Schritte gegen Mobilfunkmast

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Ein Funkmast entzweit die Gemeinde: Mehrheitlich entschied sich nun der Oberbergkirchener Gemeinderat für das Gutachten zur Ausweisung von Konzentrationsflächen für Mobilfunk.

Oberbergkirchen - Eine Mehrheit des Gemeinderats versucht nun Möglichkeiten auszuloten, den geplanten Standort des Funkmastens westlich des Ortes zu verhindern.

Gesundheitliche Bedenken, Befürchtungen, die Entwicklung der Gemeinde könnte behindert werden und die optische Beeinträchtigung des Ortsbildes waren die hauptsächlichen Gründe für eine Mehrheit im Gemeinderat Möglichkeiten auszuloten, den geplanten Standort des Funkmastens westlich des Ortes zu verhindern und einen anderen Standort zu finden. Es kam jedoch auch die schwache rechtliche Position gegenüber Vodafone zur Sprache.

An die 30 Zuhörer folgten der Sitzung, zu deren Beginn Stefan Kapser Rederecht für eine Stellungnahme der Bürgerinitiative (BI) bekam. Sie enthielt im Wesentlichen die Argumente, die in der Besprechung am runden Tisch am 11. August vorgetragen worden waren. Als Argumente gegen den geplanten Standort führte er unter anderem den Stillstand der Ortsentwicklung, eine negative Auswirkung auf das Ortsbild und die Nähe zur Schule an. Laut Mobilfunkpakt sollen Standorte in der Nähe von Schulen und Kindergärten besonders sensibel behandelt werden. "Wo ist hier eine sensible Behandlung, wenn das nächste Gebäude zum Masten ausgerechnet eine Schule ist?", fragte er. Der 50 Meter hohe Masten bekomme möglicherweise fünf Mobilfunkanbieter.

In Aubenham schon jetzt Handyempfang?

Zur Netzabdeckung meinte er, die Behauptung, in Aubenham gebe es keinen Handyempfang, sei nicht richtig. "Wir haben uns selbst davon überzeugt, dass eines unserer Handys mit E-Plus vollen Empfang in Aubenham hat."

Entscheidend seien auch gesundheitliche Bedenken. Dazu führte er an, dass das deutsche Bundesgesundheitsamt in den 70-er Jahren keine Diskussionen zum Einbau von Asbest, Holzschutzmitteln, Formaldehyd und PCB zugelassen habe. Heute wisse man es leider besser. Die Internationale Krebsforschungsagentur IARC der Weltgesundheitsorganisation hat den aktuellen Stand bezüglich hochfrequenter elektromagnetischer Felder und Krebserkrankungen neu bewertet und diese Felder am 31. Mai 2011 in die Gruppe 2B der IARC-Skala eingestuft. Diese Einordnung bedeute, dass es Hinweise auf eine krebserregende Wirkung hochfrequenter elektromagnetischer Felder auf den Menschen gebe. Das Bundesamt für Strahlenschutz könne mögliche Langzeitfolgen auf die Kinder nicht ausschließen.

Als Fazit musste Stefan Kapser einräumen, dass der Großkonzern Vodafone nicht mit sich verhandeln lasse. Es sei der BI klar, dass ihr Antrag mit Kosten verbunden ist, etwa 10000 Euro für das Gutachten, insgesamt etwa 36000 Euro. Sein Schlussappell lautete: "Dies ist die letzte Möglichkeit, aktiv etwas gegen diesen Standort zu unternehmen. Dieser Mast wird ansonsten die nächsten Jahrzehnte dort strahlen."

Die anschließende Aussprache eröffnete Bürgermeister Michael Hausperger mit einer Stellungnahme. Er kündigte darin an, dass er dem Antrag nicht zustimmen werde. "Ich war nie dafür (für den geplanten Standort, Anm. d. Red.) und nie dagegen. Ich wollte den Standort weiter weg von der Schule", sagte er. Einen alternativen Standort habe Vodafone nicht akzeptiert, auch nicht die betreffenden Grundstückeigentümer. Auch die BI habe zum Ausdruck gebracht, dass sie den Alternativstandort nicht wolle. "Die Kosten von 35000 bis 40000 Euro für das ganze Verfahren könnten wir für andere Dinge ausgeben", meinte der Bürgermeister.

Die Ortsentwicklung sieht Hausperger nicht gefährdet. Grundstücksinteressenten hätten ihm gegenüber zum Ausdruck gebracht, dass für sie eine gute Verbindung mit dem Internet und mit Mobilfunk entscheidend sei. Er wolle vor allem keinen Dachstandort im Ort. Da habe die Gemeinde keinen Einfluss. Die Schule ist 350 Meter entfernt. Die Immissionswerte seien an dieser Stelle bereits sehr niedrig. Zudem sei die Schule mit ihrem Blechdach gut abgeschirmt. Er hält es für wichtiger, in der Schule das WLAN zu ersetzen. Auch Gemeinderatsmitglied Franz Hötzinger sagte, er werde dagegen stimmen, weil ihm die Kosten zu hoch seien. Im Außenbereich werde der Sendemast benötigt weil viele kein Internet bekommen können.

9:4 Stimmen für den Antrag der Initiative

Zustimmend zum Antrag der BI äußerte sich Siegfried Gossert. Ihm liege der Internet- und Handyempfang am Herzen, er lehne diesen Standort jedoch wegen der Ortsentwicklung ab.

Auch Willi Haas war für die Erstellung des Gutachtens. Der jetzige Standort beeinträchtige das Ortsbild. Zweiter Bürgermeister Anton Weichselgartner sah die Notwendigkeit eines Handymastens. Das bestehende Problem könnte durch das Gutachten vielleicht gelöst werden, indem ein anderer Standort gefunden wird.

Adam Holzner Senior widersprach Stefan Kapser, in Aubenham gebe es Handyempfang. "Wir haben viele Abholer (von Ziegeln, Anm. d. Red.), die jammern, dass sie bei uns nicht erreichbar sind." Die Aussage von Kapser sei eine Verdrehung der Tatsachen. Bürgermeister Hausperger ergänzte dazu, dass nicht alle mit E-Plus telefonieren.

Die wichtigsten Punkte zu diesem Thema, wie die Aufstellung eines Teilflächennutzungsplanes, die Erstellung eines Gutachtens zur Ausweisung von Konzentrationsflächen für Mobilfunk und der Antrag beim Landratsamt auf Zurückstellung des Bauantrages von Vodafone für ein Jahr wurden mit 9:4 Stimmen beschlossen. Wir werden darüber noch gesondert berichten.

gth/Mühldorfer Anzeiger

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