Mit der Zündapp bis nach Asien

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Schwindegg: Er ist wieder unterwegs, der "Zündapp-Bert". Diesmal soll's mit sechs PS und einem Kumpel nach Asien gehen. 6000 Kilometer und 16 Länder haben die beiden vor sich...

Der „Zündapp-Bert“ ist wieder unterwegs: Am 19. Juni brach David Schubert aus Schwindegg mit seinem Spezl Wolfgang Aidn aus Starnberg auf zu einer neuen Tour mit ihren sechs PS-starken Oldtimer-Zündapps. Diesmal geht es bis nach Asien, knapp 6000 Kilometer und 16 Länder liegen insgesamt vor den beiden Motorradfahrern.

Mit der Zündapp bis nach Asien

„Letztes Jahr bis nach Afrika, in diesem Jahr bis nach Asien“, David Schubert spricht von seiner nächsten Reise, als wäre sie ein Klacks. Dabei liegen knapp 6000 Kilometer vor dem Schwindegger, der sich ab Mitte Juni zusammen mit dem Starnberger Wolfgang Aidn wieder auf große Fahrt begibt. Zumal man dabei bedenken muss, dass die beiden Biker etwas unorthodox reisen. Mit einer Zündapp begeben sie sich in Richtung Asien, die Türkei als östlichster Punkt ist das Reiseziel mit ihren 50-Kubikmeter-Zündapps, die jeweils nur über sechs PS verfügen.

Ein riskantes Unterfangen? Der Zündapp-Bert, wie David Schubert in Insider-Kreisen mittlerweile genannt wird, kann darüber nur schmunzeln. „Im vergangenen Jahr ging es bis in die Sahara, knapp 10 000 Kilometer haben wir auf den Tacho unserer Zündapps draufgefahren. Und wir sind ohne größere Probleme durchgekommen.“ Heuer haben die Oldtimer-Zweiräder nur knapp die Hälfte zu absolvieren.

Schuberts Zündapp KS 50 Watercooled Typ 517, Baujahr 1973, ist dabei noch das Nesthäkchen. Aidns luftgekühlte KS 50 Sport ist drei Jahre älter. Aber deswegen nicht weniger verlässlich, wie sich 2013 bei der Tour nach Afrika gezeigt hat.

„Mit Zündapp durch die Welt, spart Ärger, Zeit und Geld“, proklamiert der Zündapp-Bert nicht erst seit den guten Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr. Stolz zeigt der Schwindegger auf einen Aufkleber am Tank: „Isle of Man“ – auch am legendären Motorradrennen auf der Insel in der irischen See, der Tourist Trophy, hat er mit seiner Zündapp schon teilgenommen. Freilich, Geschwindigkeitsrekorde hat er auf der Insel mit maximalen 85 Sachen nicht aufgestellt. Doch darauf legt der 32-Jährige mit dem auffälligen Backenbart ohnehin keinen allzu großen Wert.

200 bis 300 Kilometer am Tag

Für die Tour in Richtung Osten wollen sich die beiden Zündapp-Fahrer vier Wochen Zeit nehmen. „200 bis 300 Kilometer pro Tag ist unser Ziel.“ Bleibt also genug Zeit für Kultur: „Die hatten wir uns auf unserem Trip nach Afrika auch vorgenommen. Aber wir sind so krasse Fahrer, dass wir wahrscheinlich auch diesmal wieder keine Zeit haben werden.“ Oder zur Entspannung mal ein Tag am Meer: „Das ist mir zu fad“, winkt David Schubert ab. Frühmorgens ein Kaffee, es folgt die Tourenbesprechung und schon sitzen die leidenschaftlichen Zündapp-Ritter wieder auf ihren „Böcken“ und brettern über die Landstraßen.

Immerhin 16 Länder sind es diesmal, die sich die beiden Biker vorgenommen haben. Nach dem Start in Schwindegg geht es über die Alpen in Richtung Venedig und Triest. Nachdem Schubert und Aidn Slowenien hinter sich gelassen haben, geht es die kroatische Küste entlang. Diese erste Etappe liegt hinter den beiden, am Samstag, 21. Juni, sind sie in Slowenien angekommen. 

Die ersten drei Tage machten sie die abenteuerlichsten Pässe in den Alpen unsicher, vor allem im Moped-El-Dorado, den Dolomiten. Über das Timmelsjoch, wo auf 2500 Metern immer noch reichlich Schnee lag, Passo Tre Croci, Jaufen-Pass und Grödner Joch ging es nach Slowenien. Auf ihrer Tour haben die beiden auch einen Pass befahren, der eigentlich schon seit 20 Jahren für den Verkehr gesperrt ist: Forcella Larvadet (Straße mit dem Riesenstein auf der Straße). „Mega-Kurven und der absolute Geheimtipp für Biker“, schwärmt der Zündapp-Bert von der Straße. Das Wetter ist bislang gut, die Mopeds laufen pannenfrei und die Lederhose sitzt bequem. Da mindert selbst der erste Sonnenbrand im Gesicht durch die Bergsonne nicht die gute Laune der Moped-Fahrer.

Weiter geht es jetzt in Richtung Albanien und sie passieren Bosnien-Herzegowina und Montenegro. Auf dem Weg in Richtung Türkei durchfahren sie Mazedonien, kurven anschließend durch Griechenland. Am Schwarzen Meer angekommen ist der Höhepunkt die Überquerung der Bospurus-Brücke nach Istanbul, „damit hätten wir dann unser Ziel, Asien, erreicht. Wenn wir noch Zeit übrig haben fahren wir danach ein bisserl in der Türkei spazieren“, überlegt Schubert. Ansonsten geht es über Bulgarien und Rumänien („Dort erwarte ich geile Pässe!“), Serbien, Ungarn, Tschechien und Österreich zurück in die Heimat.

16 Länder ohne Navi

Ein Navigationsgerät ist bei den beiden motorisierten Globetrotter verpönt. 20 gewöhnliche Landkarten haben die beiden Moped-Fahrer dabei, um sich im Ausland zurechtzufinden. Schubert hat außerdem noch 60 Kilogramm Gepäck geladen, inklusive Topfset und Gaskocher und ein knapp 30 Kilogramm schweres Notfallset, sprich Ersatzteile und Werkzeug. Dass der gelernte Automechaniker davon viel Gebrauch machen wird, bezweifelt er. „Schon auf der Fahrt nach Marokko gab es kaum Probleme. Einen Platten, ausgebrannte Glühbirnen – das war‘s dann auch schon.“

Bei den Klamotten halten sich die beiden Abenteurer zurück. Mit Krachlederner, Haferlschuhen („Allerdings nicht die Trachtlerschuhe, sondern die mit Gummisohle!“) und Wollsocken machte der Zündapp-Bert die beste Erfahrung. Beim eingefleischten Fan der Band „D‘Gsindl“, deren Logo Schuberts linke Wade ziert, darf natürlich das Fan-Shirt nicht fehlen. „Unterwäsche und Socken zum Wechseln haben wir natürlich dabei“, grinst der Schwindegger. Aber was heißt wechseln: In Afrika waren die gebrauchten Socken beim 2013er- Trip sogar willkommenes Tauschmittel. „Für vier paar getragene Socken und einmal Rei in der Tube bekamen wir einen Teppich“, erzählt Schubert. Was zu guter Letzt nicht fehlen darf: der Strohhut, der schon alle südeuropäischen Grenzschilder passiert hat. Jetzt soll er im Osten Europas das Haupt von David Schubert vor zu viel Sonne oder Regen schützen. Und im nächsten Jahr soll er dem Nordwind trotzen. "Dann geht es zum Nordkap“, verrät Schubert die nächsten Pläne. Dann werden die Zündapp-Fanatiker wieder als Trio über die Landstaßen kurven. Der dritte Mann im Bunde, Markus Mohr aus Emmering, war schon 2013 mit seinem 75er-Modell am Start, muss aber heuer studienbedingt aussetzen. Und wenn das Nordkap hinter ihnen liegt? „Dann haben wir zumindest in Europa alles gesehen“, sagt Schubert und beginnt zu grübeln. Wie wäre es denn mit Indien? Oder sogar China? Der herrlich verrückte Zündapp-Bert zuckt wieder lässig mit den Schultern, als wäre selbst eine halbe Weltumrundung ein Klacks: „Warum denn nicht?“

Josef Enzinger/Mühldorfer Anzeiger

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