Die Bahn startet den Dialogprozess

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Klaus-Dieter Josel (links), Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn AG für Bayern, und Stefan Kühn, Leiter Vertrieb und Fahrbahn bei der DB Netz AG in Bayern, starteten am Freitag in Schwindegg einen Dialogprozess mit den Kommunen zum Ausbau der Strecke München-Mühldorf-Freilassing.
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Schwindegg - Ein möglichst breiter Konsens ist das Ziel: Die Bahn startet einen Dialogprozess mit den Kommunen für den Ausbau der Bahnstrecke München-Mühldorf-Freilassing.

Es ist ein wahres Mammutprojekt, der Ausbau der Bahnstrecke München-Mühldorf-Freilassing. Über eine Länge von 147 Kilometern soll die Strecke zwischen den Abschnitten Markt Schwaben und Freilassing sowie zwischen Tüßling und Burghausen durchgehend elektrifiziert werden. Weitere 58 Kilometer - zwischen Markt Schwaben und Ampfing sowie zwischen Kirchweidach und Tittmoning-Wiesmühl - sollen zweigleisig ausgebaut werden. Um möglichst alle vom Ausbau betroffenen Kommunen zufriedenzustellen, hat die Bahn in Schwindegg einen Dialogprozess gestartet.

Klaus-Dieter Josel, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn AG für Bayern, und Stefan Kühn, Leiter Vertrieb und Fahrbahn bei der DB Netz AG in Bayern, sowie einige weitere Fachleute des Konzerns präsentierten am Freitagvormittag im Bürgerhaus Schwindegg Landräten, Bürgermeistern und Abgeordneten den Stand der Vorplanungen. Bereits zuvor standen Josel und Kühn den Medien im Rahmen eines Pressegesprächs Rede und Antwort.

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"Die Grundlagenermittlungen sind jetzt in einem Stand, dass wir in den Dialog mit den Kommunen gehen können", erläuterte Josel. Vieles von dem, was im Bürgerhaus vorgestellt wurde, bewegte sich noch im Konjunktiv - doch eben genau deshalb startet die Bahn den Dialogprozess. Mehrere Planungsvarianten sollen frühzeitig der Öffentlichkeit präsentiert und mit dem Kommunen diskutiert werden. Bilaterale Gespräche habe es bereits gegeben, so Kühn. Ab jetzt möchte die Bahn den Ausbau in größerer Runde thematisieren. Das Ziel sei eine möglichst einvernehmliche Einigung und damit ein belastbarer Konsens, erläuterte Kühn.

"Nicht zu früh sagen, wann es fertig wird"

Zugleich warnte Kühn aber vor zu hohen Erwartungen seitens der Öffentlichkeit. Die Planungen befinden sich derzeit in einem so frühen Stadium, dass man noch keine konkreten Skizzen oder ähnliches den Bürgern präsentieren könnte. Mit Handfestem rechnet Kühn "etwa in einem Jahr". Dann dürften aber aller Voraussicht nach erst "frühe Studien" vorliegen. Langfristiges Ziel ist ein Abschluss der Vorplanung mit Variantenentscheid bis Mitte 2015. Ein Fernziel für die Fertigstellung des Ausbaus soll der Öffentlichkeit noch nicht präsentiert werden. Wie Kühn erläuterte, habe man früher zwei Fehler gemacht: "Zu früh zu sagen: Was kostet's? Zu früh zu sagen: Wann wird's fertig?"

Josel und Kühn gaben im Pressegespräch bereits einen Ausblick, was auf der Ausbaustrecke künftig möglich sein könnte. So wäre zum Beispiel zwischen Mühldorf und Freilassing eine stündliche Verbindung möglich. Bislang wird die Strecke alle zwei Stunden frequentiert. Außerdem könnte stündlich ein Zug von auf der Strecke Salzburg-München via Mühldorf verkehren. Ob dieser dann auch stündlich in Mühldorf halten würde, ist indes völlig offen. Überhaupt war es Josel und Kühn sehr wichtig zu betonen, dass die man mit dem Ausbau lediglich die Infrastruktur zur Verfügung stelle. Welche Züge letztlich in Mühldorf halten, entscheidet der Fernverkehr - und der liegt schon lange nicht mehr alleine in den Händen des Bahn-Konzerns.

Bahn rechnet nicht mit Widerstand

Der zusätzliche Güterverkehr durch das bis Mitte 2014 fertiggestellte KV-Terminal in Burghausen wird die Strecke nicht über Gebühr belasten. "Wir müssen zum Knotenpunkt Mühldorf kommen", so Josel. Von dort aus können die Züge in viele Richtungen weiterfahren. Eine große Entlastung stellt künftig - gerade im Bereich Güterverkehr - der derzeit im Ausbau befindliche Abschnitt zwischen Mühldorf und Tüßling dar.

Die Bahn im Dialog mit den Kommunen

Großen Widerstand gegen den weiteren Ausbau der Trasse erwartet die Bahn nicht. Der Ausbau sei über alle Parteien hinweg, im Bund wie im Land, anerkannt, so Kühn. "Es wird keinen Widerstand gegen den Streckenausbau geben." Man rechne allerdings mit Diskussionsbedarf, gerade in Sachen Schallschutz.

Ein ÖPP-Projekt zur Finanzierung des Ausbaus - die Maßnahme ist im Bedarfsplan des Bundes mit einem Investitionsvolumen von rund 1,1 Milliarden Euro enthalten - sei aktuell nicht angedacht, so Josel. "Wir sind da skeptisch." Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer hatte vor einigen Monaten angeregt, künftig auch Bahnprojekte mithilfe eines ÖPP-Projekts zu finanzieren.

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