Selbsthilfe für missbrauchte Frauen

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In der gemütlichen Atmosphäre ihres Büros am Waldkraiburger Stadtplatz können Opfer von häuslicher Gewalt mit Monika Binder von "Frauen helfen Frauen" über ihre Erlebnisse sprechen.

Mühldorf - Der Verein Frauen helfen Frauen arbeitet seit Oktober mit einer neuen Sozialpädagogin. Sie steht Opfern von körperlicher, seelischer oder sexueller Gewalt bei.

Monika Binder steht Frauen und Mädchen aus dem gesamten Landkreis Mühldorf zur Seite, die Opfer körperlicher, seelischer oder sexueller Gewalt wurden.

Obwohl Monika Binder erst seit wenigen Wochen an ihrer neuen Arbeitsstelle bei Frauen helfen Frauen tätig ist, hat die Sozialpädagogin schon viele Ideen zur Gestaltung des Beratungs- und Präventionsangebotes im Landkreis. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, Mädchen und Frauen, die Gewalt erlebt haben oder sich von einem Mann trennen möchten, zu beraten.

Zusätzlich plant die 39-jährige Mühldorferin Präventionsseminare, bei denen bereits Grundschüler auf kindgerechte Art und Weise für Gewalt in der Familie sensibilisiert werden sollen. Auch runde Tische mit Vertretern anderer Organisationen und Behörden zur Abstimmung der Hilfsmaßnahmen hält Binder für denkbar.

Dazu knüpft sie derzeit Kontakte zu wichtigen Anlaufstellen, wie dem Sozialpsychiatrischen Dienst, dem Jugendamt oder der Polizei, die sich ebenfalls mit häuslicher Gewalt auseinandersetzen.

Bei ihrer neuen Aufgabe komme Monika Binder ihre Erfahrung als Jugendsozialarbeiterin in der Mühldorfer Hauptschule zugute. Bis zum vergangenen Schuljahr war sie dort für die Beratung von Schülern und Eltern zuständig und kennt bereits viele Behörden im Landkreis.

Frauen, die sich bei der Sozialpädagogin Beistand holen können so gegebenenfalls auch an andere Stellen weitervermittelt werden - wenn es beispielsweise darum geht, eine Wohnung zu organisieren oder Anzeige zu erstatten.

Das passiert aber nur auf ausdrücklichen Wunsch der Betroffenen. Bei der Beratung durch den Verein behält die Frau die Kontrolle über alle Vorgänge und entscheidet selbst, welche Schritte sie gehen möchte. "Hilfe kann man niemandem aufzwingen. Wir können aber versuchen, in Gesprächen das eigene Potential der Frauen zu wecken und sie so zu unterstützen", erklärt Binder.

Opfern von Gewalt fehlt anfangs häufig der Mut, zu einem persönlichen Gespräch im Waldkraiburger Büro von Frauen helfen Frauen zu erscheinen. Laut Binder schämen sich viele für die Dinge, die ihnen angetan wurden, oder hegen Schuldgefühle.

Deshalb bietet der Verein an, sich telefonisch helfen zu lassen. Außerdem steht im Internet ein Formular zur Verfügung, das zu einer ersten Kontaktaufnahme mit der Sozialpädagogin genutzt werden kann. Auch eine anonyme Beratung ist möglich.

Bisher ist die alleinerziehende Mutter eines Sohnes begeistert von ihrer neuen Tätigkeit. Im Gegensatz zum breiten Einsatzgebiet als Jugendsozialarbeiterin, kann Monika Binder bei Frauen helfen Frauen "die ganze Energie auf eine Thematik bündeln." Die ersten Beratungsgespräche hat sie bereits erfolgreich hinter sich gebracht. Für die Zukunft hofft sie, dass viele Frauen aus dem ganzen Landkreis, denen Gewalt angetan wurde, den Weg in ihr Beratungszimmer in Waldkraiburg finden. Deshalb verteilt sie gerade Informationsbroschüren in Frauenarztpraxen oder etwa im Rathaus - überall wo Frauen sind.

bea/Mühldorfer Anzeiger

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