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ABS38: DB Netz informierte zu Ausbau im Bereich Schwindegg–Obertaufkirchen

Lärmschutz, Bahnübergang Allersheim und mehr: Viele Fragen an Bahn-Vertreter

DB Netz-Projektleiter Wolfgang Kriechbaum stellte sich, unter Moderation von DB Netz-Pressesprecherin Isabelle von Kirch, zahlreichen Fragen rund um den Bahn-Ausbau im Bereich Schwindegg–Obertaufkirchen.
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DB Netz-Projektleiter Wolfgang Kriechbaum stellte sich, unter Moderation von DB Netz-Pressesprecherin Isabelle von Kirch, zahlreichen Fragen rund um den Bahn-Ausbau im Bereich Schwindegg–Obertaufkirchen.
  • Heinz Seutter
    VonHeinz Seutter
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Sichtlich viele Fragen und Redebedarf hatten Anwohner der Bahnstrecke zwischen Schwindegg und Obertaufkirchen zum geplanten Ausbau im Rahmen des Großprojekts Ausbaustrecke 38 (ABS 38). Dabei wurde einiges an Kritik und Skepsis laut, insbesondere zur geplanten Auflassung des Bahnübergangs Allersheim.

Schwindegg/Obertaufkirchen - „Der Schallschutzgutachter ist vermutlich von der Bahn beauftragt?“ - Bei dieser Äußerung musste DB Netz-Projektleiter Wolfgang Kriechbaum sichtlich an sich halten. „Ja weil wir ihn beauftragen müssen! Das ist kein Gefälligkeitsgutachten! Es handelt sich um einen anerkannten und in vielen Projekten tätigen Experten, dessen Aussagen auch vor Gericht verwertbar sind!“ Er musste sich am Mittwochabend einiges anhören: Massives Unverständnis und Wut über die Entscheidung, den Bahnübergang Allersheim zu beseitigen. Vor allem aber mehr als erhebliche Skepsis an den Grundlagen für den Lärmschutz an der Bahnstrecke und die Ausführung des Projekts.

Infoveranstaltung der Bahn zur ABS38 zwischen Schwindegg und Obertaufkirchen: Lärmschutz, Zugverkehr und Anwohner-Entschädigungen wieder einmal unter den Hauptthemen

Die Bahn hatte zu einer Online-Informationsveranstaltung zum Ausbau der Bahnstrecke zwischen Schwindegg und Obertaufkirchen im Rahmen der „Ausbaustrecke 38“ eingeladen. Bei dieser stellte sich Kriechbaum, unter Moderation von DB Netz-Pressesprecherin Isabelle von Kirch, den Fragen der Interessierten. Die Veranstaltung ist Teil einer Reihe von Informations- und Diskussionsveranstaltungen in von dem Großprojekt betroffenen Gemeinden. Diese fanden in der Region, unter anderem, bereits für Kirchanschöring (Plus-Artikel chiemgau24.de) und den Bereich zwischen Tüßling und Tyrlaching (Plus-Artikel innsalzach24.de) statt.

Die häufigsten Fragen drehten sich bei vorherigen Veranstaltungen um die Themen Lärmschutz, Zugverkehr, Anwohner-Entschädigungen, wie die Bahn in einem ersten Fazit Mitte November 2020 bekannt gab (Plus-Artikel BGLand24.de). Diese drei Themen gehörten zu einigen der meistdiskutierten. Kriechbaum betonte, endgültige Zahlen zum zu erwartenden Zugverkehr könnten noch nicht genannt werden. „Es sind etwa 18 Fernzüge pro Tag geplant. Diese würden aber nur in Mühldorf halten. Wir gehen beim Nahverkehr außerdem davon aus, dass sich die Zugdichte von den derzeit etwa 50 Zügen verdichten wird. Beim Güterverkehr rechnen wir mit einem Zuwachs von etwa 35 Prozent von den derzeit 30 bis 35 Zügen.“ Hinsichtlich Entschädigungen für Schäden durch die Bauarbeiten würde es zeitnah vor Beginn der Arbeiten eine Beweisaufnahme durch Fachleute geben.

Erhebliche Skepsis an Grundlage und Ausführung der Lärmschutzmaßnahmen

Vordringlichstes Thema war merkbar der Lärmschutz, wozu es auf Kriechbaum Fragen einhagelte, wie sonst nur beim Thema des Bahnübergangs Allersheim. Einige der Zuschauer der Veranstaltung äußerten erhebliche Zweifel an den von der Bahn hierzu angedachten Maßnahmen. Skepsis gab es etwa, ob dem Konzept der „besonders überwachte Gleise“ zu trauen sei. Dabei werden Gleise regelmäßig abgeschliffen, sodass sie besonders glatt sind und wenig Lärm verursachen sollen. Kriechbaum betonte nachdrücklich, das Eisenbahnbundesamt kontrolliere sehr genau, ob dem ausreichend nachgekommen werde.

Die geplanten Schallschutz-Maßnahmen entlang der Bahnstrecke zwischen Schwindegg und Obertaufkirchen im Zuge des Ausbaus im Rahmen des Großprojekts „ABS 38“ sorgten für einiges an Fragen und Skepsis.

„Eine 2,21 Kilometer lange, 6 Meter hohe Alu-Schallschutzwand ab Oberkante-Schienen im Ort ist nicht hinnehmbar! Das sieht ja schlimmer aus, als ein Gefängnis“, klagte ein Zuschauer. „Wir sind gerne bereit, uns über Möglichkeiten für eine verträglichere Gestaltung auszutauschen“, betonte Kriechbaum. Auf Nachfrage aus dem Publikum erwiderte er, durchsichtige Plexiglaselemente seien keine Lösung. „Die reflektieren den Schall, statt ihn zu absorbieren. Alles was sie damit erreichen ist, dass es auf der gegenüberliegenden Seite eine verstärkte Lärmbelastung gibt.“

Kriechbaum schlug massives Misstrauen gegenüber den Grundlagen für die Lärmschutzmaßnahmen entgegen. Eine klare Besorgnis war herauszulesen: Könnten hier ähnliche Lärmprobleme ins Haus stehen, wie bei Anwohnern der A94? Dies sowohl durch den Zugverkehr als auch durch den in Schwindegg wegfallenden Bahnübergang umgeleiteten Verkehr. „Ja, die Höchstwerte stammen aus den 1970ern“, räumte Kriechbaum ein. „Aber die Berechnungsmethodik beziehungsweise die Auflagen dafür, was zulässig ist, sind erheblich verschärft worden.“ Er verwies darauf, dass umfangreiche Gutachten zu Lärmschutz und Verkehrsbelastung erstellt worden seien. Letzteres habe ausdrücklich die Verkehrsentwicklung seit Eröffnung des A94-Neubauabschnitts berücksichtigt.

Viel Kritik für Entscheidung zur Auflassung von Bahnübergang Allersheim

„Es kann doch nicht sein, dass Bahn und Staat einen Bahnübergang an einer Staatsstraße schließen und die Gemeinde dann gezwungen wäre, eine kleine Bahnüberführung auf eigenes Verlangen auszubauen und zu bezahlen!“, entfuhr es einem sichtlich frustrierten Franz Ehgartner, dem Bürgermeister von Obertaufkirchen (FWG Heimattreue Obertaufkirchen) am Mittwochabend schließlich. Auf seine und zahlreiche andere Einwendungen zur voraussichtlichen ersatzlosen Beseitigung des Bahnübergangs Allersheim in Schwindegg hatte Wolfgang Kriechbaum, Projektleiter bei der DB Netz AG immer wieder dieselbe Antwort: „Die Entscheidung ist schon seit Jahren getroffen und wir sind da auch nicht der richtige Ansprechpartner. Das wäre das Staatliche Bauamt Rosenheim.“

Der Gemeinde Schwindegg waren die Planungen für ihren Gemeindebereich Mitte Juli vorgestellt worden (Plus-Artikel ovb-online.de). Dabei wurde klar: Aus Sicht der Planer ist die Streichung des Bahnübergangs Allersheim unumgänglich, weil die Eisenbahnbetriebsordnung die Schließung verlangt. Dies sorgte bereits in der Gemeinderatssitzung für einiges an Widerspruch. Die Schließung führe bei Landwirten zu großen Schwierigkeiten, Gewerbebetriebe könnten ihre Schwertransporte nicht mehr durchführen. Den Bürgern sei dies nicht zuzumuten. In Weidenbach gehe es auch anders, betonte dabei Altbürgermeister Dr. Karl Dürner (Plus-Artikel ovb-online.de).

Die Gemeinde Obertaufkirchen kämpft um den Erhalt des Bahnübergangs bei Allersheim.

Auch am Mittwochabend erlebte DB-Projektleiter Kriechbaum bei diesem Thema erheblichen Gegenwind. „Dass es für den Übergang in Weidenbach dann doch eine Ersatzlösung gab, war eine Entscheidung auf politischer Ebene. Das war nicht in unserer Hand.“ Auf Nachfrage aus dem Publikum stellte er in den Raum, dass die Gemeinde auf eigene Kosten durchaus einen Ersatz schaffen könnte, was zur entrüsteten Äußerung des Bürgermeisters der Nachbargemeinde führte. „Wir gehen davon aus, dass der Verkehr dann künftig über die alternativen Routen, namentlich die Auen- und die Haager Straße fließen wird, ohne dass das zu einer verstärkten Verkehrsbelastung für die Gemeinden führt.“

Es wurden noch eine große Zahl weiterer Fragen, beispielsweise zur Führung des Bahnstroms entlang der Strecke oder der genauen Gestaltung der Gleisanlagen geführt. Die Vertreter der Bahn versprachen, dass alle Fragen, die nicht an diesem Abend beantwortet werden konnten, zeitnah auf der Website zur ABS38 nachgereicht werden sollen. Zusätzlich sind alle Interessierten eingeladen, sich jederzeit an das eigens eingerichtete Team mit Fragen zur ABS38 zu wenden. Es können auch individuelle Termine ausgemacht werden.

Zustimmung für „Magistrale für Europa“ - Aber Sorge um mögliche Kosten in Millionenhöhe für Städte und Gemeinden

Das Projekt hat einige Fürsprecher aus Politik und Wirtschaft, wie erst Ende Juli bei der Hauptversammlung der Initiative „Magistrale für Europa“ betont wurde. „Für uns ist die Magistrale für Europa sehr wichtig, denn die Teilabschnitte München-Mühldorf und Mühldorf-Freilassing sind Bestandteil dieser Magistrale für Europa“, so CSU-Landtagsabgeordneter Dr. Marcel Huber. „Damit verbunden sind europäische Gelder, die in den Ausbau der Strecken von München nach Mühldorf und nach Freilassing fliesen.“ Der Mühldorfer Landrat Max Heimerl (CSU) betonte: „Wir dürfen die Interessen unserer Bürger nicht aus den Augen verlieren. Die Entscheidung für den Bahnübergang in Heldenstein (Plus-Artikel ovb-online.de) war wichtig und richtig. Auch für den Bahnübergang in Schwindegg müssen wir noch eine Lösung finden.“

Die Magistrale für Europa mit ihren einzelnen Streckenabschnitten. Darunter sind die Strecken München-Mühldorf und Mühldorf-Freilassing.

Doch Anfang Februar wurde auch klar:  Möglicherweise kommen Kosten in Millionenhöhe auf die betroffenen Gemeinden zu. Beispielsweise könnten, auf Grund von vier Kreuzungspunkten auf Tittmoninger Gebiet, bis zu 5,6 Millionen Euro an Kosten auf die Stadt entfallen. „Das würde uns schwer belasten. Und andere Gemeinden entlang der Strecke trifft‘s noch härter“, mahnte Bürgermeister Andreas Bratzdrum (CSU). „Bei Gesprächen mit der Bahn im Juli vorigen Jahres war davon noch nicht die Rede. Erst im Dezember wurde dann gesagt, dass wir Vorteile, die wir durch die Kreuzungsausbauten hätten, der Bahn finanziell ausgleichen müssen.“

Die Bürgermeister und Landräte entlang der Strecke wollen das nicht hinnehmen, wie sie in der Folge ankündigten. In der Folge gab es einen runden Tisch. Wir haben Druck ausgeübt und haben jetzt Hoffnung, dass die Eigenbeteiligung der Kommunen gesenkt werden kann“, so Andreas Bratzdrum. Erst wenn die DB Netz AG Zugeständnisse mache, wolle man sich überlegen, wie die Kreuzungspunkte entlang der Bahnstrecke genau ausgebaut werden sollen.

hs

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