Zu rüstig für eine Sanierung

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Farbversuch auf der Südseite: "Der graue Streifen ist schon richtig grob", weiß auch Dekan Roland Haimerl.

Mühldorf - "Es ist einfach schade", sagt Dekan Roland Haimerl. "Fast der gesamte Stadtplatz ist inzwischen rausgeputzt, nur für das Haus Gottes haben wir kein Geld."

Dabei gibt Sankt Nikolaus der Altstadt ihr Gesicht, ist neben dem Nagelschmiedturm das markanteste Gebäude Mühldorfs.

Die größte Kirche der Stadt ist in die Jahre gekommen. "Eine große Sanierung würde ihr gut tun", sagt Haimerl, obwohl er weiß, dass die Zeit dafür objektiv gesehen einfach noch nicht reif ist. Zuletzt hatte ein Gutachter Sankt Nikolaus eine immer noch gute statische Konstitution bescheinigt, auch wenn der über 50 Meter hohe Turm aus Sicherheitsgründen nur noch in Ausnahmefällen begehbar ist. Anders ausgedrückt: Sankt Nikolaus ist immer noch zu rüstig, um als Sanierungsfall eingestuft zu werden.

Und für Schönheitsreperaturen oder einen neuen Anstrich fehlt schlicht das Geld. Eine entsprechende Anfrage des Leiters der Stadtkirche an die Bayerische Staatskanzlei endete mit einem knappen Antwortschreiben: In absehbarer Zeit sei das nicht finanzierbar, hieß es.

Die Baulast für das Gebäude liegt gemäß den vertraglichen Regelungen in Folge der Säkularisation beim Freistaat, Erzdiözese und Pfarrei müssten für die Sanierung der Einrichtung aufkommen. Was die finanzielle Ausstattung der Pfarrei anbelangt, seien die Hausaufgaben gemacht, erklärt Haimerl. "Seit den 50er-Jahren wird regelmäßig für die Sanierung der Kirche gesammelt. Da ist inzwischen ein Betrag zusammengekommen, mit dem sich durchaus etwas anfangen lässt."

Anders liegen die Dinge bei der Diözese. Haimerl war einst selbst Mitglied im Lenkungskreis des Baureferats und kennt deshalb die kleinen und großen Baustellen der Kirche. "Viele Gotteshäuser stehen nun einmal viel schlechter da als Sankt Nikolaus." Trotzdem: "Mit jedem weiteren Jahr, das wir warten, wird es teurer. Denn irgendwann geht es auch an die Substanz."

Die letzte Kostenschätzung für eine Komplettsanierung liegt schon Jahre zurück, Haimerl geht inzwischen von einem Betrag zwischen fünf und sechs Millionen Euro aus. "Alleine die Restaurierung der Deckengemälde ist mit Sicherheit ein Projekt über ein ganzes Jahrzehnt. In ein paar Jahren ist das nicht erledigt."

Außen auf der Südseite wurde vor Jahren bereits ein Farbversuch unternommen, der heute alles andere als elegant wirkt. "Der graue Streifen ausgerechnet auf der Schauseite ist schon richtig grob", sagt auch Haimerl. Er wird sich an den Anblick gewöhnen müssen.

ha/Mühldorfer Anzeiger

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