Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Mineralwasser aus dem Werk Weiding

Streit ums Tiefenwasser wird schärfer – Jetzt schlägt Pollings Bürgermeister zurück

Die Firma Innfood will im Industriegebiet Weiding eine neue Halle bauen. Die Stadt Mühldorf ist massiv dagegen. Hinter der Ablehnung steht allerdings ein größerer Streitpunkt.
+
Die Firma Innfood will im Industriegebiet Weiding eine neue Halle bauen. Die Stadt Mühldorf ist massiv dagegen. Hinter der Ablehnung steht allerdings ein größerer Streitpunkt.

Von einem „Schnell-schnell-Verfahren“ hat der Mühldorfer Bauausschuss gesprochen und Pollings Bürgermeister im Streit ums Tiefenwasser Intransparenz vorgeworfen. Jetzt schlägt Lorenz Kronberger zurück.

Mühldorf/Polling - Die Gemeinde Polling will im Werk Weiding eine Fläche umwidmen, die bislang als Erweiterung der Kläranlage vorgesehen ist. Dazu braucht sie die Zustimmung der Nachbarn, also auch die der Stadt Mühldorf. Deren Bauausschuss wies das Ansinnen während der letzten Sitzung empört zurück, mehrere Redner nannten die Änderung des Bebauungsplans „Industriegebiet Weiding-Nord“ im sogenannten beschleunigten Verfahren ein „schnell-schnell“ Verfahren, sprachen von Frechheit. Sie kritisierten, dass im Bebauungsplan nicht stünde, was dort gebaut werden sollte und der Bauausschuss nicht zustimmen könne, weil er die Folgen der Bebauungsplanänderung nicht absehen könnte.

Als „parteipolitisch ideologisch querorientiert“ bezeichnete Kronberger jetzt in einem Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen die Vorwürfe von Mühldorfer Stadträten. Anders ist das Verhalten des Bauausschusses aus seiner Sicht nicht erklärbar. „Das ist unter Nachbarn kein Stil.“ Polling sei den normalen Weg gegangen, um an dieser Stelle ein anderes Baurecht zu schaffen, als derzeit gilt. „Wenn die Stadt Mühldorf ein Industriegebiet ausweist, sagt sie auch nicht, was da drauf kommt. Das weiß man nie.“ Dementsprechend könne und müsse die Gemeinde Polling das auch nicht für das Industriegebiet in Weiding tun. „Auf diese Info hat niemand Anspruch.“

Angst vor vielen zusätzlichen Lastwagenfahrten

Auch nicht auf ein sogenanntes qualifiziertes Verfahren zur Bebauungsplanänderung, wie es Mitglieder des Mühldorfer Bauausschusses fordern. Sie verlangen im Rahmen der Bebauungsplanänderung eine Umweltverträglichkeitsprüfung und die Untersuchung, wie sich der Bau der Halle auf die Verkehrsbelastung in Mühldorf auswirkt. Je nach Berechnung sollen künftig zwischen 120 Lastwagen, so die Angaben der Firma Innfood, und 144 Lastwagen, so die Initiative gegen die Nutzung von Tiefenwasser BINT, Mineralwasser aus Weiding abholen.

Trotz der Bedenken aus Mühldorf hält Kronberger das sogenannte Beschleunigte Verfahren für ausreichend. Alles andere, sagt er, wäre überdimensioniert. „Wer meint, dass das nicht rechtens ist, kann ja dagegen klagen“, lautet seine Kampfansage. Es sei Aufgabe der Verwaltung, solche Projekte ordentlich abzuwickeln, um Firmen Entwicklungsmöglichkeiten zu geben.

Landratsamt und Wasserwirtschaftsamt haben keine Bedenken

Das Landratsamt will sich zu seiner Stellungnahme im laufenden Verfahren nicht äußern, diese musste die Behörde bis Ende November abgeben. „Das Verfahren führt die Gemeinde Polling, die in der Regel den Gemeinderat über den Inhalt der Stellungnahmen informiert“, teilte ein Landratsamtsprecher auf Anfrage mit. „Es bleibt der Gemeinde überlassen, ob und in welcher Form sie über die Inhalte der Beteiligung die Öffentlichkeit informiert.“ Laut Kronberger hat die Behörde keine Bedenken gegen die Änderung des Bebauungsplans vorgebracht. Nach seinen Angaben gilt das auch für das Wasserwirtschaftsamt. Beide Behörden haben - genau wie die Nachbarkommunen - ihre Stellungnahme im Verfahren abgeben.

Im Hintergrund schwelt der Streit um die Tiefenwassernutzung

Hinter dem heftigen Streit steht der Wunsch der Firma Innfood, auf dem Gelände „ein Gebäude zur Förderung und Abfüllung“ von Mineralwasser zu bauen. So steht es in einer offiziellen Pressemitteilung des Unternehmens. Die ursprünglich dort vorgesehene Erweiterung der Kläranlage ist nach Angaben von Innfood nicht nötig, weil heute weniger Wasser verbraucht werde als vor Jahren veranschlagt worden sei, und die Kläranlage effektiver arbeite.

Laut Stefan Kost, Geschäftsführer der Innfood, ist aber noch nicht festgelegt, was in der Halle entstehen soll. „Derzeit haben wir dort eine tote Fläche, die wir nicht nutzen können“, erklärte er im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. „Was genau dort hinkommt, kann ich allerdings noch nicht sagen. Das hängt von der weiteren Planung ab.“ Damit bleibt die Innfood bei der Position, die der Mühldorfer Bauausschuss als mangelnde Transparenz gegeißelt hat.

Mehr als 4600 Unterschriften

Der Streit mit der Stadt Mühldorf ist ein weiterer Teil der in der Region geführten Diskussion um die Nutzung von Tiefenwasser zur Mineralwasserabfüllung. Neben einigen Kommunen lehnt diese auch die Initiativgruppe BINT ab, die nach Angaben von Lena Koch, Gemeinderätin in Polling, 4656 Unterschriften gesammelt und als Petition an den Bayerischen Landtag übergeben hat. Im Kern geht es den Gegnern in der Region partei- und gemeindeübergreifend darum, die Nutzung von Tiefenwasser für die Mineralwasserproduktion zu untersagen. Sie fürchten, dass damit die Wasserreserve für künftige Generationen zur kommerziellen Nutzung vergeudet wird.

Vom Widerstand überrascht

Innfood-Geschäftsführer Kost hat mit diesem Widerstand nicht gerechnet. „Wir waren überrascht, welche ungeheure Dynamik das entwickelt hat“, sagte er. Innfood gehe es zusammen mit seinem französischen Partner Roxane darum, Mineralwasser herzustellen und vor allem in der Region zu vermarkten. „98 Prozent des Wassers, das wir fördern, wird abgefüllt und getrunken“, spricht er von einem „nachhaltigen und guten Konzept“. Er sagte zu, dass Innfood nie mehr Wasser fördern werde, als sich regeneriere.

Fünf Brunnen fördern Wasser aus bis zu 160 Metern Tiefe

Fünf Brunnen gibt es auf dem Gelände, die Wasser aus bis zu 160 Meter Tiefe fördern. Die bisher zur Herstellung von Babynahrung genehmigte Menge solle auch künftig nicht überschritten werden, sagte Kost. Trotzdem brauche sein Unternehmen eine neue Genehmigung durch das Landratsamt, da die zulässige Nutzungsdauer einiger Brunnen auslaufe. Auf wie viele Brunnen das zutrifft, konnte Kost nicht sagen.

Verlängerung der Fördererlaubnis steht aus

Den Antrag auf Verlängerung der Fördergenehmigung hat Innfood allerdings noch nicht gestellt, zuletzt aber nach eigenen Angaben ein hydrologisches Gutachten im Landratsamt vorgelegt. Die Behörde muss über die Erlaubnis zur Abfüllung von Mineralwasser und die Verlängerung der Lizenz zur Nutzung der Brunnen entscheiden.

Am Donnerstag, 8. Dezember, berät der Umweltausschuss des Bayerischen Landtags über die Petition der Gegner der Tiefenwassernutzung.

Kommentare