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Frauenpower im Bauernverband

Rückblick nach 15 Jahren als Kreisbäuerin in Mühldorf: Anna Senftl kannte keine Tabus

Nach engagierten 15 Jahren als Kreisbäuerin ist Anna Senftl nicht bange, dass ihr nun die Beschäftigung ausgeht.
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Nach engagierten 15 Jahren als Kreisbäuerin ist Anna Senftl nicht bange, dass ihr nun die Beschäftigung ausgeht.

Am 22. Juli 2022 wählen die Ortsbäuerinnen im Landkreis Mühldorf eine neue Kreisbäuerin, die nach 15 Jahren Anna Senftl beerben wird. Was der scheidenden Kreisbäuerin nach Ende ihrer Amtsperiode in Erinnerung bleiben wird, ist der große Zusammenhalt der Bäuerinnen. Auch politisch mischte sie tatkräftig mit.

Mühldorf – Eines steht fest: Langweilig wird es Anna Senftl bestimmt nicht, wenn sie am 22. Juli nach 15 Jahren ihr Amt als Kreisbäuerin an den Nagel hängt. Da gibt es daheim den landwirtschaftlichen Familienbetrieb, in dem sie fest eingebunden ist.

Künftig als Oma wichtig

Außerdem warten zwei kleine Enkeltöchter auf Bespaßung durch ihre Oma, und das E-Bike möchte schließlich auch bewegt werden. Obendrein übt die Landwirtin noch die Aufgabe einer ehrenamtlichen Richterin am Sozialgericht München aus. Außerdem ist sie Mitglied in der Vorstandschaft der Viehvermarktungsgenossenschaft Oberbayern/Schwaben.

Herausforderungen damals und heute

Am Freitag, 22. Juli, wählen die Ortsbäuerinnen im Landkreis Mühldorf eine neue Kreisbäuerin. Senftl, die auch 30 Jahre Ortsbäuerin in Egglkofen gewesen ist, setzte sich als Kreisbäuerin engagiert für die Belange der Landwirtschaft und der Bäuerinnen im Landkreis ein.

Streit um Milchpreise

Eine Zeit, die sie keineswegs missen will, obwohl sie bei ihrem Einstieg im Jahre 2007 gleich mit großen Herausforderungen konfrontiert wurde. Der Streit um den Milchpreis sowie später auch das Debakel um die Fleischpreise setzten der Landwirtschaft ordentlich zu. „Aktuell sind es die Umweltauflagen, die wir Bauern verkraften müssen“, erklärt die 60-Jährige.

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Beim Zurückschauen auf ihre lange Amtszeit erzählt sie von den Landfrauentagen, die organisiert werden mussten. „Mir war immer wichtig, dass dieser Tag mit einem Gottesdienst beginnt“, so Anna Senftl.

Vom Gottesdienst zur Modenschau

Gemeinsam mit ihrem Team aus dem Vorstand stellte die scheidende Kreisbäuerin jedes Jahr aufs Neue ein informatives und unterhaltsames Programm zusammen. „Einmal“, sagte sie mit einem Schmunzeln, „veranstalteten wir eine Modenschau, und die Models kamen aus unseren Reihen.“ Kreisbäuerin zu sein, heißt Verantwortung zu übernehmen und immer am Ball zu bleiben. So fahren die oberbayerischen Kreisbäuerinnen jährlich zu Schulungen.

Großer Zusammenhalt

„Den Austausch mit anderen Frauen schätzte ich immer sehr“, betont die 60-Jährige. Auf ihre Initiative hin wurde eine weitere Idee umgesetzt, die Landwirtinnen zusammen bringt. Wie Anna Senftl erzählt, führte sie den „Tag der Bäuerin“ ein, der explizit auch junge Frauen ansprechen soll. Die Damen treffen sich zum Brunch, zum Ratschen und Fachsimpeln. „Ich traf offenbar ins Schwarze, denn dieser Tag wird sehr gut angenommen“, freut sich die Egglkoferin, die gemeinsam mit den Frauen aus der Vorstandschaft die jährlichen Sommerlehrfahrten für Landfrauen und Bäuerinnen auf die Beine stellte.

Unterwegs für wohltätige Zwecke

Was der Kreisbäuerin nach Ende ihrer Amtsperiode bestimmt in Erinnerung bleiben wird, ist er Zusammenhalt der Bäuerinnen. Gerade wenn es um wohltätige Zwecke geht, hätten immer alle eifrig mitgemacht, so etwa bei der Landwirtschaftsausstellung in Ampfing. Das dortige Kuchenbuffet bestücken stets die Bäuerinnen, dessen Erlös sozialen Zwecken zugute kommt.

Auch Demonstrieren ist Pflicht

Die Kreisbäuerin agierte auch immer wieder politisch. So berichtet sie von einer Demonstration vor dem Waldkraiburger Schlachtho f. Der Laden am Schlachthof sollte geschlossen werden, was Anna Senftl nicht hinnehmen wollte. „Wir sammelten Unterschriften, und ich sprach mit dem Leiter des Schlachthofes“, erinnert sich die Egglkoferin. Der Laden blieb offen – und das bis zum heutigen Tag.

Die 60-Jährige wirbt nicht zuletzt unermüdlich für mehr gesellschaftliches Verständnis mit Blick auf die Tätigkeiten in der Landwirtschaft. Dazu wären Projekte an Schulen hilfreich, geleitet von Menschen aus der Praxis und nicht nur von Theoretikern, ist die Ansicht der scheidenden Kreisbäuerin.

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