Auf in den Tunnel

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Höhepunkt des Tages waren die Führungen durch die Tunnelröhre. Am Westende des Tunnels konnten die Besucher einen Schalwagen begutachten, mit Hilfe dessen die Abschnitte des Tunnels im vergangenen Jahr betoniert worden sind. Fotos nl

Ampfing - Der Andrang war groß: Viele Fragen stellten sich den Besuchern des Baustelleninformationstags auf der A94-Baustelle bei Ampfing.

Was ist der Unterschied zwischen einem Tunnel und einer Einhausung? Passt hier auch ein Schwertransport durch? Und was passiert, wenn es in der Einhausung brennt? Diese und weitere Fragen brannten den Besuchern des Baustelleninformationstags auf der A94-Baustelle bei Ampfing auf den Nägeln.

Groß ist der Andrang auf der Veranstaltung der Autobahndirektion Südbayern: zwischen den riesigen Baumaschinen am Ostportal des Tunnels spielen Kinder, rund um die Schautafeln bilden sich Besuchertrauben, die rege Diskussion über Baufortschritt, Unterführungen, Düker und Anschluss bestehender Straßen vermischen sich zu einheitlichem Gemurmel.

Franz Hofer bindet seiner Tochter Samira (3) einen grünen Luftballon des Vereins "Ja zur A94" ums Handgelenk. Samira aber interessiert sich viel mehr für den Tunneleingang - der Verlauf endet im schwarzen Nichts und ist magischer Anziehungspunkt für viele Besucher.

Samira (3) erkundete die Baustelle mit ihrem Papa Franz Hofer. Mit den großen Maschinen und dem dunkeln Tunneleingang konnte der grüne Luftballon natürlich nicht mithalten.

Schon mit der ersten Führung machen sich über 20 Besucher auf den 1,3 Kilometer langen Weg durch die beiden Tunnelröhren. Geduldig beantwortet Martin Täuber-Kumpf von der Autobahndirektion alle Fragen. 30000 Kubikmeter Beton wurden für die 680 Meter lange Einhausung verbaut. Pro Block waren 30 Tonnen Stahl nötig. Nach nur elf Monaten Bauzeit von August 2010 bis Juli 2011 war der Rohbau fertig. Bis auf zwei Wochen Pause wurde selbst im Winter durchgearbeitet, mit vorgewärmtem Beton und wärmegedämmter Schalung.

Im Tunnel gibt es keinen Standstreifen, aber alle 150 Meter Fluchttüren in die andere Tunnelröhre. Die sind über einen ein Meter breiten Notgehweg neben der 7,5 Meter breiten Fahrbahn zu erreichen. Die Geschwindigkeit im Tunnel wird auf Tempo 80 beschränkt sein, wie in allen bayerischen Tunnelbauwerken.

Die Einhausung darf sich Tunnel nennen, erklärt Täuber-Kumpf. "Das darf jede eingebaute Fahrbahn, die länger als 80 Meter ist." Allerdings sei ein Tunnel ein in bergmännischer Weise angefertigtes Bauwerk, eine Einhausung werde offen gebaut und mit einer Decke verschlossen.

Bei 7,5 Metern Fahrbahnbreite und bis zu fünf Metern Höhe hat auch ein Schwertransport in der Röhre Platz. Alle Antworten hat Täuber-Kumpf parat. Nur einmal kommt er ins Stocken. "Wann ist die gesamte Autobahn nach ihrer Einschätzung fertig?", will eine Besucherin wissen. "Bis zum ursprünglich geplanten Termin 2018 wird es schwierig, die fehlenden Abschnitte sind lang und geologisch schwierig", sagt er, "das hängt vor allem von der Bereitstellung der Gelder ab." Und dann sagt er, was alle sagen: "Schau' mer mal."

Dieses "Schau' mer mal" ist Dr. Willi Kleine, dem Wacker-Werkleiter, der als stellvertretender Vorsitzender des Vereins "Ja zur A94" ein Grußwort spricht, nicht genug. Er fordert die "schnellstmögliche Fertigstellung des Lückenschlusses der lebenswichtigen Verkehrsader des südostbayerischen Raumes". "Wo Baurecht besteht, müssen Gelder zur Verfügung gestellt werden, hier müssen wir die Politik in die Pflicht nehmen", wiederholt er einmal mehr die Forderung der regionalen Wirtschaft.

A94-Baustellen-Informationstag

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Zumindest beim 4,3 Kilometer langen Abschnitt Ampfing-Heldenstein sind die Arbeiten im Zeitplan, betont Michael Köstlinger, Projektleiter der Autobahndirektion. Im Dezember 2012 sollen die 70 Millionen Euro verbaut sein und die Autobahn freigegeben werden. Vier von sechs Brücken seien bereits fertig, die Erd- und Deckenarbeiten laufen plangemäß, der Howaschen-Düker ist bereits in Betrieb, noch im Oktober soll eine Richtungsfahrbahn freigegeben werden, darauf wird dann der Verkehr der B12 geführt, solange an der südlichen Fahrbahn weitergearbeitet wird.

Nach zwei Jahren Bauzeit meldet die Autobahndirektion: Halbzeit, Verlauf plangemäß.

nl

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