Trend zur Geburt jenseits der 35

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Im Landkreis Mühldorf hatten im Jahr 2009 von insgesamt 893 Neugeborenen 216 eine Mutter, die 35 Jahre und älter war.

Gianna Nannini bekam Anfang Dezember ihr erstes Kind mit 54 Jahren, die Mutter von Sängerin Sarah Conner bekam mit 50 noch einmal Zwillinge: Ob Geburten im höheren Alter Schule machen, wird sich zeigen.

Fakt ist: In Bayern hat mittlerweile knapp jedes vierte Neugeborene eine Mutter, die 35 Jahre und älter ist. Im Landkreis Mühldorf liegt dieser Anteil aktuell bei 24,2 Prozent.

Mühldorf - Die Statistiker des Landesamts für Datenverarbeitung haben nachgerechnet: Ende der 80er-Jahre wurden die Frauen in Bayern im Schnitt mit 28 Jahren Mutter, heute erst mit rund 31 Jahren. Noch deutlicher wird der Trend zur späten Mutterschaft, wenn man den Anteil der über 35-jährigen Mütter betrachtet: Ende der 80er Jahre betrug er rund neun Prozent, Ende der 90er Jahre bereits 15 Prozent und kletterte nun bis zum Jahr 2009 auf knapp 24 Prozent (23,6 Prozent).

Im Landkreis Mühldorf hatten im Jahr 2009 von insgesamt 893 Neugeborenen 216 eine Mutter, die 35 Jahre und älter war. Das ist ein Anteil von rund 24,2 Prozent, also etwas mehr als im bayernweiten Durchschnitt. Ihren 40. Geburtstag hinter sich, hatten davon bereits 34 Frauen (3,8 Prozent).

Durchwachte Nächte mit 40 ertragen und Pubertätsausbrüche mit Mitte 50 verkraften: Leicht ist der Alltag der späten Mütter nicht. Frauenärzte bescheinigen den so genannten "Risikoschwangeren" über 35 Jahren allerdings, besonders sorgsame Schwangere zu sein: Sie halten die Kontrolltermine ein, essen gesund, rauchen nicht, trinken keinen Alkohol und meiden Stress. Unter Umständen sind sie gelassener als junge Mütter, weil sie mehr Lebenserfahrung haben, ihre Partnerschaft gefestigt ist und die Karriere läuft.

Auf der anderen Seite schießen manche bei der Konzentration auf das (meist einzige) Kind übers Ziel hinaus: Helikopter-Eltern nennt die Wissenschaft jene, die das "Projekt Kind" wie Manager mit einem Optimierungsplan angehen. So wie sie sich im Beruf bewiesen haben, wollen sie nun allen beweisen, dass sie auch beim Sohn oder bei der Tochter alles richtig machen. Oft handelt es sich dabei um Mütter, die für ihr einziges Kind aus dem Beruf ausgestiegen sind.

Warum sich die Frauen soviel Zeit mit dem Kinderkriegen lassen? Viele wollen zuerst Karriere machen, bevor sie sich der Familiengründung widmen, zumal auch das Studium nicht für die Katz gewesen sein soll. Meist korreliert deshalb ein hoher Akademikerinnenanteil unter den Erwerbstätigen mit einem höheren Anteil älterer Mütter.

Wenn auch der Trend in Bayern in Richtung "Später Mutterschaft" geht, zeigen sich doch regionale Unterschiede: So gibt es vor allem im Süden Bayerns hohe Anteile von über 35-jährigen Müttern. Spitzenreiter war erneut der Landkreis Starnberg (36 Prozent), gefolgt vom Landkreis München (34 Prozent) und der Landeshauptstadt München (32 Prozent).

Im Norden und Nordosten überwiegen die jüngeren Jahrgänge. So hatte in den Kreisen Wunsiedel und Tirschenreuth sowie in den Städten Ansbach und Schweinfurt nur rund jedes siebte Neugeborene eine über 35-jährige Mutter.

Gibt es künftig also mehr ältere Mütter? Das wird sich zeigen, jedenfalls hat sich in den letzten zwei, drei Jahren der Anteil bayernweit bei knapp 24 Prozent eingependelt. Im Landkreis Mühldorf verlief die Entwicklung wie folgt: Im Jahr 2007 hatten hier noch 23,5 Prozent der Babys eine Mutter über 35 Jahre, ein Jahr später lag der Anteil bei 19,7 Prozent und im Jahr 2009 waren es nun 24,2 Prozent.

zs/Mühldorfer Anzeiger

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