Neues Leben für die Dorfmitte

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Aus seinem Dornröschenschlaf ist die alte Schlossschänke erwacht, jetzt prägt das neue Bürgerhaus die Ortsmitte.

Schwindegg - Für Bürgermeister Dürner war es ein Traum, der nun endlich Wirklichkeit geworden ist: Die Sanierung der Schlossschänke ist abgeschlossen, das Bürgerhaus somit eröffnet.

Nicht immer die richtigen Töne traf Bürgermeister Dr. Karl Dürner auf seiner Trompete. Doch mit seiner Idee nach einem Bürgerhaus traf er genau ins Schwarze. Eins wurde an diesem Abend schnell deutlich: Für Karl Dürner war die Sanierung der Schlossschänke aus dem Jahr 1604 eine Herzensangelegenheit - von nichts und niemandem ließ er sich davon abbringen. Das Lied "Amazing Grace" stand für die Symbolik seines Anliegens.

In der Gemeinde war das leer stehende Gebäude längst ein Schandfleck, ein Abriss kam aus denkmalschutzrechtlichen Gründen nicht infrage. "Es war dem Verfall preisgegeben. Für meine Idee, daraus ein Bürgerhaus zu machen, bin ich allerdings belächelt worden", erinnert sich Dürner. Er setzte sich ein für eine umfangreiche Sanierung, die für ihn eine der größten Herausforderung in seiner Amtszeit ist. Der Lohn dafür: "Ein Schmuckstück in der Dorfmitte, das Leben zurückbringt."

Nicht alles war bei den Sanierungsarbeiten zu rekontruieren, bewusst funktional und modern sind die Räume gestaltet. Dennoch ist "der Atem der Geschichte" zu spüren.

In Scharen strömten die Menschen in das neu eröffnete Bürgerhaus, um sich einen Eindruck von den aufwendigen Sanierungsarbeiten zu machen.

Vier Jahre dauerte es vom Beginn der Sanierungsarbeiten bis zur Eröffnung. "Es war eine Zeit der Anspannung und Hochspannung", sagte Karl Dürner bei der Eröffnung. Die Bedenken, Diskussionen und Probleme sind vom Tisch, ein Thema bleibt jedoch bestehen: "Der Unterhalt und die Nutzung des Gebäudes werden künftig Kosten verursachen", diesen Punkt wollte er trotz der Freude nicht ausblenden.

Eng miteingebunden in die Sanierung war das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege. Dr. Michael Schmidt, der das Gebäude bei der Eröffnung zum ersten Mal im sanierten Zustand sah, war deutlich angetan von der Leistung. Bei dem Gebäude sei es "5 vor 12" gewesen, jetzt habe es zu einer Symbiose zwischen alt und neu gefunden. "Am Anfang war es eine Vision, jetzt ist sie Realität", sagte er und sprach zugleich von einem Erfolg für die Denkmalpflege. Im Landkreis seien sechs Prozent der Denkmäler gefährdet, mit dem Bürgerhaus widersetze sich die Gemeinde diesem Trend.

Von einem "Glücksfall, dass Karl Dürner am Werk war", sprach der bayerische Umweltminister Dr. Marcel Huber. Dieser sei nämlich für seine Beharrlichkeit bekannt. Der Verlust der Schlossschänke wäre einem Verlust eines sozialen und kulturellen Mittelpunkts im Ort gleichgekommen. Er thematisierte die Tradition der Wirtshäuser in der bayerischen Geschichte. "Es wäre traurig gewesen, wenn diese jäh geendet hätte", sagte Huber.

Jedes Gasthaus hat seinen Stellenwert in der Gemeinde - ähnlich wie die Kirche. Es ist ein Ort der Begegnung, wie Landrat Georg Huber sagte. Ein Ort zum Feiern und Diskutieren, für Kultur und Bildung. "Was wäre das Dorf ohne zentrales Gebäude", stellte er in den Raum. Mit dem Schloss an seiner Seite präge das Bürgerhaus das Ortsbild. Sein Wunsch für die Zukunft: "Das Gebäude soll sich mit Leben füllen."

Für Architekt Udo Rieger ist nach der langen Sanierungsphase "der Kampf vorbei". Er sprach von dem erbärmlichen Zustand, in dem sich das Haus befand, von den umfganreichen Voruntersuchungen und den Instandsetzungsmaßnahmen. 2,5 Millionen Euro hat die Sanierung gekostet, dazu gab es Zuschüsse in Höhe von 1,7 Millionen Euro. Noch nicht abgeschlossen sind die Außenanlagen. Die Pläne sind zwar fertig, doch die Gelder stehen derzeit nicht zur Verfügung.

Pfarrer Jozo Karlic segnete zum Abschluss das sanierte Bürgerhaus, bevor sich die Gäste auf einen Rundweg durch das Gebäude machten.

Die Räume standen am Samstag allen Interessierten offen. In Scharen strömten sie in das Gebäude und verschafften sich einen ersten Eindruck. Es gab die erste Theateraufführung zu sehen, der Bürgermeister selbst führte die Besucher durch das Gebäude und es gab eine Ausstellung zur Geschichte der Gastwirtschaft und über die Sanierungsarbeiten zu sehen.

hi/Mühldorfer Anzeiger

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