Die Ruine lassen, wie sie ist

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Ein Steg aus rostendem Stahl ermöglicht den Besuchern einen Überblick über das Ausmaß der Anlage.

Mettenheim - Das Staatliche Bauamt Rosenheim hat für die Stiftung Bayerische Gedenkstätten einen Planungswettbewerb für die Gestaltung des Gedenkortes im Mühldorfer Hart durchgeführt.

Am Freitag wurde nun der Sieger präsentiert: das Landschaftsarchitekturbüro "Latz und Partner". Sieben Architektur- und Landschaftsbüros nahmen an dem Wettbewerb teil. Die Aufgabe bestand laut Dr. Walter Irlinger vom Landesamt für Denkmalpflege darin, eine "würdige Gestaltung für die drei Erinnerungsorte" im Mühldorfer Hart zu entwickeln: für das Waldlager ebenso wie für das ehemalige Massengrab und das Bunkergelände.

"Dabei kann man mit Sicherheit zu 100 Prozent alles falsch machen. Zugleich ist es ausgeschlossen, zu 100 Prozent alles richtig zu machen", umriss Professor Peter Latz die Herausforderung. Vor allem zwei Klippen gelte es zu umschiffen: "Wir wollen keine Verherrlichung des Geländes, wollen aber auch keinen Waldlehrpfad." Sein Landschaftsarchitekturbüro "Latz und Partner" aus Kranzberg bei Freising hatte die Jury am meisten überzeugt - auch, weil er den finanziellen Rahmen eingehalten hat. "1,5 Millionen Euro Baukosten" lautete die Vorgabe.

Bei aller Diskussion habe sich schnell herauskristallisiert, welcher Entwurf das Rennen machen würde, erklärte Eugen Bauer, Leiter des staatlichen Bauamtes Rosenheim. "Neben der hohen architektonischen und gestalterischen Qualität überzeugte das Preisgericht der respektvolle Umgang mit den baulichen und topografischen Überresten. Er lässt den drei Orten ihre Brutalität, ihre Unwirtlichkeit und damit ihre betroffen machende Besonderheit."

Dem schloss sich bei der Präsentation der Entwürfe und des Siegers am Freitag im Kulturhof Mettenheim auch Landrat Georg Huber an: "Es ist der Plan, der am wenigsten stark in die Umgebung eingreift."

"Zusammenhänge verstehen - gegen das Vergessen" heißt die Leitidee des Entwurfs, für den neben Peter Latz auch sein Sohn Tilman, Michael Stegmeier und Daniela Strasinsky verantwortlich zeichnen. Neben Erinnerungssteinen dienen drei offene Räume der Information. Beim Bunkerbogen soll ein Steg aus rostendem Stahl den Besuchern einen Überblick über das Ausmaß der Anlage ermöglichen. "Die Ruine lassen, wie sie ist", gibt Peter Latz das Motto vor. "Und nur ganz vorsichtig etwas hinzufügen."

Was die Sicherung des Geländes betrifft, wehrt sich Peter Latz ausdrücklich gegen eine Umzäunung: Man soll das Geld nicht in die Zäune stecken, die helfen nur gegen Hasen." Vielmehr gehe es darum die Besucher durch dezente Hinweise auf den richtigen Wegen zu halten.

Die Festlegung auf einen Entwurf sei nicht nur eine "zentrale Etappe", sondern auch ein "klares Signal an die Überlebenden", erklärte Dr. Gabriele Hammermann. Die Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau hob die besondere Bedeutung des Bunkergeländes im Mühldorfer Hart heraus: "Es ist einer der letzten Schauplätze des Holocaust, an dem die 'Vernichtung durch Arbeit' derart sichtbar ist."

Von einem "großen Schritt" sprach Eva Köhr als Vorsitzende des Fördervereins Kreisheimatmuseum Mühldorf, in dem die begleitende Dauerausstellung zu sehen sein soll. "Jetzt wissen wir zum Beispiel genau, welche Grundstücke für welche Maßnahmen betroffen sein werden."

Darüber hinaus gebe es allerdings keine Neuigkeiten. Das heißt: Die Gespräche mit den Grundstückseigentümern laufen, der Bundesantrag ist gestellt und einen konkreten Termin für die Umsetzung des Siegerentwurfs gibt es nicht. "70 Jahre Kriegsende", sagt Eva Köhr. "Das war mal unser Ziel."

ha/Mühldorfer Anzeiger

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