Wasserstudie wird zum Mosaikstein

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Töging - Sanierungsbedürftige Brunnen, geringe Chancen für den Bau eines Tiefbrunnens und Schwierigkeiten bei einem möglichen Wasserverbund mit Mühldorf oder Altötting. 

Für Bürgermeister Horst Krebes war die Vorstellung eines Teils der Studie über die Wasserversorgung ein "relativ großer Mosaikstein", auch wenn die Ursache für die Trinkwasser-Verkeimungen der vergangenen Monate nach wie vor unklar ist. Ein Gutachten über die Fließrichtungen des Grundwassers und damit Nutzungsmöglichkeiten steht noch aus.

Geologe Ulrich Hafen hatte Teile der Ergebnisse der Studie über die Sicherstellung der Töginger Wasserversorgung am Mittwoch im Stadtrat vorgestellt. Problematisch ist demzufolge die Förderung aus zwei wasserführenden Schichten. Die obere, sauerstoffhaltige, enthält zwar kein Eisen oder Mangan, ist aber anfällig für Umwelteinflüsse wie Nitrate, Chloride oder Bakterien. Die untere dagegen enthält fast keinen Sauerstoff, dafür Eisen und Mangan. Die sechs Brunnen mit schwankender Ergiebigkeit erschließen Wasser aus den zwei Schichten und neigen laut Hafen aufgrund des Mischwassers zu "intensiver Verockerung".

Hafen sagte, die derzeitige Fördermenge aus dem oberen und unteren Bereich sei in etwa gleich groß. Eine Förderung ausschließlich aus dem unteren, nicht keimbelasteten Bereich sei nicht ausreichend. Außerdem müsse das Wasser aufgrund des Eisens und Mangans aufbereitet werden.

Auch Hafen nannte keine Ursache für die aufgetretene Verkeimung - allerdings Gefährdungsmöglichkeiten. Die Brunnen im nördlichen Bereich des Wasserschutzgebietes grenzen an ein Feld. Auch sei in der Nähe ein Fuchsbau entdeckt worden. Im Umfeld der Brunnen des südlichen Bereiches gebe es Spazierwege, die auch von Hundebesitzern genützt würden, die nahegelegene Pferdekoppel und das Sportheim mit dem lange defekten Kanalanschluss. Hafen schätzt die Gefahr eines Bakterien-Eintrages im nördlichen Bereich geringer ein.

Für Hafen stellt ein Tiefbrunnen im Wasserschutzgebiet jenseits einer 60-Meter-Marke eine Möglichkeit zur langfristigen Sicherung der Wasserversorgung dar. Kostenpunkt: bis zu 2,4 Millionen Euro. Ein anderes Hindernis: eine fehlende und aufgrund der Gesetzeslage kaum zu bekommende wasserrechtliche Genehmigung - solange es Alternativen zu einem Tiefbrunnen gebe. Das Tiefenwasser soll kommenden Generationen vorbehalten sein.

Eine andere Möglichkeit wäre die Sanierung bestehender Brunnen. Die südlichen Brunnen würden Hafen zufolge in absehbarer Zeit nicht mehr ausreichend Wasser liefern. Zwei der drei nördlichen müssten erneuert werden. Dann wären diese auch ergiebiger. Hier liegen die Kosten bei etwa 330000 Euro. Dazu kommen Regenerierungs-Maßnahmen von 5000 Euro alle fünf bis zehn Jahre. Für eine schonende Entnahme wäre ein Wasserspeicher notwendig. Kosten dafür nannte Hafen nicht. Einen Brunnen nördlich der Isen hält Hafen aufgrund geringer Wassermengen und der kostenintensiven Leitung für problematisch. Bliebe der Fremdbezug als dritte Variante: Allerdings stehen laut Hafen die benötigten jährlich 500000 bis 700000 Kubikmeter Wasser im Bereich Mühldorf nicht zur Verfügung. Zudem gebe es dort Schwierigkeiten mit einer Chrom-Belastung.

Dagegen hätte der Wasserverbund Altötting-Neuötting-Winhöring mit den drei Tiefbrunnen in Osterwies und den Brunnen im Staatswald eine ausreichende Kapazität. Ein Kostenpunkt beim Fremdbezug wäre der Rückbau der Töginger Brunnen, der etwa 300000 Euro kosten würde. Bürgermeister Krebes sagte, die Genehmigungsbehörden würden zudem einem Fremdbezug "nicht unbedingt das Wort reden".

Wegen einer geringen Wasserkapazität scheiden Anschluss-Möglichkeiten wie Pleiskirchen oder Weiding aus. Bei Weiding will Krebes noch nachfragen. Hafen verwies auf das Gutachten zur Fließrichtung und Fließgeschwindigkeit der Grundwasserströme. Dies sei auch für die Entscheidung von Brunnensanierungen wichtig.

Die von Krebes angekündigte Bürgerversammlung zum Thema Wasser soll im Herbst stattfinden.

rob/Mühldorfer Anzeiger

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