Telekom hinkt hinterher

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Mühldorf - Das Industriegebiet wurde durch die Telekom im Jahr 2010 mit DSL 16.000 ausgerüstet. Damit sollte für die Firmen eine schnelle Netzverbindung gegeben sein. Eigentlich.

Das Gegenteil ist der Fall. Die Telekom hinkt mit ihrer Technik hinterher und kassiert doppelt.

Im Rahmen der Breitband-Initiative des Freistaates Bayern konnte die Stadt Mühldorf Fördergelder zur Erschließung des Industrieparks, auf dem sich über 50 Unternehmen ansiedelten, in Anspruch nehmen. Durch die Investitionsmaßnahme in Höhe von 49 000 Euro erhielt die Stadt Zuwendungen vom Freistaat Bayern in Höhe von 34 000 Euro.

Im Dezember 2010 teilte die Telekom, die diesen Auftrag erhielt, mit, dass die Maßnahme im Mühldorfer Industriepark nun abgeschlossen sei und den Unternehmen ab sofort DSL 16 000 zur Verfügung stünde.

Tatsache ist jedoch, wie sich zu Beginn des Jahres 2011 herausstellte, dass die Firmenkunden mit ihren derzeitigen Telefonanlagen (Sammelnummern, IP Adressen) die Anschlüsse mit dieser Leistungsstärke bis heute nicht nutzen können. "Die Telekom hat in vollem Bewusstsein unser Industriegebiet aufgerüstet, obwohl bekannt war, dass die üblichen IPs und Sammelnummern, die für die Telefonnetze der Unternehmen heute ja gang und gäbe sind, nicht angeschlossen werden können, dass die Technik der Telekom derzeit noch hinterherhinkt", erklärte Bürgermeister Günther Knoblauch.

In Fällen, in denen die Betriebe sogenannte Anlagenanschlüsse betreiben, kann die Telekom das schnellere Signal nur schalten, wenn neben den vorhandenen Anschlüssen eine weitere kostenpflichtige Telefonleitung beantragt und bezahlt wird. Für die Unternehmen bedeutet das monatliche Mehrkosten für eine unzureichende Notlösung.

Knoblauch kritisierte dieses Vorgehen in einem Schreiben an den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Telekom AG, Rene Obermann. Er monierte, dass die Unternehmen und die Stadt Mühldorf von der Telekom nicht beraten oder informiert worden seien. "Dieses Vorgehen kommt einem Schildbürgerstreich gleich, für den betroffene Unternehmen und die Kreisstadt kein Verständnis haben", schrieb Knoblauch.

Bekannt ist das Problem, das sich nicht allein auf die Stadt Mühldorf beschränkt, auch in der Bayerischen Staatskanzlei. Staatsminister Dr. Marcel Huber hat das Bayerische Wirtschaftsministerium gebeten, sich der Sache anzunehmen. Dem Wirtschaftsministerium sicherte die Telekom zu, sich um eine zügige Lösung der Probleme zu bemühen und deren Behebung bis Juli 2011 möglich zu machen. Bedauerlicherweise, so Umweltminister Dr. Marcel Huber, bestehen die Schwierigkeiten nach wie vor, wie die Telekom auf nochmalige Nachfrage hin mitteilte.

Telekom-Pressesprecherin Cordelia Hiller bestätigte auf Anfrage, dass es bei DSL-Anschlüssen aus technischen Gründen einer zusätzlichen Leitung befarf. Dies aber nur dann, wenn der Kunde einen Anlagenanschluss nutzt.

"Hintergrund ist, dass das Massenmarkt-DSL eigentlich nicht für Geschäftskunden ausgerichtet ist. Üblicherweise buchen größere Firmen professionelle Internetzugänge über speziell auf sie zugeschnittene Geschäftskundentarife (zum Beispiel CompanyConnect). Diese Anschlüsse bieten dann bei Bedarf hohe Bandbreiten, feste IP-Adressen und andere zusätzliche Leistungsmerkmale für eine professionelle Nutzung des Internetzugangs. Wenn sich eine Firma dennoch für keinen CompanyConnect entscheiden möchte und lieber das günstigere Massenmarkt-DSL beziehen möchte, erfüllen wir gerne den Wunsch, müssen aber hierfür eigens eine zusätzliche Leitung schalten. Um der Nachfrage nachzukommen, entwickeln wir derzeit unser technisches Portfolio weiter, so dass in Zukunft keine zusätzliche Leitung geschaltet werden muss", erklärte die Telekom-Pressesprecherin.

Die Frage bleibt, warum die Telekom dann diese DSL-Anschlüsse eingerichtet hat, wenn sie über die Probleme informiert war. Bleibt für die Mühldorfer Firmen zu hoffen, dass die Telekom diese technischen Probleme endlich in den Griff bekommt.

sb/Mühldorfer Anzeiger

Rubriklistenbild: © pa

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