Renaturierung kostet 1,7 Millionen Euro

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Jettenbach - Mit dem Spatenstich beginnt die Renaturierung der Inn-Ausleitungsstrecke. Der Umgehungsbach am Wehr Jettenbach mit einer Länge von 800 Metern wird einer der größten in Bayern sein.

Er soll Wanderhilfe, Lebensraum und Kinderstube für die Fische sein. Rund 1,7 Millionen kostet die Maßnahme, die im Herbst 2012 abgeschlossen sein wird.

Heute weiß man, dass die Fischtreppen bei Wasserkraftwerken nicht so richtig funktionieren. Oft finden die Fische die Wanderhilfe nicht, kleine Fische schaffen den Weg überhaupt nicht. "Aber Kleinfische und Kleinlebewesen sind auch wichtig für das Ökosystem", sagte Paul Geisenhofer, leitender Baudirektor beim Wasserwirtschaftsamt Rosenheim bei der Begrüßung. Vor dem Spatenstich erklärte er, mit dem Umgehungsbach, auch Umgehungsrinne genannt, wolle man die Barriere Kraftwerk überwinden.

Denn ein gutes Gewässer zeichne sich durch ökologische Durchlässigkeit und Wanderbarkeit aus. Der erste Schritt erfolge hier in Jettenbach. Es handle sich um eine zentrale Baumaßnahme zur Renaturierung der Inn-Ausleitungsstrecke zwischen Jettenbach und Töging.

Seit der Neukonzessionierung des Kraftwerkes Töging im Jahr 2001 werde mit großem Aufwand des Freistaates Bayern und der Verbund GmbH, der Kraftwerkbetreiber etwa von Jettenbach und Töging, die Gewässerentwicklung umgesetzt.

Der neu entstehende 800 Meter lange Umgehungsbach wird die ökologischen Funktionen des Flusses stärken. Die Kosten sind mit 1,7 Millionen Euro veranschlagt. "Das wird ein naturnah gestalteter Bach, ein Biotop und Laichgewässer - auch für kleine Fische", so Geisenhofer.

Wasserkraft wichtig für Energiemix

Die Wasser-Beschickung des Baches werde variabel gestaltet, außerdem sollen dort zwei naturnahe Sohlrampen, drei Brücken und ein Einlaufbauwerk enstehen. Für Herbst 2012 wird mit einem Abschluss der Maßnahme gerechnet.

25 Prozent der Kosten trage der Freistaat, 75 Prozent übernimmt der Betreiber Verbund GmbH (bayerische Tochterfirma der Verbund Hydro Power AG Wien). Außerdem kommen noch Zuschüsse aus der EU, freut sich Geisenhofer.

Spatenstich zur Renaturierung

Und weil der Inn und sein Kanal so wichtig sind für die Region, waren unter den Ehrengästen Staatskanzleichef Dr. Marcel Huber, Peter Huber, Sachgebietsleiter Wasserwirtschaft bei der Regierung von Oberbayern, Landrat Georg Huber, Graf Ignaz zu Toerring-Jettenbach, Mühldorfs Bürgermeister Günther Knoblauch, Jettenbachs Bürgermeister Alfons Obermaier, Tögings Bürgermeister Horst Krebes und etwa Werner Eder, Zweiter Bürgermeister Gars. Auch Gerd Ruchlinski vom Bund Naturschutz sowie Werner Schuster vom Vogelschutzbund waren gekommen.

Symbolische Versöhnung mit dem Wehr

Landschaft und Natur machen einen Großteil der bayerischen Lebensqualität aus und müssen für die Nachkommen bewahrt werden, sagte Staatskanzleichef Dr. Marcel Huber in seinem Grußwort. Als Verfechter des Energiewandels machte er auf die Notwendigkeit der Akzeptanz von erneuerbaren Energien aufmerksam.

Wasserkraft sei sehr wichtig für den Energiemix und müsse aufgestockt werden. Allerdings gebe es Aversionen und Bedenken dagegen, etwa wegen der Querbauwerke. Die Renaturierungsmaßnahme "Umgehungsbach" räume viele Bedenken aus. In Bayern gelinge die Symbiose zwischen Ökologie und Ökonomie. "Dieser Bach wird eine symbolische Versöhnung mit dem Wehr und leistet auch einen Beitrag zum Hochwasserschutz", so Dr. Huber. Mit diesem Projekt sei man Trendsetter.

"Wir in Bayern haben die Kraft, in ein neues Energiezeitalter aufzubrechen." Allerdings brauche es dazu nicht Wutbürger, sondern Mutbürger. Es reiche nicht, gegen Atomkraft zu demonstrieren, aber etwa keine Wasserkraft zulassen zu wollen. Landrat Georg Huber pflichtete ihm bei und dankte Graf Ignaz, der das Projekt unterstützt, indem er Grundstücke zur Verfügung stellte. Andernfalls wären keine Baumaßnahmen möglich.

"Wir wollen die Ärmel hochkrempeln und mithelfen, dass Bayern weiterkommt beim Energiewandel", sagte Dr. Karl-Heinz Gruber von der Verbund GmbH. Die Kosten von 1,7 Millionen Euro bringen auch Wertschöpfung in die Region; er verwies auf die am Bau beteiligten Firmen und Ingenieurbüros aus der Region mitsamt ihren Arbeitskräften. "Mit dem Bach wollen wir was tun, damit das Image der Wasserkraft wieder besser aussieht."

Wasserkraft in Bayern mache immerhin 15 Prozent des Energiemixes aus. Das entspricht 13 Milliarden Kilowattstunden.

Umgehungsbach wird nicht befischt

Auch zu Wort kam Prof. Dr. Franz Fiedler, Vorsitzender des Anglerbundes Isaria. Isaria sei seit 1931 als Pächter des Fischereirechtes hier tätig. Der pensionierte Biologe bedankte sich, dass die Vorstellungen des Anglerbundes zur Renaturierung in die Planungen aufgenommen wurden. "Ein Traum, eine Vision wird jetzt wahr."

Die Qualität eines Gewässers sei auch durch die darin lebenden Fische bestimmt, nicht nur durch die Energiegewinnung. Die Isaria werde das Projekt uneingeschränkt unterstützen. Denn so werde der Bestand zum Teil bedrohter Fischarten gesichert: Innäsche, Huchen, Forelle, Nase und weniger prominente Wanderfischarten sowie auch Kleinlebewesen. Er kündigte außerdem an, der Bach werde als Laichschutzgebiet nicht befischt.

kla/Waldkraiburger Nachrichten

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