Mit Spongebob und Patrick auf Diebestour

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Nach dem Einbuch in Neumarkt St. Veit steht fest: Die Kinder-Walkie-Talkies Spongebob (rechts) und Patrick sind für ein Verbrechen völlig ungeeignet. Trotzdem blieb Staatsanwalt Christian Baier hart, als Rechtsanwalt Hanns Barbarino um die Herausgabe der Spielgeräte bat: Es handelt sich schließlich um Tatwerkzeuge.

Mühldorf - Ein Geißfuß, Herrensocken als Handschuhe und das Walkie-Talkie-Set "Spongebob und Patrick" des Sprösslings - und schon ist es fertig, das Einbruch-Set für Dilettanten:

Auf frischer Tat ertappt wurden im Juni 2010 zwei Männer aus dem nördlichen Landkreis, 42 und 38 Jahre alt, die sich bei einem Einbruch in eine Spielhalle in Neumarkt-St. Veit an den Automaten bereichern wollten. Jetzt wurden - nennen wir sie Spongebob und Patrick - vor dem Schöffengericht im Amtsgericht Mühldorf zu Haftstrafen verurteilt: Der 42-jährige Spongebob muss ein Jahr hinter Gitter, sein Komplize, der 38-jährige Patrick, für neun Monate.

Dabei wollte sich Spongebob nur das Geld holen, das ihm seiner Ansicht nach zustand, wie der Angeklagte dem Vorsitzenden Richter Florian Greifenstein versicherte. Denn einige Wochen vor dem versuchten Einbruch hatte der gerade aus der Haft entlassene 42-Jährige sein Glück am Spielautomaten herausgefordert - und gewonnen. 2468 Euro, die aber der Eigentümer selbst nach Aufforderung von Spongebob einige Wochen später ausbezahlen wollte, weil er die Manipulation des Spielgerätes vermutete. Für Spongebob stand am selben Tag fest: Er werde sich das Geld, "das mir zusteht", durch einen Einbruch besorgen. Nach der Einnahme der Droge Speed ("Ich habe zwei Nasen hingelegt") sei die Hemmschwelle weit genug gesunken.

Der Zufall wollte, dass er noch am gleichen Tag vor besagter Spielhalle einen alten Knastbekannten traf, den er nach dem gemeinsamen Genuss eines Joints als Komplizen gewinnen konnte. "Nach diesem fetten Joint fühlte ich mich stock und steif besoffen", erklärte Patrick, der Schmiere stehen sollte und dafür laut Anklageschrift kurzfristig Kinder-Walkie-Talkies besorgte, um seinen Kumpel bei Gefahr zu warnen. Doch das Rauschen nervte Spongebob, deshalb deaktivierte er sein Funkgerät bereits vor dem Einbruch.

Eine Bedienung bemerkte die Täter am 4. Juni gegen 5 Uhr und alarmierte die Polizei, die die beiden Täter festnahm.

Alte Bekannte, wie sich bei der Gerichtsverhandlung zeigte. Denn Spongebob ist bereits 16-mal polizeilich in Erscheinung getreten, hat für Straftaten, von Diebstahl über Körperverletzung, bis Fahren ohne Fahrerlaubnis und Betäubungsmittelhandel bereits 18 Jahre lang im Gefängnis gesessen. Bei 20 ähnlichen Delikten hatte es Patrick bislang auf eine Haftzeit von sechs Jahren gebracht, wie Staatsanwalt Christian Baier bei seinem Plädoyer herausstellte. Eine Bewährungsstrafe sei schon alleine aus diesem Grund ausgeschlossen. Doch sei es bei einem "versuchten Diebstahl in einem besonders schweren Fall" geblieben, weil Spongebob beim Eintreffen der Polizei das Geld noch nicht an sich genommen hatte. Baier, der den Angeklagten ihr Geständnis zugute hielt, sah bei Spongebob ein Jahr und sechs Monate als gerechtes Strafmaß an, bei Patrick ein Jahr und zwei Monate.

Spongebobs Rechtsanwalt Karl-Heinz Merkl sprach von einer "wahrhaft dilettantischen Tatausführung", bei der sich auch Komplize Patrick nicht mit Ruhm bekleckert habe, da er sich am Stadtplatz mit dem Rumhantieren eines Kinder-Walkie-Talkies verdächtig gemacht habe: "Mehr kann man nicht tun, um aufzufallen." Die Tat sei "mindestens bescheuert" gewesen mit der "Chance von 100 Prozent, erwischt zu werden". Zwar habe Spongebob mit der ihm verwehrten Auszahlung des Gewinns ein Motiv gehabt, doch das rechtfertige diesen Fall von Selbstjustiz nicht. Er plädierte auf ein Strafmaß von acht Monaten.

Hanns Barbarino, Rechtsanwalt von Patrick, stellte eine grundsätzliche Überlegung in den Raum. Ist Patrick Mittäter oder Beihelfer? Ein gemeinsamer Tatplan sei nicht erkennbar, außerdem hätte er sich als Wachtposten vor dem Lokal gar nicht einbringen können, da Spongebob sein Walkie-Talkie deaktiviert habe. "Welchen Beitrag hätte er dann überhaupt noch leisten können?", fragte Barbarino, der auch darauf verwies, dass sein Mandant offensichtlich aufgrund seines Haschischkonsums "in der Wahrnehmung eingeschränkt" gewesen sei. Er forderte Freispruch.

Der Vorsitzende Richter Florian Greifenstein sagte bei der Urteilsbegründung: "Die beiden haben gedacht, es relativ gut gemacht zu haben." Doch sei Dilettantismus nicht strafmildernd. Bei Patrick sah er durchaus die Mittäterschaft, weil er sich auch aktiv bei der Beschaffung der Socken-Handschuhe und Walkie-Talkies eingebracht habe. Die "fast unzähligen Vorstrafen" gingen zu Lasten der beiden Angeklagten, so Greifenstein, der die beiden schließlich auch als Bewährungsversager bezeichnete.

je/Mühldorfer Anzeiger

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