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Sexueller Missbrauch

Stieftochter an Po und Brust begrapscht – Warum Mühldorfer (57) nicht ins Gefängnis muss

Vom Stiefvater missbraucht, vertraute sich ein Mädchen ihrer Lehrerin an. Jetzt stand der 57-Jährige in Mühldorf vor Gericht.
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Vom Stiefvater missbraucht, vertraute sich ein Mädchen ihrer Lehrerin an. Jetzt stand der 57-Jährige in Mühldorf vor Gericht.

Zweieinhalb Jahre lang hat ein Mann seine Stieftochter sexuell missbraucht, obwohl sie sich wehrte. Das Amtsgericht Mühldorf verband sein Urteil mit einer deutlichen Warnung an den Angeklagten.

Mühldorf – Zehn Jahre war das Kind alt, als der Missbrauch begann. Jetzt musste sich der 57-Jährige Berufskraftfahrer vor dem Schöffengericht des Mühldorfer Amtsgerichts unter Vorsitz von Florian Greifenstein verantworten.

Mädchen war zehn Jahre alt

Anfang 2018 begannen die Taten, sagte Staatsanwältin Helena Neumeier. Er sei am Wochenende, wenn seine damalige Ehefrau der Arbeit gewesen sei, in das Zimmer des Mädchens gekommen, habe sich zu ihr ins Bett gelegt.

Das Mädchen habe sich gewehrt, der Stiefvater sie an den Handgelenken gepackt. „Gegen den Erwachsenen war sie chancenlos“, sagte die Staatsanwältin. Der strafrechtliche Vorwurf: Sexueller Missbrauch und sexuelle Nötigung.

Tat eingeräumt, aber nichts gesagt

Der Angeklagte ließ von seinem Rechtsbeistand Max Veicht aus Eggenfelden eine Erklärung verlesen, in der er „die Taten einräumte und den seelischen Schaden bedauerte, den er dem Mädchen zugefügt“ habe. Fragen, das wunderte Richter Florian Greifenstein, wollte der Angeklagte trotz des Eingeständnisses nicht beantworten.

Mädchen vertraut sich Lehrerin an

Wie wurde der Missbrauch bekannt? Vor den Sommerferien 2020 war der Druck auf das Mädchen so stark geworden, dass sie sich – auch auf das Zureden einer Freundin – an ihre Beratungslehrerin wandte.

Die informierte die Mutter des Mädchens, die ihren Mann sofort aus der Wohnung warf und anzeigte.

Der 54-jährige Kripo-Beamte, der die Ermittlungen führte, sagte, die Mutter sei von dem Anruf der Schule total überrascht und schockiert gewesen. Die Lehrerin berichtete, dass die Schülerin von „sexuellen Übergriffen“ gesprochen habe, ihr gegenüber aber nicht ins Detail gegangen wäre. „Sie war sehr traurig gewesen, hat aber nicht geweint.“

Am Wochenende, wenn die Mutter nicht da war

Jessica (Name von der Redaktion geändert) gab bei der Polizei zu Protokoll: „War die Mama am Wochenende weg, kam er in mein Zimmer. Er setzte sich zu mir oder legte sich zu mir ins Bett. Er hat mich an der Brust berührt, das dauerte ungefähr fünf Minuten“. Der Kriminalbeamte berichtete, dass es Jessica schwer gefallen sei, diese Aussage zu machen. Sie habe aber keinen Belastungseifer gezeigt oder Details erfunden.

Erschwerend kam für das Gericht der psychische Druck hinzu, den der Mann auf sein Opfer ausübte: „Das sagen wir der Mama aber nicht, sonst muss ich ins Gefängnis“, verlangte er laut Jessicas Aussage bei der Polizei.

Mutter hat nichts bemerkt

Nun wurde eine Videoaufnahme der Vernehmung des Mädchens eingespielt, im Anschluss daran die Mutter des Mädchens als Zeugin gehört. Die 54-jährige sagte: „Ich habe von den Vorfällen nichts mitbekommen.“ Das veränderte Verhalten ihrer Tochter schrieb sie der Pubertät zu. Die Mutter erzählte, dass ihre Tochter mental sehr stark sei, die Übergriffe seien für sie weit weg, sie habe sie wohl verdrängt. „Erst jetzt mit der gerichtlichen Vorladung ist wieder alles hochgekommen.“ Sie bat das Gericht, Jessica ein Verhör zu ersparen.

Unterschiedliche Meinungen zum Strafmaß

Wie hoch die Strafe für den Täter sein sollte, darüber gingen die Meinungen im Gerichtssaal weit auseinander. Staatsanwältin Neumeier hielt die Vielzahl der Fälle und den langen Zeitraum für äußerst bedenklich. Auch die Forderung, der Mutter nichts zu sagen, fiel schwer ins Gewicht. Außerdem sei die jüngere Schwester des Mädchens psychisch beeinträchtigt, sie hatte die Vorfälle teilweise mit ansehen müssen. Neumeier forderte eine Haftstrafe von drei Jahren. „Für eine Bewährung sehe sie keinen Grund.“

Nebenkläger erkennt keine Reue

Nebenkläger Markus Engleder betonte, dass er den Beschuldigten als jähzornig und aggressiv erlebt habe. Einsicht und Reue könne er beim besten Willen bei dem Mann nicht erkennen.

Verteidiger Max Veicht warf der der Staatsanwältin vor, die Vorfälle „zu sehr dramatisiert“ zu haben. Zwar sei das Verhalten seines Mandanten nicht angemessen gewesen, dennoch komme eine Bewährungsstrafe in Frage. Jessica lebe normal, zeige im Alltag keine Belastungen.

Eine Warnung an den Angeklagten

Das Schöffengericht verhängte schließlich eine zweijährige Freiheitsstrafe zur Bewährung. Das Gericht ging von einem minderschweren Fall am aus. Dennoch sollten Dauer und Häufigkeit der Übergriffe nicht außer Acht gelassen und verharmlost werden. Florian Greifenstein zum Schluss: „Das Urteil soll für den Angeklagten eine Warnung sein, sich in Zukunft von solchen Taten fernzuhalten“.

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