Der Schlagersänger von nebenan

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Eine Miniaturausgabe der Fischerhütte von Roy Black steht heute dort, wo er vor 20 Jahren gestorben ist. Noch immer gedenken hier Fans des Schlagersängers.

Heldenstein - Am Wochenende jährt sich zum 20. Mal der Todestag von Schlagerstar Roy Black. Um seinen Tod ranken sich noch immer Rätsel.

Die Fischerhütte - sein damaliger Rückzugsort - steht längst nicht mehr. Eine Miniaturhütte und Bilder erinnern an den Sänger.

Heldenstein - Nur noch die Fundamente im Boden erinnern an die Fischerhütte. Heute steht an dem Weiher bei Heldenstein eine Miniaturhütte, auf der kleinen Veranda sind Bilder aufgestellt, ein Grablicht brennt. Es war der Ort, an dem Roy Black sich immer wieder eine Auszeit gegönnt hat, wo er beim Fischen zur Ruhe gekommen ist und wo er am 9. Oktober vor 20 Jahren gestorben ist.

Neben einem Kreuz steht eine hölzerne Gedenktafel, die Inschrift verwittert. "Die schönste Zeit in deinem Leben" - nur die erste Zeile lässt sich ohne Probleme lesen. Auf dem Dach der kleinen Hütte wächst Moos. Das Wasser glitzert in der Herbstsonne, das Laub der Bäume hat sich gelb verfärbt. Die Bilder an der Gedenkstätte zeigen private Momente im Leben von Roy Black, aber auch seine Auftritte. Die Aufnahmen sind ausgebleicht, das Papier gewellt.

Für viele war Roy Black der Schlagerstar, mit dem sie sich fotografieren ließen oder von dem sie sich ein Autogramm holten. Doch für die nächsten Anwohner der Fischerhütte war er einfach nur "Roy" - ein ganz normaler Nachbar. 20 Jahre danach erinnern sich Mutter und Tochter noch gut an den berühmten Schlagerstar von nebenan. Auf seinem Weg zur Hütte ist er vorbeigekommen und hat Halt gemacht.

Mit ihm pflegten sie eine freundliche Beziehung, luden ihn gelegentlich ein. So war es auch am Tag vor dessen Tod. Als er am Haus vorbeifährt, verabreden sie sich zum Frühstück. Gekommen ist er am nächsten Morgen allerdings nicht. Sorgen machten sie sich keine. "Wir dachten, dass er vermutlich keine Lust hatte. Er wollte in der Hütte seine Ruhe und wir haben ihn auch nie gestört", erinnern sich Mutter und Tochter. Gewundert haben sie sich trotzdem, dass sie ihn den ganzen Tag nicht zu Gesicht bekommen. Abends sehen sie, wie Bruder Walter kommt. Kurz darauf erfahren sie von ihm, dass Roy Black tot ist. Er hat ihn in der Hütte gefunden.

Die Hütte steht längst nicht mehr. Als das Landratsamt Mühldort auf den Schwarzbau aufmerksam wurde, ließ es die Hütte abreißen. Eine Miniaturausgabe erinnert an den Rückzugsort von Roy Black.

Mit seinem Bruder Walter Höllerich hatte er das "Fischwasser" gepachtet. Unregelmäßig kam der Sänger hierher, um allein zu sein oder zu fischen. Ein Bild zeigt ihn mit einem Hund auf einem Boot. In der Hütte gibt es kein fließendes Wasser, aber der Sänger verzichtete gern auf diesen Luxus.

Noch immer gibt sein Tod Rätsel auf. Ein Herzversagen galt damals als Todesursache. Gegenüber der "Bild"-Zeitung sprach der Rechtsmediziner Wolfgang Eisenmenger, der die Obduktion damals vornahm, von einem Promille-Wert, der "überlicherweise nur bei vorliegender Alkoholkrankheit überhaupt erreicht und überlebt wird". Sein Bruder Walter Höllerich dementierte dies.

Nach der Todesnachricht von Roy Black pilgerten Fans zur Fischerhütte, teilweise waren es bis zu 40 Leute pro Tag. Die Ströme sind verebbt, nur noch vereinzelt suchen trauernde Fans den Ort auf, zünden eine Kerze an und genießen die Ruhe. hi

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