Geld für den kranken Verwandten

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125000 Euro hatte Rudolf Eichhammer bei "Wer wird Millionär" gewonnen. Das Geld wollte er für die Renovierung der Pfarrkirche spenden. Ob und in welchen Umfang er dies dann tat, ist heute unklarer denn je.

Töging/München (ma) - Aufgrund finanzieller "Unregelmäßigkeiten" musste Pfarrer Rudolf Eichhammer Töging verlassen. Jetzt steht die Höhe dieser Unregelmäßigkeiten fest: 40.000 Euro hat der Geistliche von den Spendengeldern seiner Pfarrei abgezweigt - um einem kranken Verwandten zu helfen.

"Nein, er hat sich nicht selbst bereichert", stellt Bernhard Kellner, Sprecher des Erzbistums München-Freising, klar. "Er konnte uns glaubhaft versichern, dass er das Geld für einen in Not geratenen Verwandten verwendet hat." Insofern sei der Fehler Eichhammers "vor allem auf moralischer Seite relevant." Persönlich kenne er diesen Verwandten, der durch einen Verkehrsunfall in Not geraten sein soll, jedoch nicht, gibt Kellner zu. Was nach christlicher Nächstenliebe und Familienzusammenhalt klingt, könnte jedoch ein handfestes juristisches Nachspiel haben. Aufgrund einer anonymen Strafanzeige prüft die Staatsanwaltschaft Traunstein derzeit, ob ein Ermittlungsverfahren wegen Untreue oder Unterschlagung einzuleiten ist. Behörden-Sprecher Volker Ziegler bestätigt laufende Gespräche mit dem Ordinariat, will sich über das laufende Verfahren jedoch nicht äußern. "Wir werden in vollem Maße kooperieren. Wir garantieren maximale Transparenz", verspricht jedenfalls Bistumssprecher Kellner. Generell sei das Erzbistum bestrebt, solche Dinge "unnachgiebig zu verfolgen."

Intern tat die Kirche dies tatsächlich. Wie Kellner belegen kann, hat die Kirchenverwaltung in München dafür gesorgt, dass - nur sechs Monate nachdem sie von den Vorwürfen gegen Eichhammer erfuhr - dieser in Töging "vom Acker war". Bereits im Juli 2008 seien in München Beschwerden über das Finanzgebaren des Geistlichen eingegangen. Am 24. Juli sei ein Dekret erlassen worden, dass Eichhammer von jeglicher Vermögensverwaltung entpflichtete. Zur selben Zeit deckte die Innenrevision des Erzbistums auch die genaue Höhe des Schadens auf: 40000 Euro. Am 30. Juli erhielt der Stadtpfarrer die offizielle Aufforderung des Ordinariats, den Betrag zurückzuzahlen. Weil dies jedoch nicht geschah, vereinbarten die Beteiligten am 16. September einen Tilgungsplan: Demnach zahlte Eichhammer noch im selben Jahr 16000 Euro, die restlichen 24000 Euro will er im Jahr 2010 rückerstatten. Am 5. November 2008 wurde Rudolf Eichhammer als Pfarrer der Töginger Pfarrei St. Johann Baptist entpflichtet. Die Stelle, die Eichhammer zum 1. Februar 2009 in Landshut antrat, beinhaltete laut Kellner keinerlei administrative Aufgaben mehr.

An die Öffentlichkeit drangen die Vorgänge jedoch nicht. Pfarrer Eichhammer wurde ehrenvoll in den Ruhestand verabschiedet. Gegenüber der Heimatzeitung begründete er seinen Abschied aufs Altenteil mit der Einführung der Stadtkirche zum 1. Oktober 2010. Er wolle sich diese Umstellung nicht mehr antun, stattdessen solle sich ein jüngerer Kollege dem Mammutprojekt Stadtkirche mit künftig über 7000 Gläubigen widmen. Warum hat die Kirche die Vorgänge vertuscht? "Wir haben nichts vertuscht", beharrt Bernhard Kellner. Nur: "Wir sind nicht in der freien Wirtschaft, wir können ihn nicht einfach rausschmeißen." Dem Ordinariat sei nichts vorzuwerfen: "Schneller als wir kann man nicht reagieren!" Tögings ehemaliger Stadtpfarrer Eichhammer ist derzeit für niemanden zu erreichen. Kellner würde "ihm auch davon abreaten, an die Öffentlichkeit zu gehen". Die bereits zurückgezahlten 16000 Euro seien längst bei der Töginger Kirchenstiftung, und "wir sind mit Vehemenz dahinter, dass auch das übrige Geld zurückkommt."

zip

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