Tödliches Ende einer Zechtour

Mühldorf - Es war ein Unfall, der an Tragik kaum zu überbieten ist: Am 1. Mai diesen Jahres verursachte ein 20-jähriger Landmaschinenmechaniker aus dem Landkreis mit über 2 Promille im Blut einen Unfall, bei dem sein Großcousin ums Leben kam. Nun musste der Fahrer sich wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht verantworten.

Lesen Sie hier den Bericht des Mühldorfer Anzeigers vom Montag:

Zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten, ausgesetzt zur Bewährung, verurteilte das Jugendschöffengericht Mühldorf jetzt einen 20-jähriger Mann aus dem Landkreis.

Er hatte am 1. Mai mit über zwei Promille einen Verkehrsunfall verursacht, bei dem sein Großcousin ums Leben kam.

Die Zechtour begann um die Mittagszeit. Der Angeklagte traf sich mit Freunden auf einem Bauernhof, die ersten zwei Bier waren schnell getrunken. Weiter ging es zum Tag der offenen Tür eines Getränkemarkts. Die Bilanz hier: Fünf Bier und ein Schnaps. Im Auto des Großcousins fuhr der 20-Jährige schließlich zur Maibaumfeier nach Grünbach, der Verwandte saß am Steuer. Nach zwei weiteren Bier entschieden sich die beiden noch für einen Abstecher zur Maifeier nach Mößling – und ein weiteres Bier.

Gegen 18 Uhr stiegen sie dann ins Auto, der Großcousin überließ den Schlüssel dem Angeklagten, offensichtlich weil er selbst zu betrunken war um noch zu fahren. Die Obduktion ergab später, dass er 2,68 Promille Alkohol im Blut hatte. Bevor die beiden in Mößling wegfuhren, versuchte sie ein Feuerwehrler aufzuhalten. „Lasst die Kiste stehen, ich ruf‘ euch ein Taxi“, sagte er und beugte sich in den Wagen um die Schlüssel abzuziehen. Der Angeklagte schob ihn weg und startete den Motor.

Zwischen Harthausen und Mettenheim raste er viel zu schnell in eine Linkskurve, der Opel Astra kam von der Fahrbahn ab und krachte mit der Beifahrerseite in eine Silowand. Der Großcousin starb noch an der Unfallstelle, der Fahrer floh.

"Ich war völlig panisch und bin nur noch gelaufen und gelaufen", erzählte der 20-Jährige vor Gericht. Erst auf einem Acker nahe der Nordtangente setzt heute seine Erinnerung wieder ein. Per Anhalter fuhr er nach Hause, wo ihn die Polizei über den Tod seines Großcousins informierte. Zu diesem Zeitpunkt, zwei Stunden nach dem Unfall, hatte er immer noch über 1,8 Promille im Blut.

Vom Vorwurf des versuchten Totschlags durch Unterlassen sprach ihn das Gericht frei. Ein Gutachter machte klar, dass allein die "schwere seelische Erschütterung am Unfallort" für eine verminderte Schuldfähigkeit in diesem Punkt spricht, "selbst wenn man den Alkohol außer Acht lässt". Zum Unfallzeitpunkt habe die Alkoholkonzentration über 2,2 Promille betragen, rechnete der Mediziner vor. Das sei nur wegzustecken, "wenn man in einem nicht unerheblichen Training steht". Das tat der Angeklagte offenbar. "Ich war der Meinung, es geht schon noch mit dem Fahren", sagte der Landmaschinenmechaniker. Zechtouren mit zehn halben Bier seien für ihn keine Seltenheit gewesen, zwei bis drei Vollräusche im Monat ebenso. Gedanken wie man wieder nach Hause kommt, hatten sich weder er noch sein 24-jähriger Beifahrer gemacht.

Das Jugendschöffengericht um Richter Heinrich Ott erklärte deshalb, dass auch den toten Cousin eine Mitschuld trifft. "Die beiden haben den Tag zusammen verbracht. Er wusste natürlich, dass auch der Angeklagte erheblich getrunken hatte", führte Ott aus. Die 2,68 Promille seien keine Entschuldigung: "Er war immerhin in der Lage zu erkennen, dass er nicht mehr fahren konnte. Und er war in der Lage sich anzuschnallen."

Zieht man diese besonderen Umstände sowie das Geständnis und den bis dato tadellosen Lebenslauf des Angeklagten in Betracht, könne die Strafe wegen fahrlässiger Tötung zur Bewährung ausgesetzt werden, sagte Ott - mit der Auflage sich einer Alkoholtherapie zu unterziehen und 2500 Euro an das "Blaue Kreuz" zu spenden. Die Staatsanwältin hatte angesichts der Schwere der Schuld eine Gefängnisstrafe gefordert, die Verteidigung dagegen auf eine Bewährungsstrafe plädiert.

Der Angeklagte nahm das Urteil erleichtert zur Kenntnis. Trotzdem: Man spürte, wie sehr ihn die Ereignisse nach wie vor belasten. Noch vor seiner ersten Aussage hatte er sich unter Tränen bei den Angehörigen entschuldigt: "Wenn ich könnte, würde ich es ungeschehen machen."

ha/Mühldorfer Anzeiger

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