Sorge: Ausbau bringt Lärm und Erschütterung

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Gemütlich zuckelt ein Zug am Burgfried entlang. Dort, und in Straßen, die noch wesentlich dichter am Bahngleis liegen, fürchten Anwohner Lärm und stärkere Erschütterungen nach dem Ausbau der Strecke.

Mühldorf - Kontrovers diskutierten die besorgten Anwohner bei einer Informationsveranstaltung über den zweigleisigen Bahnausbau Richtung Tüßling. Was die Bürger befürchten:

Der Befürchtung, dass sich die Lebensqualität nach dem Ausbau verschlechtert, stellten die Bahnvertreter eine klare Aussage entgegen: „Wir haben trotz des zweiten Gleises und der Erhöhung der Verkehrsmenge keine Verschlechterung, sondern eine Verbesserung“, sagte Lärmgutachter Ulrich Möhler. Dank Lärmschutzwänden, die auf der Nordseite 3,50 Meter und auf der Südseite drei Meter hoch sein werden, sinke die Lärmbelastung um drei bis acht Dezibel gegenüber dem heutigen Stand. Da trotzdem nicht überall die maximal zulässige Lärmbelastung garantiert werden könne, sollen in den betroffenen Bereichen Lärmschutzfenster eingebaut und andere Maßnahmen getroffen werden. Gutachter Möhler sprach von einer „ausgewogenen Schallschutzlösung“.

Was passiert auf meinem Grundstück? Anwohner im Gespräch mit Bahnvertreter Dennis Kollai. An den Wänden im Hintergrund hingen detaillierte Pläne, auf denen Anwohner den genauen Verlauf der Strecke mit den geplanten Schutzmaßnahmen erkennen konnten.

Auch stärkere Erschütterungen will die Bahn vermeiden. In einigen Häusern seien Messungen vorgenommen worden, sofern die Zahlen über die derzeit anerkannten Werte hinaus gingen und mit einer Verschlechterung durch die Erhöhung des Verkehrs gerechnet werden müsse, würden die Gleise durch eine sogenannte "Schwellenbesohlung" gedämpft.

Viele Zuhörer wiesen auf die bereits bestehende Belastungen durch die Bahn aus. Anwohner des Burgfrieds sprachen von starken Erschütterungen, die bereits jetzt durch die Züge verursacht würden, ein Mann sprach von Rissen in seinem Haus am Burgfried. Deutliche Kritik gab es an der nur drei Meter hohen Lärmschutzwand auf der Südseite des Bahndamms. Gutachter Möhler begründete die Höhe damit, dass südlich der Bahn vor allem Mischgebiete lägen, in denen mehr Lärm zulässig sei als in den nördlichen Gebieten. Ein Argument, das viele nicht nachvollziehen konnten: "Wir sind doch keine Menschen zweiter Klasse, nur weil wir in einem Mischgebiet wohnen", sagte eine Frau.

Befürchtungen, Züge könnten künftig schneller fahren als die im Planfeststellungsverfahren festgeschriebenen 160 Stundenkilometer, wies Bauherrenvertreter Jens Friemel von der Südostbayernbahn (SOB) zurück. Die Strecke sei maximal für diese Geschwindigkeit ausgelegt. "Bei Güterzügen wird es wohl keine Anhebung der Geschwindigkeit gegenüber heute geben.

Auf einige Anwohner kommen hohe Belastungen durch die Baustellen und durch Zufahrten zu. Baufahrzeuge nutzen künftig Gärten und Privatwege, um den Bahndamm zu erreichen. Die Verhandlungen mit den Grundeigentümer über die Überlassung und den Verkauf von Grund haben noch nicht begonnen. Die Bahnvertreter forderten Grundstücksbesitzer auf, sich direkt an die zuständigen Bahnvertreter zu wenden. Einige Betroffene taten dies im unmittelbaren Anschluss an die Veranstaltung. Im Foyer diskutierten sie lange über die erforderlichen Maßnahmen, über Einschränkungen und Befürchtungen.

hon/Mühldorfer Anzeiger

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