jahre nach dem Brand nicht umgebaut werden.

Einen Abriss lehnt Eigentümer Adolf Spirkl ab.

Der Mößlinger Gastwirt und Stadtrat Adolf Spirkl (FM) ist erneut mit seinem Versuch gescheitert, an dem Stadl neben seinem Wirtshaus Bauveränderungen vornehmen zu dürfen. Spirkl wollte den hinteren Teil des vor einigen Jahren weitgehend abgebrannten Stadls abreißen und über dem vorderen Teil ein neues Dach errichten. Danach sollte der Stadl als Brennholzlagerhalle dienen.

Der Bauausschuss der Stadt Mühldorf hat einen entsprechenden Bauantrag gegen die Stimmen von Oskar Rau (Grüne) und Franz Essl (FM) jetzt abgelehnt. Nach Ansicht dieser beiden Stadträte genießt Spirkls Stadl Bestandsschutz und dürfe deshalb umgebaut werden. Oskar Rau sprach gar von "ungebührlicher Härte" gegen den Gastwirt.

Die Mehrheit des Bauausschusses hielt dagegen an der seit Jahren bestehenden Ablehung von Umbauten fest. Der Stadl steht unmittelbar an der Straße, ein dort geplanter Gehweg kann deshalb nicht gebaut werden. Umbauten oder gar einen Neubau an gleicher Stelle haben Bauausschuss und Stadtrat in der Vergangenheit bereits mehrfach abgelehnt.

Sehr zum Unverständnis von Adolf Spirkl, dem es in erster Linie um den Erhalt der Parkplätze vor seiner Metzgerei geht. "Kommt der Gehsteig, sind die Parkplätze weg", erklärte Spirkl nach der Entscheidung gegenüber dem Mühldorfer Anzeiger. "Die Leute kaufen hier auch ein, weil sie direkt vor dem Geschäft parken können. Eine andere Lösung kommt nicht in Frage."

Damit spielt der Gastwirt auch auf ein Argument in der Bauausschusssitzung an. Dort hieß es, Spirkl könne den Grund neben seinem Wirtshaus gut nutzen, wenn er den Stadl abreiße und die geforderten zwei Meter zur Straße einhalte. Sepp Wimmer (SPD) erkärte: "Dort, wo der Stadl steht, ist es eine Todsünde. Es gibt genügend Platz im Hof."

"Wir haben dem Antragssteller einen Gesamtplan vorgelegt, die ihm mehr Möglichkeiten gibt, als er derzeit hat", sagte Bürgermeister Günther Knoblauch. Diese Vorschläge aber hat Spirkl in der Vergangenheit abgelehnt.

CSU-Fraktionssprecherin Ilse Preisinger-Sontag bezeichnete die Ruine als "Schandfleck": "Wir brauchen einen Gehsteig, ein Umbau würde die jetzige Situation fixieren." Diese Ansicht teilte auch Christian Funiok (UWG), der einen Gehsteig als "absolut notwendig" bezeichnete. Dieser Gehsteig soll laut Bebauungspan die Oberhofener Straße über die Dorfstraße mit der Auerstraße verbinden, an der die Grundschule liegt.

Die Krtiker Essl und Rau betonten gegen die Mehrheit, dass der Gehsteig auf der falschen Seite der Straße geplant sei, da die Schule auf der anderen liege. Ein Gehsteig sei aber nur dann sinnvoll, wenn dieser auf der Schulseite gebaut werde. Dann stelle der Stadl auch kein Hindernis mehr dar.

Wie es mit der Ruine nun weitergeht, weiß Adolf Spirkl noch nicht. Fest stehe lediglich: "Abgerissen wird nicht." Nach Rücksprache mit dem Landratsamt will er jetzt von seinem Recht auf Bestandssicherung Gebrauch machen. "Das steht mir zu, das wurde mir bestätigt." Zunächst kommt der Dachstuhl an die Reihe. Noch am Samstag traf sich Spirkl mit dem Zimmerer.

ha/hon/Mühldorfer Anzeiger

Zurück zur Übersicht: Region Mühldorf

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser