"Für einen Kuss gibts zehn Euro extra"

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"Senta Berger mag ich ganz besonders", sagt Komparse Josef Mosner, hier bei einem Dreh mit der bekannten Schauspielerin in München.

Stefanskirchen - Schon öfter schauten ihn fremde Passanten so komisch an, so als ob sie ihn kennen würden. Kein Wunder: Josef Mosner ist seit acht Jahren Komparse beim Film. Die "Rosenheim Cops" mag er besonders!

Bei "Um Himmels willen" spielte er einen der Stadträte im schönen Landshuter Rathaus zusammen mit Fritz Wepper, bei "Sturm der Liebe" war er ein Gast im Hotel, bei "München 7" Polizist und bei "Lenßen & Partner" ein Arzt. "Kurz darauf spielte ich dann eine Leiche", lacht Josef Mosner.

Neben seinem Job bei der Telekom arbeitet der gebürtige Ampfinger, der nun in Stefanskirchen lebt, seit acht Jahren als Kleindarsteller beim Film. "Meist in Geiselgasteig, manchmal muss ich auch zu Außenaufnahmen ins Alpenvorland oder in eine bayerische Stadt."

Zur Filmerei kam Mosner durch einen Bekannten. "Der ist Journalist in München, kennt viele aus der Branche und wusste, dass dringend ein Komparse für den Film ,Bergpfarrer` mit Wolfgang Fiereck gesucht wurde." Mosner biss an und fuhr zum Casting, zufällig mit seinem braven Schäferhund. "Nach langem Warten führte ich Cäsar gerade Gassi, als ich drangekommen wäre, mich vorzustellen." Kurz und gut: Mosner wurde gleich mitsamt seinem Hund engagiert.

"Wir mussten für die erste Rolle viele, viele Male über eine Straße gehen, auf der Fiereck mit seinem Auto angeprescht kam - der Aufwand und die langen Wiederholungen beeindruckten mich. Bis die Szene im Kasten war vergingen Stunden."

Für eine Rolle in Polizeiuniform

Die nächsten Rollen waren ungefährlicher, wenngleich Mosner, der sich mit Joggen fithält, für die "Rosenheim Cops" sogar in eine Polizisten-Uniform schlüpfen und auch mal spurten musste. "Aber die Uniform mag ich eh am liebsten", sagt er. "Ansonsten müssen wir je nach Rolle die passende Kleidung nämlich selbst mitbringen." Und die "Rosenheim Cops" mag er besonders, weil "eine sehr gute Stimmung herrscht beim Dreh, die Kollegen nett sind und die Rollen passen".

Anfangs lief die Filmerei schleppend an, zwischenzeitlich kommt alle paar Tage ein Angebot. "Wenn man mal in den Karteien der Agenturen steht und als zuverlässig, unkompliziert und fotogen gilt, wird man öfter besetzt", weiß Mosner. Allzuoft schlägt er Termine nicht aus, macht sie, auch wenn sie ihm nicht so liegen. "Die Konkurrenz ist groß, man muss am Ball bleiben."

Viele Schauspieler hat er schon kennengelernt. Senta Berger findet er ganz besonders nett, auch Michaela May. "Das sind echte Profis."

Mit Andreas Giebel war er bei "München 7" dabei, als Giebel in Uniform von einer Passantin als echter Polizist angesprochen wurde und der sich wehrte, dass er nur in einem Film mitspiele - "und was spuin Sie dann nachat für a Roll`n?", wollte die Passantin darauf wissen.

Vor einigen Jahren sollte Mosner für eine Serie in einem Bierzelt mal ein hübsches Mädchen küssen, kam der Aufforderung mit Freuden nach - und wunderte sich dann sehr, dass er für diese angenehme Nebentätigkeit auch noch zehn Euro extra zu seinem schmalen Komparsen-Geld bekam. "Das habe ich doch gerne gemacht!"

Zum Glück ist Mosners Freundin nicht eifersüchtig und eher stolz auf seine Filmerei, genauso wie sein erwachsener Sohn Markus.

Obwohl, spektakulär sind seine Rollen eher nicht, und manchmal sei die Dreherei mit ihren "ewigen Wiederholungen ganz schön nervig" - so nervig, dass er auch schon einige Male hinschmeißen wollte. "Aber so nach zwei, drei Wochen packt es mich wieder und wenn dann ein nettes Angebot kommt, fahre ich halt wieder zum Set. Es lässt mich nicht los", lacht der sympatische Mann mit der angenehmen Stimme herzlich, der schon öfter von Mitreisenden in der Bahn, Kollegen oder wildfremden Passanten angesprochen wurde: "Habe ich Sie nicht schon mal im Fernsehen gesehen?"

Mosner ist der Mann am Rande, der mit einer relativ geringen Tages-Pauschale bezahlt wird. Sein Wunsch wäre, mal bei einem Film mit Götz George oder Christine Neubauer dabei zu sein "die bewundere ich sehr!" - und Josef Mosner würde gerne auch größere Rollen spielen. "Eine Hauptrolle, davon träume ich!"

eig/Mühldorfer Anzeiger

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