Ein bürokratisches Monster - Streit um Denkmäler

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Auch in Ampfing wehrt sich die Kommune gegen die Ausweisung von Bodendenkmälern.

Mühldorf - Der Streit von Kommunen mit dem Landesamt für Denkmalpflege geht in eine neue Runde.

Mehrere Gemeinden wehren sich gegen die Ausweisung von Bereichen, in denen es angeblich Bodendenkmäler geben soll. Zudem sind Informationsveranstaltungen geplant. Einstimmig hat der Ampfinger Gemeinderat seine Zustimmung zu den ausgewiesenen Gebieten verweigert. Das "Benehmen", wie es im Bürokratendeutsch heißt", wollten die Räte nicht herstellen, mehr als eine Verweigerung der Zurkenntnisnahme ist es ohnehin nicht. Denn das Denkmalamt kann Gebiete ausweisen, ohne sich mit Städten und Kommunen abstimmen zu müssen.

Wozu diese mangelnde Abstimmung führen kann, zeigt Stefan Schalk, Bürgermeister von Mettenheim, am Beispiel des Ortsteils Hart. Fast der gesamte Bereich ist im sogenannten Bayern-Viewer als Bodendenkmal ausgewiesen, weil dort im Dritten Reich Baracken der Rüstungsanlage im Mühldorfer Hart standen. Vom Lager übrig geblieben sind einige Betonfundamente, die in den letzten Jahrzehnten ausgegraben und weggeworfen wurden, wann immer ein neues Haus entstand. "Da ist doch gar nichts mehr", schimpft Schalk, "wo ist denn da das Interesse der Allgemeinheit?" Denn genau von dem spricht das Denkmalamt, wenn es ganze Dörfer oder Landstriche in die Denkmalliste aufnimmt und damit die Entwicklung von Gemeinden, Unternehmen oder die Bautätigkeit von Privatleuten blockiert, wie Schalk glaubt.

Der rechtliche Hintergrund der Maßnahme: Laut Gesetz muss jeder historische Fund gemeldet werden. Das Problem der neuen Liste: In ihr sind Verdachtsgebiete samt Umgriffen benannt. Wenn jemand dort graben möchte, muss er die Arbeiten vorab genehmigen lassen und einen Kontrolleur des Denkmalamts dulden - und bezahlen.

Landrat Georg Huber bringt diese Regelung auf die Palme: "Die Flächenüberwachung kostet einen Haufen Geld. Der Staat verursacht Kosten, die Privatleute tragen müssen." Er spricht von "fehlendem Fingerspitzengefühl" des Denkmalamts gegenüber den Kommunen und "rigorosem Vorgehen".

Das hat auch die Gemeinde Obertaufkirchen erfahren, 15 Ortsteile tauchen in der Denkmalliste auf, Überreste der ehemaligen Anlagen des Konzentrationslagers genauso wie "untertägige mittelalterliche und neuzeitliche" Spuren der Besiedelung entlang des Ornaubachs. 170 Grundstückseigentümer sind betroffen. Bürgermeister Franz Ehgartner klagt massiv über das Vorgehen des Landesamts, das weder über die Eintragungen in der Denkmalliste informiert geschweige denn sichmit der Gemeinde abgestimmt habe. "Was bei uns an Bodendenkmälern vermutet wird, sagt man uns nicht."

Bei allem Ärger über dieses Vorgehen des Denkmalamts ist Mettenheims Bürgermeister Schalk gesprächsbereit und steht einer Lösung nicht ablehnend gegenüber: "Mir kommt es darauf an, dass das Denkmalamt mit uns abstimmt, wo etwas sein könnte." Dann müssten die Areale genau bezeichnet werden, ohne jeweils einen größeren Umgriff in den Plan mit auf- zunehmen. Etwaige Baudenkmäler sollten kartiert und nur in begründeten Fällen erhalten werden.

Landrat Huber sichert dem Bürgermeistern zwar seine Unterstützung zu, sieht aber vor allem die Gemeinden in der Pflicht: "Wichtig ist, dass sich jetzt die Städte und Gemeinden bemerkbar machen." Ampfings Bürgermeister Wimmer, der eine erste Mitteilung über Anlagen der ehemaligen Rüstungsfabrik im Bunkergelände und eine zweite über historische Anlagen aus Römer- und Keltenzeiten erhalten hat, setzt auf die Bürger. "Bei uns sind alle Orte betroffen, jedes Marterl ist erfasst. Ich glaube nicht, dass sich die Leute das gefallen lassen." Wimmer hofft, dass sich Privatleute mit einer Klage gegen die Festlegungen des Denkmalamts gerichtlich zur Wehr setzen.

Die heimischen Politiker stimmen darin überein, dass es sich um ein teures, bürokratisches Monster handelt, das an der Realität der Gemeinden und dem Bedürfnis der Bürger weit vorbeigeht. Landrat Huber sieht es sogar im Gegensatz zum Programm der Entbürokratisierung und Bürgernähe, wie sie die Staatsregierung postuliert.

Ob von übergeordneter poliltischer Seite allerdings Druck auf das Denkmalamt ausgeübt werden wird, ist mehr als fraglich. Der zuständige Wissenschaftsminister Dr. Wolfgang Heubisch, dem das Amt unterstellt ist, spricht von einer Aufgabenteilung und hat bereits schriftlich bekundet, dass das Denkmalamt als Fachbehörde den Auftrag hat, die Denkmalliste zu führen. Im Klartext: Der Minister hat kein Interesse, sich politisch in den Streit einzumischen.

In Ampfing ist eine Informationsveranstaltung durch die Gemeinde am Donnerstag, 7. Januar, 19.30 Uhr im Gasthaus Hinterecker geplant. Ob ein Vertreter des Denkmalamts dabei sein wird, ist laut Bürgermeister Wimmer offen.

In Mettenheim hat das Denkmalamt dagegen zugesagt, einen Vertreter zu einer Versammlung am Dienstag, 26. Januar, 19 Uhr beim Kreuzerwirt, zu entsenden.

Auch nach Obertaufkirchen will das Landesamt einen Vertreter schicken, wenn sich Betroffene dort am 27. Januar, 19 Uhr in der Schulaula zur Informationsveranstaltung treffen. hon

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