Die Schule kann wieder beginnen

Mühldorf - Zufrieden äußerte sich der Leiter des Staatlichen Schulamts Mühldorf, Schulamtsdirektor Peter Krell, über die schulische Situation zum Schuljahr 2009/2010 der Grund- und Hauptschulen.

Die äusserte er in einem Gespräch mit dem Mühldorfer Anzeiger. Insgesamt geringe Klassenstärken und eine gute Versorgung mit Lehrerstunden lassen ihn optimistisch in das neue Schuljahr gehen.

Wie haben sich die Schülerzahlen entwickelt?

Der Schülerrückgang mit einer Abnahme von 180 Grund- und Hauptschülern war relativ hoch, hat sich aber weiter verlangsamt. In den ersten Klassen wurden 962 Schüler eingeschult, das sind 55 Schüler weniger als im vergangenen Schuljahr. Der Abgang starker Abschlussklassen sowie ein verstärkter Übertritt an Realschulen, Gymnasien und Wirtschaftsschulen tragen zur Abnahme bei. Auch in den nächsten Jahren müssen wir mit weiteren Rückgängen rechnen. Im Bereich des Staatlichen Schulamtes Mühldorf betrug der Schülerrückgang in den letzten vier Schuljahren 1265 Schüler.

Wie wirkt sich der Schülerrückgang auf die Bildung der Klassen aus?

Auf der einen Seite positiv, da sich die durchschnittliche Schülerzahl der Klassen auf niedrigem Niveau stabilisiert. So haben wir in der Grundschule eine durchschnittliche Klassenstärke von 21,68 Schülern pro Klasse und in der Hauptschule von 20,26 Schülern pro Klasse. Bei über 85 Prozent aller Klassen liegt die Schülerzahl unter 26 Schülern, eine äußerst erfreuliche Tatsache. Leider haben wir auch einige Klassen, die über dieser Zahl liegen, aber keine überschreitet die vom Kultusministerium festgelegte Höchstschülerzahl. Der Schülerrückgang erschwert aber auch die Klassenbildung , da die Zuweisung von Lehrerstunden an die Schülerzahl gekoppelt ist. Werden die Schüler weniger, erhält man weniger Lehrerstunden.

Gibt es also im kommenden Schuljahr Personalprobleme?

Nein, denn wir wurden von der Regierung gut versorgt. Alle Klassen haben eine Klassenlehrkraft, die Mobile Reserve konnte mit allen Stunden versorgt werden, und auch der Fachlehrerbereich ist gut abgedeckt. Allen Schulen konnten über den Pflichtstundenbereich hinaus Lehrerstunden zur Verfügung gestellt werden, sodass auch im musischen und sozialen Bereich den Schülern Angebote vorliegen.

Sind wieder jahrgangskombinierte Klassen vorgesehen?

Wie bereits in den Jahren zuvor werden an den Schulen in Niedertaufkirchen und Egglkofen mit den Jahrgangsstufen 1/2 und 3/4 jahrgangskombinierte Klassen eingerichtet. So können zum einen die Schüler weiterhin am Ort unterrichtet werden, zum anderen wurde die Bildung von großen und sehr kleinen Klassen ausgeglichen. Für die jahrgangskombinierten Klassen wird wieder ein besonderes Stundenkontingent zur Verfügung gestellt, damit die Schüler in Fächern wie Deutsch oder Mathematik getrennt unterrichtet werden können.

Eine schulpolitische Vorgabe ist die Einrichtung von Ganztagsklassen. Wie sieht es damit im Landkreis aus?

Wir haben an allen Hauptschulen des Landkreises Ganztagsklassen eingerichtet, entweder in gebundener oder offener Form. Besonders erfreulich ist, dass an der Grundschule Ampfing nun bereits drei Ganztagsklassen (zweite bis vierte Jahrgangsstufe) eingerichtet werden konnten, an den Grundschulen Kraiburg und Mühldorf-Altmühldorf jeweils eine dritte Klasse als Ganztagsklasse starten kann. Wir werden uns weiterhin um die Einrichtung von Ganztagsklassen bemühen, damit noch mehr Schüler die Vorteile einer Ganztagsklasse in Anspruch nehmen können.

Wird die Hauptschulinitiative auch im kommenden Schuljahr eine Rolle spielen?

Die Schulen des Landkreises werden auch weiterhin ihrer Vorreiterrolle in der Umsetzung der Hauptschulinitiative gerecht werden. Der Unterricht an den Hauptschulen wird vor allem im Fach Deutsch, an einigen Schulen auch im Fach Mathematik, an der Hauptschule Ampfing im Lernbereich "Arbeit-Wirtschaft-Technik" in modularisierter Form angeboten. Die Hauptschule Mühldorf am Inn engagiert sich seit Jahren im Lernbereich "Soziales Lernen/Soziale Kompetenz". Die Unterrichtung in modularisierter Form, Einführung bayernweit erst ab dem Schuljahr 2010/11 verpflichtend, wird an allen Hauptschulen des Landkreises freiwillig durchgeführt. Eine Besonderheit des Landkreises stellt das vom Kultusministerium eigens geförderte Pilotprojekt "Mein Weg in die Berufswelt" dar. Die zentrale Aufgabe der Hauptschulen, die Berufsorientierung, mit Kennenlernen der verschiedenen Berufsfelder, mit Berufsfindung und -wahl wird von der 7. bis zur 9. bzw. 10. Jahrgangsstufe systematisch durchgeführt. Schwerpunkte sind dabei das Berufsorientierungspraktikum in der 7. Klasse, ein freiwilliges Orientierungspraktikum in den Sommerferien zwischen der 7. und 8. Jahrgangsstufe und vor allem das Projekt AIS (Ausbilder in Schulen). Dabei werden zirka 3500 zusätzliche Unterrichtsstunden von Praktikern, Meistern und Ausbildern aus den verschiedenen Gewerken den Schülerinnen und Schülern angeboten.

Werden bisher erfolgreiche schulische Einrichtungen weitergeführt werden?

Die durch das gelungene Zusammenwirken der Hauptschule an der Franz-Liszt-Straße, der Stadt Waldkraiburg, dem Landratsamt, dem sozialpädiatrischen Zentrum in Altötting, dem Förderzentrum und dem Schulamt eingerichtete Ganztages-Intensivklasse wird auch im dritten Jahr bestehen bleiben. Die gewünschte Rückführung an die Regelschule von Schülern mit testiertem Förderbedarf wird durch die gute Zusammenarbeit mit dem Förderzentrum im Landkreis Mühldorf am Inn entsprechend durchgeführt. So ist geplant, im Schuljahr 2009/2010 an acht Schulen sogenannte Kooperationsklassen einzurichten. An den Hauptschulen in Mühldorf (eine Klasse) und Waldkraiburg an der Franz-Liszt-Straße (zwei Klassen) können die Schüler Praxisklassen, deren Konzept in erster Linie auf der praktischen Unterrichtung aufgebaut ist, besuchen. Ziel ist die Heranführung an den Hauptschulabschluss. An sieben von 8 Hauptschulen im Landkreis Mühldorf a. Inn arbeiten inzwischen Schulleitung, Lehrkräfte und Jugendsozialarbeiter sehr gut zusammen. Alle Kommunen sowie das Amt für Jugend und Familie unterstützen diese Vorhaben vorbildlich.

Sind weitere Projekte angedacht?

Auch im Schuljahr 2009/ 2010 sollen verschiedene Projekte neu eingeführt werden. So ist vorgesehen, im Bereich der Grundschulen das Lesen in modularisierter Form durchzuführen und ein Projekt "Selbstreguliertes Lernen" ins Leben zu rufen. Mit diesem Schuljahr starten alle Hauptschulen ein Gemeinschaftsprojekt, in dem jeweils in drei Wochen ein Kunstprojekt entwickelt wird. Das Projekt wird von einem namhaften Künstler begleitet und ist im folgenden Schuljahr auch für die Grundschule angedacht.

Der Landkreis Mühldorf hat sich in der schulischen Szene in den letzten Jahren als Pilotlandkreis etabliert. Wird dies im kommenden Schuljahr wieder so sein?

Der Schulamtsbezirk Mühldorf wurde vom Kultusministerium ausgewählt, als einer von zwei Stützpunktlandkreisen beim Landesprogramm "Gesunde Schule" mitzuwirken. Eine Koordinatorin aus dem Schulamtsbezirk wird die Grundschulen beraten und betreuen, um die vielfältigen Angebote zur Schulentwicklung einer psychisch und physisch gesunden Schule zu nutzen. Hilfe zur Selbsthilfe ist der zentrale Leitgedanke dahinter, um die Umfeldgestaltung der Schule oder auch die Kommunikation zwischen allen Mitwirkenden der Schulgemeinschaft zu optimieren. Unser Landkreis ist auch Pilotlandkreis zur regionalen Strukturentwicklung, das heißt im kommenden Schuljahr kommt es zum Zusammenschluss von Schulverbünden der Hauptschulen und damit zur Ernennung zu Mittelschulen. Die neue Mittelschule ist an eine Angebotsbreite gebunden. Voraussetzungen sind gesicherte Mindestschülerzahlen, die einen Regel- und einen Mittlere-Reife-Zug ebenso garantieren wie die Durchführung aller berufsorientierender Zweige und eine Ganztagesbetreuung. Des Weiteren richten wir eine Berufsvorbereitungs- und Berufsfindungsklasse für Schülerinnen und Schüler ein, die nach der 9.Klasse keinen Hauptschulabschluss erreichten, dazu keine Ausbildungsstelle finden oder noch nicht wissen, welchen Beruf sie ergreifen wollen. Dies wird in enger Kooperation zwischen Schulamt, der Berufsschule I Mühldorf a. Inn und der Hauptschule Mühldorf a. Inn angeboten. Die Schülerinnen und Schüler leisten damit ihre Berufschulpflicht ab, absolvieren größtenteils ihren Abschluss und nehmen an zwei Tagen an einem betrieblichen Praktikum teil. Für die Ausbildungsplatzsuche und zur Stabilisierung steht ihnen ein Sozialpädagoge zur Verfügung.

Was wünscht sich der Schulamtsdirektor für das Schuljahr 2009/2010?

Ein ruhiges und für alle Schüler problemfreies und erfolgreiches Schuljahr.

sb/Mühldorfer Anzeiger 

Rubriklistenbild: © dpa

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