Marcel Huber: Schnell Geld bekommen

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Der zweigleisige Ausbau bei Ampfing ist fast vollendet, für den wichtigen Abschnitt bis Tüßling gibt es noch nicht einmal Pläne

Mühldorf - Vor der Verkehrskonferenz am Mittwoch in Ampfing fordert Kulturstaatssekretär Dr. Marcel Huber den Bedürfnissen der Industrie endlich „annähernd gerecht“ zu werden.

Welche Bedeutung messen Sie der Drohung von Wacker bei, nicht in Burghausen sondern in Sachsen zu investieren?

Es ist naheliegend, dass die Verkehrsinfrastruktur für die Planung von großen Unternehmen eine wichtige Rolle spielt. Wenn sich die Industrie entschieden hat, bislang hier zu investieren, ist das ein Vertrauensvorschuss dem Staat gegenüber, dass er die notwendige Infrastruktur zur Verfügung stellt. Wenn das jetzt nicht erfolgt, reagiert die Industrie. Weniger aus mangelndem Patriotismus als viel mehr aus unternehmerischer Abwägung. Ich hoffe ausdrücklich, dass es nicht so weit kommt und wir den Bedürfnissen der Industrie wenigstens annähernd gerecht werden.

Erwarten Sie, dass Bund und Bahn bis 2015 den zweigleisigen Ausbau bis Tüßling herstellen?

Mir ist das solange nicht sicher genug, bis eine Finanzierungsvereinbarung zwischen Bund und Bahn unterschrieben ist. Es ist aber unheimlich schwierig Dinge in dieser Dimension fest zuzusagen, wenn das Geld nicht ganz konkret vorbereitet ist. Ich hoffe, dass die von Minister Ramsauer geäußerten Zusagen tatsächlich umgesetzt werden. Ich bin überzeugt davon, dass die Dringlichkeit des Ausbaus erkannt ist.

SPD-Abgeordneter Ewald Schurer hat gefordert, das nicht verbrauchte Geld aus dem Konjunkturpaket für den Ausbau bis Tüßling im normalen Haushalt einzustellen. Teilen Sie diese Forderung?

Ich bin für jede Initiative dankbar, die hilft, Geld bereitzustellen - und sei es aus dem Konjunkturprogramm. Wir müssen Geld zur Finanzierung der Planungskosten bekommen, damit möglichst schnell Baurecht erreicht wird. Denn wenn es keine Planung gibt, kommt man nicht dran, wenn es Geld gibt.

Plant die Bahn nicht früh genug?

Es ist durchaus sinnvoll, nur Dinge zu planen, die auch realisierbar sind. Deswegen darf der zeitliche Abstand zwischen Planung und Bau nicht zu groß werden. Ich halte es aber für absolut falsch im Falle Tüßling, apodiktisch zu sagen, ich plane gar nichts, bevor ich das Geld habe. Die politische Willenserklärung, diese Strecke so schnell es geht zu bauen, müsste der Bahn eigentlich ausreichen um zu planen.

Gilt das auch für den weiteren Ausbau?

Es gibt sicherlich niemanden mehr, der die gesamte Ausbaustrecke in einem Zug bauen will. Ein Einzelprojekt von 2,5 Milliarden Euro ist natürlich nicht zu stemmen. Um realistisch voranzukommen, müssen wir Schritt für Schritt weitergehen. Wir müssen eine Priorisierung schaffen. Wenn dann Geld da ist, müssen wir den Teil bauen, der den größten Verkehrseffekt hat.

Wie sieht diese Priorisierung aus?

Der erste Schritt ist Tüßling, mit dem Bau der neuen Innbrücke ist der Anfang gemacht. Es folgt die Aufweitung der Kapazitäten nach München durch die Begegnungsabschnitte, die sehr wichtig ist für die Pendler und den Güterverkehr. Dann folgt die Anbindung des Flughafens, die Elektrifizierung, der Messeschwenk und am Ende der komplette zweigleisige Ausbau.

Sie nennen die Elektrifizierung erst am Ende. Ohne sie wird aber die Verbindung zum Tunnelbahnhof des Flughafens nicht möglich.

Ich halte die Lösung mit einem Hybridzug, der sowohl mit Diesel als auch mit Strom fahren kann, für sinnvoll und warte darauf, dass sich die Bahn dazu äußert.

Der Ausbau Richtung Flughafen hängt an dem neu zu bauenden Erdinger Bahnhof. Über den wird heftig gestritten. Gefährdet das eine mögliche Verbindung mit dem Flughafen?

Ich will mich als Mühldorfer Politiker nicht in Erdinger Fragen einmischen. Man sollte die Wahl des Standorts pragmatisch angehen und das bauen, was am ehesten realisierbar ist.

Sollte es einen durchgehenden Zug von Mühldorf zum Flughafen geben?

Einen eigenen Zug von Mühldorf an den Flughafen fahren zu lassen ist nicht realistisch, da bringen wir die Volumina nicht her. Der Tunnelbahnhof muss aus Richtung Mühldorf mit einem Shuttle erreichbar sein, das die Bahnstrecke Richtung München mit dem Flughafen verbindet. Wichtig ist eine Umsteigemöglichkeit am gleichen Bahnsteig und abgestimmte Abfahrtszeiten.

hon/Mühldorfer-Anzeiger

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