Landratskandidat Peter Huber (UWG)

Huber: "Brauchen Facharbeiter und Meister"

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Peter Huber, Landratskandidat der UWG im Landkreis Mühldorf.
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Mühldorf/Schwindegg - Landratskandidat Peter Huber (UWG) möchte die berufliche Bildung stärker fördern. Auch bei der Mitarbeiterführung im Landratsamt sieht er "Luft nach oben".

Eigentlich befindet sich Peter Huber (UWG) schon im Ruhestand, im passiven Teil der Altersteilzeit, um genau zu sein. Trotzdem will es der 61-jährige Kreisrat noch einmal wissen und kandidiert am 16. März bei der Landratswahl im Landkreis Mühldorf. Seine berufliche Tätigkeit und sein politisches Engagement hätten relativ wenig miteinander zu tun, erläutert Huber. All seine politischen Ämter - Huber sitzt auch im Schwindegger Gemeinderat - habe er schließlich auch nach dem Ende seiner beruflichen Tätigkeit weitergeführt. "Ich bin weder gesundheitlich angeschlagen noch geistig verwirrt", sagt Huber mit einem Augenzwinkern.

Zuletzt war der UWG-Politiker bei der Regierung von Oberbayern tätig. Aufgrund einer Verwaltungsreform sollte die Staatsquote verringert werden. Huber bekam das Angebot, in Altersteilzeit zu gehen - und nahm an. Falls er tatsächlich zum Landrat gewählt werden sollte, wäre er am Ende seiner Amtszeit genau 67 Jahre alt, was dem aktuellen Renteneintrittsalter jüngerer Generationen entspricht. Für Huber ein gutes Omen. Offiziell ist Huber der Landratskandidat der UWG, doch auch die WGW unterstützt seine Kandidatur. Aus zeitlichen Gründen konnte die Gruppierung Huber allerdings nicht mehr nominieren.

"Man muss sorgsam mit den Mitarbeitern umgehen"

Bei der Regierung von Oberbayern war Huber zuletzt als Sachgebietsleiter für alle fünf Wasserwirtschaftsämter im Regierungsbezirk zuständig. Damit hatte er die Dienstaufsicht inne und war für einen Jahresumsatz von 150 bis 200 Millionen Euro und 730 Mitarbeiter zuständig. Die Mitarbeiterführung wäre Huber auch als Mühldorfer Landrat wichtig. Aktuell sei auf diesem Gebiet "durchaus Luft nach oben". "Es gibt eine erhebliche Fluktuation im Landratsamt, vor allem im Bereich der Führungsebene", sagt Huber. Wissen und Kenntnisse gingen dadurch verloren und müssten von neuen Mitarbeitern erst wieder mühsam erarbeitet werden. "Man muss sorgsam mit den Mitarbeitern umgehen", mahnt Huber.

In der Landkreispolitik kritisiert Huber vor allem den Haushalt. "Geld ist nicht alles, aber ohne Geld ist alles nichts", sagt der 61-Jährige, der darauf hinweist, dass UWG und WGW im Kreistag mehrere der letzten Haushalte abgelehnt hätten, "weil wir bei zu vielen Ausgaben den nachhaltigen Nutzen nicht erkennen konnten". Wesentlich seien für Huber etwa die Kreisstraßen und die Schulen, nicht aber "noch eine Studie, noch ein Pilotprojekt".

Würden externe Fachleute mit einer Aufgabe betraut, müssten sie ja doch bei den Mitarbeitern des Landratsamtes nachfragen. Dann könnte sich, so Hubers Überlegung, doch gleich das Landratsamt darum kümmern. "Wenn sich solche Fragestellungen ergeben, verfügen wir im Landratsamt über genügend qualifiziertes Personal", so der 61-Jährige. Es müsse nicht immer eine "wunderbare Broschüre" werden, oft genügten schon die Fakten - und die könnten auch ohne externe Unterstützung ermittelt werden, ist Huber überzeugt.

"Extremer Wettbewerb um Patienten"

Die Kreiskliniken lobt Huber grundsätzlich, schränkt allerdings ein, dass der Kreistag nur einmal im Jahr eine Rechenschaftsbericht bekomme, er also nicht den vollen Einblick hat. Um die Zukunft der Krankenhäuser dauerhaft zu sichern, plädiert der UWG-Politiker für eine Kooperation mit dem Landkreis Altötting, Vorgespräche habe es schließlich schon einmal gegeben. Konkret schwebt Huber aufgrund ihrer räumlichen Nähe "ein gewisses Splitting" zwischen den Standorten in den Städten Mühldorf und Altötting vor. Aktuell befänden sich die beiden Häuser in einem "extremen Wettbewerb um Patienten". Die Grundversorgung allerdings müsse an beiden Standorten weiter gewährleistet sein. "Altötting müsste ein Interesse daran haben, dass hier neue Wege gegangen werden", ist Huber überzeugt.

Bei den Kreisstraßen hat Huber keine großen Projekte im Blick, höchsten "den einen oder anderen Kreisverkehr" könne man bauen. Dazu müsse man sich anschauen, ob es irgendwo Unfallschwerpunkte gibt, da Kreisverkehre erfahrungsgemäß eine "große Entschärfung" bewirkten.

Die Verkehrsanbindung der Region - ein verkehrspolitischer Aspekt also, den der Landkreis nicht direkt beeinflussen kann - ist aus Hubers Sicht ungenügend. "Es ist für mich sehr erstaunlich, dass wir bei der A94 nicht in einer Geschwindigkeit weitergegangen sind", sagt der 61-Jährige. "Dass die Pendlerströme der großen Politik nicht so am Herzen liegen, ist noch einsehbar", so Huber. Dass aber auch die Industrie aufgrund der schlechten Verkehrsanbindung benachteiligt werde, findet der Kreisrat "mehr als seltsam". Huber vermutet, dass die CSU eher dort investiere, wo sie Gefahr laufe, "Terrain zu verlieren". "Es wird ja investiert, nur bei uns geht's halt nicht voran", so Huber.

"Wir brauchen Facharbeiter, Techniker, Meister"

Auf dem Gebiet der Bildungspolitik müsse man sich dringend um die berufliche Bildung kümmern, mahnt Huber. Die Investition in die Berufsschule Mühldorf I lobt Huber und fordert ein vergleichbares Engagement für die Berufsschule Mühldorf II. Eine Investition in die FOS/BOS, vielleicht sogar eine eigene FOS/BOS für den Landkreis Mühldorf, ist für den UWG-Politiker zweitrangig. "Wenn ich bei Betrieben bin, höre ich immer wieder, wir brauchen Facharbeiter, Techniker, Meister. Die werden in der Regel nicht auf der FOS/BOS produziert", so Huber. Eine kostengünstige Lösung gemeinsam mit dem Landkreis Altötting würde der 61-Jährige aber begrüßen.

Auch das Studieren in der Region sieht der Landratskandidat kritisch. Derzeit bietet die FH Rosenheim im Landkreis Mühldorf ein duales Studium in Kooperation mit Unternehmen an. Es gebe "warnende Stimmen aus der Wirtschaft", so Huber, schließlich könne ein Studium neben dem Beruf "sehr zermürbend" sein. Entsprechend skeptisch steht Huber einer FH-Außenstelle gegenüber, wie sie im Nachbarlandkreis Rottal-Inn entstehen soll. Es gebe schließlich bereits in den Zentren Fachhochschulen. "Die Studenten sind in einem Alter, wo man ihnen leichter zumuten kann, dass sie Entfernungen zurücklegen", so Huber, auch mit Blick auf die Realschüler im Landkreis, die im Moment nur zwischen zwei Standorten wählen können.

Mindestens die Stichwahl ist das Ziel

Bei der Unterbringung von Asylbewerbern plädiert Huber dafür, stets das Verhältnis zwischen Asylbewerbern und ortsansässiger Bevölkerung zu beachten - und nicht die Asylbewerber einfach dort unterzubringen, wo gerade eine Unterkunft verfügbar ist. "Man muss bei der ganzen Geschichte vorsichtig sein", sagt der 61-Jährige. Konzentriere man die Asylbewerber zu sehr, könne ein "Mikrokosmos" entstehen. Dass junge Asylbewerber aktuell an der Berufsschule und im Berufsbildungswerk Waldwinkel auf eine Berufsausbildung vorbereitet werden, findet Huber gut. "Das ist richtiger, als wenn man sie irgendwo kaserniert". Die Politik müsse die Weichen stellen, damit diese Jugendlichen dauerhaft bleiben dürfen. Sollten die Asylbewerber jedoch irgendwann in ihre Heimat zurückkehren, wäre eine Berufsausbildung "im Hinblick auf die Völkerverständigung nicht ganz verkehrt", so Huber. "Asylrecht ist bei uns sehr hoch aufgehängt, da sollte es auch bleiben."

Bei der Kommunalwahl am 16. März möchte Huber mit UWG und WGW eine absolute Mehrheit der CSU im Kreistag verhindern. Huber persönlich möchte mindestens in die Stichwahl kommen. "Es wäre schade, wenn der Wahlkampf, der so schön Fahrt aufgenommen hat, schon zu Ende sein sollte."

Landratskandidatin Cathrin Henke (Grüne) haben wir bereits vorgestellt. Heute Nachmittag und am Mittwoch folgen Loredana Pacello (FDP) und Georg Huber (CSU). Alexander Will, Landratskandidat der SPD, hat unserer Redaktion auf Anfrage schriftlich mitgeteilt, er habe kein Interesse daran, sich auf innsalzach24 vorzustellen.

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