Natur erleben, um sie zu schützen

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Diplom-Biologin Patrizia Weindl (rechts) von der Wildland-Stiftung erläuterte das Projekt rund um das "Thalhamer Moos". Stiftungsratvorsitzender und Präsident des Bayerischen Jagdverbandes Prof. Dr. Jürgen Vocke, Umweltminister Dr. Marcel Huber und Schwindeggs Bürgermerister Dr. Karl Dürner (von links) folgen Weindls Ausführungen zu aktuellen Maßnahmen gespannt. Auf dem Tisch steht symbolisch für die Bedeutung des Thalhamer Mooses ein Großer Brachvogel. Diese Art steht wie viele andere, die in diesem 13 Hektar großen Gebiet noch anzutreffen sind, auf der Roten Liste.

Thalham/Schwindegg - Bayerns Umweltmister Dr. Marcel Huber würdigte das Engagement der Wildland-Stiftung im "Thalhamer Moos":

Nirgendwo sonst in der Natur könne auf natürliche Weise soviel Kohlendioxid gebunden werden. Außerdem erhalte man mit dem Schutz der Moore wichtige Biotope.

Ein frischer Herbstmorgen. Nebenschwaden wabern über die Isen, breiten sich über das angrenzende Tal aus und werden schließlich von den ersten Sonnenstrahlen getroffen. Eine mystische Atmosphäre umhüllt dieser Tage das "Thalhamer Moos" in den frühen Morgenstunden. Diese rund 40 Hektar große Niedermoorfläche, zwischen Schwindegg und Moosmühle gelegen, ist eines der letzten Rückzugsgebiete für Wiesenbrüter in der Region. Kiebitz, Bekassine und Großer Brachvogel finden hier in den Feucht- und Streuwiesen einen geeigneten Lebensraum, auch für die Aufzucht ihres Nachwuchses.

"Dieser Lebensraum ist sehr wertvoll", erklärt Diplom-Biologin Patrizia Weindl von der Wildland-Stiftung Bayern. Das "Thalhamer Moos" sei ein vielseitiges Biotop, in dem sich feuchtere und trockenere Wiesen abwechseln, was auch zur hohen Artendichte beitrage. Und, inmitten unserer Kulturlandschaft, die von Ackerfläche geprägt ist, ist sie eine "wirkliche Wiesenfläche", fährt Weindl fort.

Aber dieses Juwel ist bedroht. Dieser Gefährdung war sich die Stiftung schon vor mehr als zehn Jahren bewusst, und begann erste Flächen aufzukaufen, um das Kleinod Natur besser schützen zu können. 13 Hektar stehen mittlerweile unter Federführung der Wildland- Stiftung. Der deutsche Verband für Landschaftspflege hat der Wildland-Stiftung und dem Landschaftspflegeverband Altötting für das Projekt im "Thalhamer Moos" den diesjährigen Landschaftspflegepreis verliehen. Das Projekt beinhaltet auch einen Nachbau einer Torfhütte, die viele interessante Information bereit hält.

Torfhütten prägten das Landschaftsbild

"Früher standen hier überall solche kleinen Hütten herum. In ihnen wurden der Torf getrocknet und Geräte gelagert", erinnert sich Franz Ertel. Das gesamte Gebiet des "Thalhamer Mooses" war einst klein parzelliert. Rund 50 Jahre lang bauten Familien in ihren Parzellen Torf ab, um ihn als Brennersatz zu nutzen. Als das nicht mehr rentabel war, verfielen die alten Torfhütten und versanken buchstäblich im Moor. Naturfreunde, der Landkreis Mühldorf und die Wildland Stiftung haben nun diese neue Torfhütte errichtet - mit Fundament allerdings, um dem Einsinken entgegenzuwirken - und darin eine kleine Ausstellung rund um selten Tier- und Pflanzenarten im "Thalhamer Moos" untergebracht, wozu regelmäßig Führungen angeben werden.

"Man schützt nur, was man kennt", dem pflichten sowohl Umweltminister Dr. Marcel Huber als auch Bürgermeister Dr. Karl Dürner am Dienstag beim Ortstermin bei. Ebenso stark setzt die Wildland-Stiftung auf Umweltbildung. Interaktive Greif- und Schaukästen bringen Schulkindern beispielsweise Tierspuren näher und mit ein bisschen Glück kann man auf der geführten Wanderung dann auch seltene Tiere und Pflanzen entdecken.

Dr. Huber: Genetische Vielfalt enorm wichtig

Dr. Huber machte klar, dass Vielfalt immer auch genetische Vielfalt bedeute, und dass diese in einer sich rasch verändernden Welt von enormer Wichtigkeit sei. In heimischen Pflanzen schlummere noch enormes Potential für Wissenschaft, Medizin und Bionik. Deswegen seien sie "hochwertvoll für den Menschen", sagte Huber. Und auch wenn die Energiewende in aller Munde sei, so dürfe die Natur in solchen Fragen nicht hinten anstehen, konstatierte der Umweltminister, der auch auf die besondere ökologische Bedeutung von Moorflächen hinwies. Nirgendwo sonst in der Natur könne auf natürliche Weise, soviel Kohlendioxid gebunden werden. Außerdem erhalte man mit dem Schutz der Moore wichtige Biotope.

Ähnlich sieht es der Stiftungsratvorsitzende und Präsident des Bayerischen Jagdverbandes Prof. Dr. Jürgen Vocke: "Wenn eine Wiese Ertrag bringt, dann wird gepowert und die Natur bleibt vielfach auf der Strecke." Im Projekt rund um das "Thalhamer Moos" sieht Vocke ein "Zeichen für Artenschutz und Biodiversität", das weit über die Landkreisgrenzen hinaus reiche.

Schwindeggs Bürgermeister Dr. Karl Dürner hielt ein flammendes Plädoyer für mehr Umweltbewusstsein. "Unsere Kulturlandschaft ist eine Katastrophe", sagte er und nannte unter anderem die stetige "Vermaisung" als Grund für den Rückgang der Artenvielfalt. Feldlärchen, Kiebitze und viele andere Tier- und Pflanzenarten seien gefährdet, 40 Prozent stehen aktuell auf der Roten Liste. Das "Thalhamer Moos" bezeichnete Dürner als Vorzeigeobjekt der Region.

Lebensraum für viele bedrohte Tierarten

Die Maßnahmen der Wildland-Stiftung und ihrer freiwilligen Helfer in den Wiesen des "Thalhamer Mooses" reißen jedoch nicht ab. Erst kürzlich wurden die Seigen - das sind kleine Mulden, in denen sich zeitweise Wasser hält - optimiert. Diese sind vor allem für die Bodenbrüter wichtig, als Brutplätze und für die Nahrungssuche. Zudem werden immer wieder verbuschte Bereiche geöffnet und brachgefallene Streuwiesen abgemäht. Es leben und wachsen dort aber noch zahlreiche weitere Tier- und Pflanzenarten wie die Gebänderte Prachtlibelle, der Perlmuttfalter, der Blutweiderich oder das Gefleckte Knabenkraut. Sie fallen weniger durch ihre Größe, wohl aber durch ihre charakteristische Farbgebung auf - und auch sie sind stark bedroht.

Als sich schließlich die letzten Klänge der Jagdhornbläser, die das Treffen musikalisch begleitet hatten, legten und wieder Ruhe einkehrte zwischen den Wiesen und Sträuchern im "Thalhamer Moos", spitzen irgendwo in den Wiesen Ohrenpaare von Feldhasen empor, die sich aufgrund des ungewohnt großen Aufmarsches in ihrem Revier ins sichere, hohe Gras zurückgezogen hatten.

alx/Waldkraiburger Nachrichten

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