Seehofer: Vor allem Bayern

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Kämpferisch zeigte sich Seehofer bei seiner Rede in Mühldorf.

Mühldorf - Ministerpräsidend Horst Seehofer will vor allem bayerische Interessen in der Bundespolitik zu vertreten. Diese Aufgabe stellte er in den Mittelpunkt seiner Rede in Mühldorf.

Einen Tag nach dem Ende des Volksfests füllte die CSU das Weißbierzelt erneut. Als Seehofer am Dienstagabend kurz nach 19 Uhr vorfährt, läuft das volle Programm einer ordnungsgemäßen Begrüßung des bayerischen Ministerpräsidenten ab: Böllerschützen und Feuerwehrspalier, JU'ler in blauen "Stepan-Mayer-Team"-T- Shirts, die CSU-Prominenz vom Kreisvorsitzenden bis zum Landrat, rhythmisches Klatschen als es zum bayerischen Defiliermarsch im Bierzelt einzieht.

Fotostrecke: Seehofer in Mühldorf

Horst Seehofer im Unertl-Zelt

Und Horst Seehofer, 60, und seit knapp elf Monaten Ministerpräsident, weiß, was er seinen Zuhörern schuldig ist. Er lobt das Unertl-Weißbier als bestes Europas, freut sich auf sprudelnde Steuereinnahmen, wo doch das Mühldorfer Volksfest so gut besucht gewesen sei wie nie und erhebt das Bierzelt gleich nach den Kirchen zum Ort bayerischer Hochkultur. Dieser Dimension angepasst beginnt der politische Teil seiner Rede mit einem Schuldbekenntnis: Die CSU habe den Eindruck vermittelt, als schwebe sie über den Dingen, dafür habe sie die Quittung bekommen. "Da kann man nicht sagen weiter so", bringt er das Schuldbekenntnis zu Ende und gelobt Umkehr: "Die Veränderung des Politikstils war wichtig. Wir wollen Dienstleister für die Menschen sein."

Das bedeutet für Seehofer nach der anstehenden Bundestagswahl vor allem eins: Die Anliegen des Freistaats in Berlin vertreten - und zwar mit Nachdruck. "Es geht in erster Linie darum, bayerische Interessen durchzusetzen."

Seehofer zeigte Qualitäten, die man in der CSU „bierzelt-tauglich“ nennt.

Zum Schwur will er es kommen lassen, wenn es ums Thema Landwirtschaft geht. "Ich werde einen Koalitionsvertrag nach der Wahl nur unterschreiben, wenn die Belange bayerischer Bauern berücksichtigt werden", sagt er. Dazu gehört auch die finanzielle Unterstützung: "Unsere Bauern erhalten keine Subventionen, sondern einen Ausgleich für das, was sie für unser Land und unsere Landschaft tun." Seehofers Ton gegenüber dem politischen Gegner ist gemäßigt, er erwähnt die SPD oder deren Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier gar nicht oder nur am Rande und gibt ein klares Bekenntnis zu Angela Merkel ab, in dem manche ironische Distanz gehört haben mögen: "Sie ist die beste Kanzlerin, die Deutschland je hatte."

Emotional wird der "Herz-Jesu-Sozialist" und "letzte Blümianer" - diese Titel verpasst sich Seehofer als Zitate ironisch selbst -, richtig emotional wird Seehofer vor allem beim Thema Wirtschaftsethik. Er stellt den "Spekulationskapitalismus" auf eine Stufe mit dem Sozialismus, er geißelt die "überzogene kapitalistische Ausrichtung und wettert gegen Bonuszahlungen an Mitarbeiter von Banken, die Staatshilfe kassiert haben. "Man kann das Wirtschaften nicht von Ethik und Werten lösen." Dem stellt er verantwortetes Wirtschaften gegenüber wie es Mittelstand und Handwerk leisteten. Der Ministerpräsident verspricht Steuerentlastungen, fordert härte Strafen vor allem für Sexualstraftäter, kündigt Betreuungsgeld für Mütter, die zu Hause bleiben, und Betreuungsangebote für Familien an, deren Mütter arbeiten, will eine höhere Akzeptanz der Hauptschule und mehr Entscheidungskompetenz für Bayern gegenüber Berlin und Brüssel. Nur das Thema Außenpolitik klammert Seehofer komplett aus, auch Afghanistan kommt nicht vor. Die Zuhörer sind begeistert. Stehend applaudieren sie ihrem Ministerpräsidenten, bis Kreisvorsitzender Dr. Marcel Huber den Applaus abbricht. Bayern- und Deutschlandlied, Eintrag ins Goldene Buch des Landkreises, Händeschütteln, ein Foto mit den Trachtlern vor dem Zelt, dann, kurz vor 22 Uhr, verschwindet Seehofer in die Nacht. Er lässt, so ein Besucher, den Eindruck großen Tatendrangs zurück. Oder, wie Seehofer es sagte: "Ins Gelingen verliebt zu sein ist die wichtigste Aufgabe der Politik."

hon/Mühldorfer Anzeiger 

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