"Beleidigt zu sein ist eine Schande!"

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Mühldorf - Wie christliche Tugenden und Führungspositionen vereinbar sind, erklärte Fürst zu Löwenstein am Sonntag eindrucksvoll auf dem Neujahrsempfang von IVM und IGW.

"Über Tugenden wirt heutzutage viel zu wenig gesprochen. Das liegt daran, dass wir Tugenden mit Werten verwechseln. Aber Werte sind viel zu subjektiv." Mit dieser Erkenntnis stimmte Durchlaucht Alois Konstantin Fürst zu Löwenstein in seine Rede zum Neujahrsempfang vom Industrie- und Wirtschaftsverbund Mühldorf und Industriegemeinschaft Waldkraiburg und Aschauein. Im Mühldorfer Stadtsaal war alles vorhanden, was Mühldorf und Waldkraiburg an Wirtschaftsvertretern und Kommunal-, Landes- und Bundespolitik zu bieten haben: Umweltminister Dr. Marcel Huber, Bundestagsabgeordneter Stephan Mayer, Mühldorfs Landrat Georg Huber, Mühldorfs Bürgermeister Günther Knoblauch, der Waldkraiburger Bürgermeister Siegfried Klika; um nur einige zu nennen. Mit großem Interesse verfolgten sie alle die Ausführungen des 70-Jährigen Fürst zu Löwenstein - seines Zeichens Adliger, Jurist und Manager und außerdem unter anderem wichtiger Vertreter des Bundes Katholischer Unternehmer.

Der Neujahrsempfang von IVM und IGW

"Warum nicht über Werte diskutieren? Ich sage es Ihnen: In Florenz gab es seinerzeit den anerkannten Beruf des Taschendiebes. Er hatte die hoch ehrenvolle Aufgabe, Fremden den Inhalt ihrer Taschen zu klauen, damit die Stadt herausfand, was dieser in Florenz wolle. Ein deutliches Beispiel, dass ein "Wert" sehr subjektiv empfunden werden kann," so Fürst zu Löwenstein. "Deshalb rede ich lieber über christliche Tugenden, denn an die kann man sich halten: Klugheit, Hoffnung, Liebe und Tapferkeit. Wer die beachtet, wird feststellen, dass er plötzlich viel ruhiger lebt," erklärte der Vater vierer Kinder und achtfacher Großvater. Aber vor allem für Führungskräfte wirke das Ausleben von Tugenden geradezu geschäftsfördernd. Warum viele Unternehmen Schwierigkeiten hätten? "Weil die Chefs sich falsch verhalten."

"Die Klugheit ist in vielen Bereichen leider weit entschwunden," so Fürst zu Löwenstein. Aber was ist Klugheit? "Klugheit ist, wenn man Kollegialität ernst nimmt, wenn man bereit ist, Kompromisse zu finden, wenn man Mobbing strikt bekämpft und wenn man junge Mütter einstellt - denn die sind die idealen Chaosmanager!"

Was ist mit dem Punkt "Tapferkeit"? "Tapferkeit heißt nicht, dass man geschwungenem Schwert auf den Konkurrenten zustürmt und ihn fertig machen will," so der 70-Jährige. "Tapferkeit heißt, dass man nicht alles hinnimmt, was von oben kommt. Und Tapferkeit heißt auch, dass man als Führungskraft andere quer denken lässt."

Was eine Führungskraft noch können muss: Sie muss Hoffnung spenden können - soll heißen, ihre Mitarbeiter motivieren. "Das gelinge dem am besten, der als gutes Vorbild voran geht." Und ganz wichtig sei ein Punkt: "Beleidigt zu sein ist eine Schande!" Denn man man nicht beleidigt sein könne, dann könne einen auch nichts mehr beleidigen, führte Fürst zu Löwenstein aus. "Wenn Sie nur das heute mit nach Hause nehmen - sie werden sehen, wie leicht Ihr leben wird," versprach er.

Liebe. Eine wichtige Tugend. "Als Führungskraft hat man Verantwortung für viele andere Menschen. Da ist es doch besser, wenn man die Menschen liebt, als sie zu hassen," erläuterte der Jurist und Manager. Aber eine bedeutende Erkenntnis solle auch sein: Der Charakter ist wichtiger als die Noten. "Wenn ich einen Verbrecher einstelle, darf ich mich nicht wundern, wenn er einer ist."

Alles in allem hat Landrat Georg Huber die Rede zu Löwensteins passend mit dem Satz kommentiert: "Bei allem, was wir erreichen wollen: Der Ansprechpartner ist doch immer der Mensch." Und so wünschte die Mühldorfer-Waldkraiburger Wirtschaft sich selbst und allen anderen vor allem eins: ein menschliches und deshalb erfolgreiches Jahr 2012.

ds

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