Trinkwasser macht Stadträte mürrisch

Töging – Beim Thema Trinkwasser schlagen auch im Stadtrat die Wellen hoch. In der vergangenen Stadtratsitzung wurde es etwas lauter als normal.

Mit einem lauten „Jetzt langt‘s aber“ samt Schlag mit der flachen Hand auf den Tisch hat CSU-Fraktionssprecher Marcus Köhler die Rede seines Stadtratskollegen Werner Lehner (SPD) unterbrochen, der Verbindungen zwischen einem offenen Brief einer Bürgerinitiative und dem Wasser-Fragenkatalog des CSU-Ortsvereins für möglich gehalten hatte.

Die im Frühjahr in einem Trinkwasser-Brunnen entdeckte Keimbelastung hat noch heute Folgen: Lehner hat in der Stadtratssitzung am Mittwoch das Vorpreschen der CSU mit einem öffentlichen Fragenkatalog vor der Stadtratssitzung bemängelt. Der SPD-Stadtrat kritisierte, dass 90 Prozent der Fragen aus diesem Katalog in den letzten Wochen und Monaten bereits beantwortet worden seien. Zudem sei der offene Brief von Sebasitan Pfaffenhuber und Johann Utz als Vertreter einer „Bürgerinitiative sauberes Trinkwasser“ erschienen. Das zeitgleiche Erscheinen mit dem CSU-Fragenkatalog wertete Lehner als „sehr befremdlich“.

In dem Brief der Initiative gebe es „schwere Vorwürfe“ gegenüber der Stadt. Einer der Verfasser des Briefs sei CSU-Mitglied. Pfaffenhuber und Utz senior hatten den Brief auch an die Staatsanwaltschaft geschickt – was Lehner mit einer Anzeige gegen die Stadt gleichsetzte.

Utz hatte Anmerkungen aus dem Brief in der Bürgerfragestunde wiederholt und von möglichen Ordungswidrigkeiten gesprochen und darum gebeten, nicht alle Kosten für die Beseitigung der Schäden auf den Bürger umzulegen – sondern auch auf die für die Verunreinigung des Wassers Verantwortlichen. Lehner kommentierte dies mit dem Hinweis, auch Stadträte seien Bürger. Köhler wollte sich nicht zu dem Schreiben der Bürgerinitiative äußern.

Einen Diskussionsversuch Utz‘ unterband Krebes mit dem Satz „Sie dürfen sich hinsetzen, Fragen werden beantwortet und dann ist Ruhe“.

Zu Beginn der Sitzung hatte Stadtrat Hans-Werner Bauer (SPD) den Bürgermeister gebeten, dafür zu sorgen, dass aus der Bürgerfragestunde nicht, so wie in den letzten Monaten geschehen, eine Diskussion wird.

ne Diskussion wird. Krebes antwortete auf die Wasserfragen mit dem Hinweis, die Verwaltung habe sich „keines Dienstvergehens schuldig gemacht“. Zudem äußerte Krebes sich ebenso wie weitere Stadträte erstaunt über den Stil des offenen Briefes. SPD-Fraktionssprecher Günter Zellner war regelrecht „verärgert“. Den Vorwurf Zellners, die CSU-Stadträte würden in den Sitzungen nicht aufpassen, wenn sie danach solche Fragenkataloge zusammenstellten, wies Köhler zurück, verbunden mit der Bitte, zur Sachlichkeit zurückzukehren.

Krebes trug zudem ein mehrseitiges Antwortschreiben zu den CSU-Fragen vor. Demnach habe es bei 568 zwischen dem dritten April und fünften Juni gezogenen Proben acht Beanstandungen gegeben.

Für gewöhnlich würden in diesem Zeitraum 24 Überprüfungen durchgeführt. Laut Krebes wurden, solange keine Unregelmäßigkeiten festgestellt wurden, die sechs städtischen Brunnen jeweils zweimal jährlich gepürft. Zudem habe es monatlich drei zusätzliche Untersuchungen an verschiedenen Endstellen im Netz gegeben.

Im Berichtszeitraum 2004 bis 2008 habe es keine bakteriellen Verunreinigungen oder Probleme sonstiger Art gegeben. Andernfalls hätte das Gesundheitsamt, das alle Ergebnisse unmittelbar vom Labor erhalte, „sehr massiv reagiert“.

Zu den ergriffenen Maßnahmen im Schutzgebiet zählen unter anderem das Flicken von Löchern bei Umzäunungen, das Entfernen von Pferde- und Hundekothaufen, das Abdichten von Kabeldurchführungen oder der Erlass eines Reitverbotes in der unmittelbaren Schutzzone und das Verhindern von parkenden Autos am SSV-Platz außerhalb befestigter Plätze.

Einen undichten Abwasserkanal beim SSV-Sportheim zum Hauptkanal im Harter Weg will dies Stadt noch in diesem Jahr sanieren. Köhler und weitere CSU-Stadträte verteidigten ihren Fragenkatalog als Grundlage für die anstehende Diskussion um eine Studie zur weiteren Vorgehensweise in Sachen Trinkwasser.

Die Studie eines Ingenieurbüros für Hydrogeologie ist am 20. August bei der Stadt eingegangen. Der Bau- und Umweltausschuss wird die Ergebnisse der Studio in der Sitzung des Bauausschusses am sechsten Oktober beraten. Dann stehen auch von der CSU in ihrem Fragenkatalog genannten Vorschläge wie Verbundversorgung mit Mühldorf oder ein Tiefbrunnen in der Diskussion.

Einem Hochbehälter erteilte Krebes aufgrund der Kosten und der Durchsetzbarkeit, die „schwieriger als ein Autobahnbau“ sei, eine Absage.

rob/Mühldorfer Anzeiger

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