Die sicherste Baustelle der Stadt

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Gefängnis derzeit ohne Gitter: Bis Ende November soll die Baumaßnahme abgeschlossen sein. Details dürfen die Pressebilder nicht zeigen - aus Sicherheitsgründen. Fotos 

Mühldorf - Der Zellentrakt der Justizvollzugsanstalt Mühldorf (JVA) wird für 740.000 Euro saniert. Rund 70 Häftlinge mussten deshalb nach Landshut umziehen.

"Gefühlt ein bisschen kleiner", sagt JVA-Leiter Jürgen Luginger. Die Hafträume bekommen abgetrennte Toiletten.

Es dröhnt und staubt in den Zellen, nur die schweren Stahltüren und die Gitter an den Fenstern erinnern im Moment daran, dass es sich hier um die sicherste Baustelle der Stadt handelt. Denn obwohl ein Großteil der Gefangenen in die JVA Landshut verlegt wurde, sperrt Leiter Jürgen Luginger die zentralen Zugangstüren wie gewohnt ab: "Wir beschäftigen auch mehrere Häftlinge auf der Baustelle, also geht in Sachen Sicherheit alles seinen geregelten Gang."

Die Baumaßnahme hinter den hohen Mauern ist ein gutes Beispiel dafür, was im Strafvollzug möglich ist. Die neuen Fenster kommen aus der Schreinerei der JVA Straubing, die neuen Gitter aus der Schlosserei der JVA Landshut. Von Häftlingen für Häftlinge heißt das Motto. "Das spart zum einen Kosten und zum anderen Zeit."

Was die Kosten betrifft, ist der Aufwand für die Regierung von Oberbayern dennoch enorm: 740.000 Euro verschlingt die Baumaßnahme, die laut Luginger mehr als überfällig ist. "Der Zellentrakt JVA Mühldorf wurde 1965 gebaut. Seitdem haben wir nur punktuell nachgebessert, was Ausstattung und Sicherheit betrifft."

So werden die alten Eisengitter nun durch Streben aus einem speziellen Stahl ersetzt. "Damit gehören Ausbruchsversuche mit Säge, Feile oder Bohrer endgültig der Vergangenheit an", erklärt Luginger. "Da macht man sich nur die Werkzeuge kaputt."

Dazu werden die acht Quadratmeter kleinen Zellen heller und freundlicher, aber auch ein Stückchen kleiner. Denn nach einer Gesetzesänderung haben die Häftlinge Anspruch auf mehr Intimsphäre. Waren die Kloschüsseln bisher im Haftraum montiert, wird nun eine separate Toilette eingebaut.

Dazu gibt es neue Böden, neue Versorgungsleitungen und neue Möbel. Einsparungen für die Zukunft erhofft sich Luginger bei den Energiekosten: "Außen bringen wir eine zusätzliche Dämmschicht an."

Bis Ende November sollen die 20 Einzel- und acht Gemeinschaftsräume, in denen bis zu sechs Personen untergebracht sind, fertiggestellt sein. Dann kehren die rund 70 Häftlinge wieder aus Landshut nach Mühldorf zurück - in neue Räume, hinter neue Gitter.

ha/Mühldorfer Anzeiger

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